Zur Semestereröffnung der VHS tritt Ingo Börchers im Kreisgymnasium Halle auf
„Wissen auf Rädern vom Pisa-Taxi“

Halle (WB). „Toll, dass ich wieder arbeiten darf“, lautet der erste Satz, mit dem Kabarettist Ingo Börchers in der Aula des Kreisgymnasiums Halle die Bühne betritt. Bei aller Freude kann er noch nicht absehen, ob ihn an alter Wirkungsstätte die Nostalgie überwältigt oder der kalte Angstschweiß ausbricht, schließlich hat er hier Anfang der neunziger Jahre sein Abitur gemacht.

Montag, 28.09.2020, 03:00 Uhr
Ingo Börchers begeisterte an alter Wirkungsstätte sein Publikum mit Leckerbissen aus 33 Jahren Kabarett. „Ich sag's gern nochmal“, so der Titel seines Programms, mit dem die VHS Ravensberg ihr Herbstsemester eröffnet hat. Foto: Johannes Gerhards
Ingo Börchers begeisterte an alter Wirkungsstätte sein Publikum mit Leckerbissen aus 33 Jahren Kabarett. „Ich sag's gern nochmal“, so der Titel seines Programms, mit dem die VHS Ravensberg ihr Herbstsemester eröffnet hat. Foto: Johannes Gerhards

„Ich sag’s gern nochmal“ lautet der Titel des Programms, ein Best of von Lieblingsstücken aus nunmehr 33 Jahren Kabarett. Um zu verdeutlichen, was in dieser Zeit alles passierte, erinnert sich Börchers an analoge Zeiten, wo der Kopierschutz von Kassetten noch mittels Klebeband ausgehebelt werden konnte. Zudem hat er die Verwandlung vom Papierflieger zur Drohne und von der Sprühsahne zum Freistoßspray miterlebt.

Kastanienmännchen als Brüsseler Atomium fehlinterpretiert

Frei nach dem Motto „Wenn du Bildung vortäuschen kannst, ist das das halbe Leben“ wirft der mehrfach preisgekrönte Wortakrobat, Schnellsprecher und Um-die-Ecke-Denker den Blick zurück, als er noch Lehrerliebling war, weil er so gut neugierig gucken konnte. Sein Kastanienmännchen wurde als Darstellung des Brüsseler Atomiums überschätzend fehlinterpretiert. Noch heute fragt sich Börchers, wann Goethe seinen Faust gemalt hat und wer eigentlich Beethovens Neunte war. Auch mit einer zeitgemäßen Version von Schillers Glocke kann er dienen: „Loch in Erde, Bronze rin, Glocke fertig, bim bim bim“. So funktioniert nach seinen Angaben das vom Pisa-Taxi ausgelieferte Wissen auf Rädern.

Seinen 120 sicher im Corona­abstand platzierten Zuhörern erläutert Ingo Börchers die verfehlten Erziehungsgrundsätze früherer Zeiten: „Man hat uns gesagt, iss deinen Teller leer, dann scheint morgen die Sonne“. Die Folgen seien nach seiner Einschätzung adipöse Jugendliche und Klimawandel. In Zeiten, in denen die Selfiestange die Nordic-Walking-Stöcke verdrängt hat und sich manche ein virtuelles Kaminfeuer aufs Smartphone laden, sagen Bilder mehr als tausend Worte, aber tausend Bilder sind nunmal absolut nichtssagend. Wenn Selbstdarstellung zum Existenzbeweis wird, glauben viele: „Besser ich werde überwacht als übersehen.“

Energy-Drinks aus Gummibärchen-Urin

Börchers selber fühlt sich inzwischen zu alt für Jugendsünden und zu jung für Altersweisheit. Als Familienvater, dessen Kinder Hagelkörner für Globuli halten, weiß er, dass die Kleinen intuitiv spüren, wenn du es eilig hast, genau wie Tiere Angst erschnuppern. Auch zu abstrusen Verschwörungstheorien kann er einiges beitragen. So werde ein beliebter Energy-Drink aus dem Urin zwangsbeschäftigter Gummibärchen gewonnen. Den Differenzbetrag von als „Pinkelbonusmeilen“ bekannten Sanifair-Bons wird der Bundesverkehrsminister nutzen, um gemeinsam mit Ex-VW-Chef Winterkorn in Wuppertal eine Herrenboutique zu eröffnen.

Aus seinem aktuellen Programm „Immer Ich“ stammen die unterschiedlichen Erklärungen zum Ich-Begriff. Was für Donald Trump lediglich eine Maßeinheit für Regierungsentscheidungen ist, halten Asiaten für ein überschätztes Phänomen aus der westlichen Welt. „Wenn mein Ich ein Du wäre, ich würde mich siezen“, so lautet eine typische Bemerkung, die man getrost als „börchern“ bezeichnen könnte. Angesichts der Flüchtlingssituation greife das Zitat von Norbert Blüm, der gesagt hat: „Ein Europa ohne Erbarmen ist ein erbärmliches Europa.“ „Wenn wir die Grenzen enger machen, sperren wir uns selber ein“, befürchtet Ingo Börchers. Sein großer Dank gilt dem ehemaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière für dessen universell einsetzbare Bemerkung: „Teile meiner Antwort würden die Öffentlichkeit verunsichern.“ Dagegen hilft nur noch das „besinnungslose Grundeinkommen“.

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