Thomas Tappe gewinnt deutlich gegen Edda Sommer und vermeidet Triumphgesten
Tappe: „Ich will ein Bürgermeister für alle sein“

Halle (WB). Die Haller haben entschieden und sie haben ein eindeutiges Votum getroffen: Thomas Tappe (CDU) ist mit 60,78 Prozent der Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt worden. Die nach dem ersten Wahlgang nicht als Favoritin geltende Edda Sommer (SPD) holte mit 39,22 Prozent nach allgemeiner Einschätzung ein sehr respektables Ergebnis, auch wenn es während der zwischenzeitlichen Schnellmeldungen in der Wahllobby im Eventcenter zu keinem Zeitpunkt wirklich spannend wurde.

Sonntag, 27.09.2020, 23:05 Uhr aktualisiert: 27.09.2020, 23:08 Uhr
Familie Tappe freut sich mit ihrem Thomas über die erfolgreiche Wahl zum Bürgermeister: (von links) Katrin Boland, Carolin Tappe, Manuel Tappe, Sonja und Thomas Tappe, Christian Tappe, Helga und Reinhard Tappe und Rita Rennemeier. Foto: Krammenschneider
Familie Tappe freut sich mit ihrem Thomas über die erfolgreiche Wahl zum Bürgermeister: (von links) Katrin Boland, Carolin Tappe, Manuel Tappe, Sonja und Thomas Tappe, Christian Tappe, Helga und Reinhard Tappe und Rita Rennemeier.

„Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden“

Die Freude war groß am Tisch der Familie Tappe, an dem auch Thomas Tappes Schwester vom Niederrhein als Überraschungsgast des Abends saß. Als bereits gegen 19.30 Uhr alle Meldungen aus den Wahllokalen vorlagen und Wahlleiter Jürgen Keil das Ergebnis verkündete, gab es lauten Jubel in den Reihen der CDU. Thomas Tappe umarmte als erstes lang und innig seine Frau Sonja, was wohl auch ein Fingerzeig darauf war, wie belastend und körperlich anstrengend der Wahlkampf über Wochen und Monate war, der neben der Arbeit als Fachbereichsleiter bei der Stadtverwaltung Versmold lief.

Trotz aller Freude war Thomas Tappe bei seiner kleinen Siegesansprache deutlich bemüht, keine Triumphgesten zu zeigen. „Ich werde mich hier nicht auf die Bühne stellen“, sagte der 49-jährige Wahlsieger. „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden“, deutete er seine Art von Amtsverständnis an. Seinen Wählern dankte Tappe für ein eindeutiges Ergebnis und bei seiner Mitbewerberin Edda Sommer bedankte er sich für einen fairen Wahlkampf, wobei er in diesen Dank auch Dr. Kirsten Witte von den Grünen einschloss. Ein besonders dickes Dankeschön sprach an den CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Axel Reimers aus. „Du hast gekämpft wie ein Löwe, Axel“, sagte er zu donnerndem Applaus aus den Reihen der CDU-Anhänger. Nach dem Dank an die Familie stellte Thomas Tappe sein Verständnis vom Bürgermeisteramt heraus. „Die Bevölkerung kann sich sicher sein, dass ich ein Bürgermeister für alle sein werde, dass ich für alle Parteien und Gruppierungen Ansprechpartner sein werde“, sagte Tappe.

Tappe will am neuen Haushaltsplan selbst mitarbeiten und ihn daher später einbringen

Im Gespräch mit der Presse ergänzte Tappe, dass es für ihn nun eine Riesenmotivation sei die Stadt entscheidend mitzugestalten. „Ich pflege einen kooperativen Führungsstil, behalte mir aber gelegentlich vor, das letzte Wort zu haben“, sagte Tappe. Ein gutes Betriebsklima im Rathaus sei ihm wichtig, denn das sei Voraussetzung für ein gutes Betriebsergebnis. An der Aufstellung des Haushaltsplanes für 2021 will er bereits als Bürgermeister ab 1. November mitarbeiten, um ihn mitverantworten zu können. Diesmal sei deshalb mit einer späteren Einbringung und Verabschiedung des Etats wie sonst üblich zu rechnen.

Edda Sommer zeigte am Abend der Niederlage Haltung. „Ich bin zwar angetreten, um zu gewinnen. Aber Thomas war ein sehr guter Gegenkandidat und ich nehme das Ergebnis sportlich. Ich wünsche ihm gutes Gelingen“, sagte sie über ihren Kontrahenten, mit dem sie sich duzt.

Irritation über lange Abwesenheit der Grünen am Wahlabend

Innerhalb der SPD wurde Edda Sommers Ergebnis positiv bewertet, sowohl vom Co-Parteivorsitzenden Jörg Witteborg als auch vom scheidenden Fraktionschef Wolfgang Bölling. Irritiert wurde von SPD-Vertretern registriert, dass den größten Teil des Abends keine Vertreter der Grünen im Eventcenter waren. Erst spät kam der Sprecher des Grünen-Ortsverbandes, Frank Winter, um zu gratulieren. Karl-Heinz Wöstmann führte eine größere UWG-Gruppe an. „Wir bekommen hier als Bürgermeister einen Verwaltungsmann mit Erfahrung“, sagte er und fügte hinzu: „Und er wird das umsetzen, war wir ihm im Rat sagen.“ Die UWG selbst werde übrigens keine Deals eingehen.

Kommentar zum Ergebnis der Bürgermeisterwahl

Die Haller haben mit einem klaren Votum die wohl wichtigste Personalentscheidung für die nächsten Jahre getroffen. Denn es kommt schon sehr darauf an, wer wie im Rathaus die Fäden zieht. Nachdem es der CDU zwei Mal mit Verwaltungsfachleuten (Keil und Kupczyk) nicht gelungen war, das Bürgermeisteramt zu erobern, kommt mit Thomas Tappe ein Mann, der zweierlei mitbringt. Zum einen eine profunde Verwaltungserfahrung, zum anderen hat Tappe über Jahre in der CDU deutliches politisches Profil gewonnen, was er im Wahlkampf nochmals geschärft hat. Tappe weiß, was er will und er kennt den Verwaltungsapparat, den er für das Erreichen seiner Ziele braucht.

Was der CDU-Mann nicht hat, ist eine politische Mehrheit im Rat, zumindest auf dem Papier. Doch Thomas Tappes offene Art, sein erkennbares Bemühen um korrekten Umgang, Anstand und ein „vernünftiges Miteinander“, wie er sagt, könnten dazu beitragen, dass die bei manchen Themen aufgerissenen Gräben überbrückt werden können. Ein emotional aufgewühltes Gegeneinander, wie es zuletzt beim hochgepuschten Thema Storck der Fall war, sollte sich Halle im Sinne einer gedeihlichen Zukunftsentwicklung nicht weiter leisten. Tappe steht dabei auch für politischen Pragmatismus und westfälische Nüchternheit. Das könnte Halle gut tun.

Stefan Küppers

 

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