Haller Gastwirte sehen kreisweit geltende Corona-Allgemeinverfügung kritisch
Bitte bis 23 Uhr austrinken!

Halle (WB). Für nicht ganz zielgerichtet hält Dirk Jasper von der „Haller Altstadt“ die neuen Corona-Regelungen , die auch seine Gaststätte treffen. Freuten sich die Wirte im Frühjahr noch über Lockerungen, gelten nun wieder schärfere Regeln – und zwar im gesamten Kreis Gütersloh, unabhängig von örtlich unterschiedlichen Infektionszahlen. Ab 23 Uhr muss ab sofort dicht sein, Jasper und weitere Wirte auch in Halle rechnen mit deutlichen Umsatzeinbußen.

Dienstag, 20.10.2020, 00:01 Uhr aktualisiert: 20.10.2020, 00:30 Uhr
Klar will auch Dirk Jasper (rechts) von der „Haller Altstadt“ alles Nötige tun, um das Coronavirus einzudämmen. „Doch Sperrstunden wären sinnvoller gezielt dort, wo die Zahlen auch wirklich hoch sind – im Süden des Kreises etwa“, findet er. Foto: Volker Hagemann
Klar will auch Dirk Jasper (rechts) von der „Haller Altstadt“ alles Nötige tun, um das Coronavirus einzudämmen. „Doch Sperrstunden wären sinnvoller gezielt dort, wo die Zahlen auch wirklich hoch sind – im Süden des Kreises etwa“, findet er. Foto: Volker Hagemann

Im Zuge steigender Corona-Infektionszahlen (am Montag lag der Sieben-Tages-Inzidenz im Kreis Gütersloh bei 53,7) ist vom heutigen Dienstag an, wie es in der neuen Allgemeinverfügung heißt, „der Betrieb gastronomischer Einrichtungen und der Verkauf alkoholischer Getränke von 23 Uhr bis 6 Uhr unzulässig“. Und: „An Festen aus herausragendem Anlass außerhalb einer Wohnung dürfen höchstens zehn Personen teilnehmen. In der Öffentlichkeit dürfen sich außerhalb von Familien und Personen zweier Hausstände nur noch Gruppen von höchstens fünf Personen treffen.“

Sorge vor bis zu 20 Prozent Umsatzverlust

„Ab 23 Uhr sind bei uns ohnehin nur noch wenige Gäste. Und wir tun schon alles Nötige, erfassen die Kontaktdaten, sorgen für Desinfektion, bieten innen nur noch 20 Plätze mit vorgeschriebenem Abstand, draußen weitere Plätze in den Pavillons“, erklärt Dirk Jasper. Er berichtet, dass in Corona-Zeiten schon viele vor allem ältere Gäste aus Sorge vor möglicher Ansteckung ohnehin nicht mehr kämen. „Wenn wir jetzt um 23 Uhr schließen müssen, haben wir sicher nochmals 15 bis 20 Prozent Umsatzverlust, vor allem an Wochenenden“, schätzt der Mitstreiter von Gastwirt Gerrit Ellguth.

Gegen verschärfte Regelungen, um die Pandemie zu begrenzen, hat er grundsätzlich nichts: „Aber sie wären sinnvoller gezielt dort, wo die Zahlen hoch sind. Im Süden des Kreises etwa.“ Denn: „Wir haben fast nur Stammgäste. Gäste aus Gütersloh oder Rheda-Wiedenbrück kommen nicht auf ein Getränk abends nach Halle.“ Laut Kreis gab es am Montag in Gütersloh 93 aktive Corona-Fälle, in Halle dagegen 6. Ausgesetzt wird der Musiker-Stammtisch in der „Haller Altstadt“. Und fest steht: „Während des Nikolausmarktes haben wir drei Tage geschlossen“, kündigt Dirk Jasper an. Dann kämen auch Besucher aus vielen anderen Orten – auch, um „nur mal eben“ das WC der Gaststätte zu nutzen.

Viele könnten unkontrolliert zu Hause weiterfeiern

Die NRW-Regelung pauschal für den ganzen Kreis zu übernehmen, das halten auch Jalatheepan und Thisa Thiru für übertrieben – zumindest, so lange die Zahlen in Halle vergleichsweise niedrig seien. Die Betreiber der „Taverne“ haben ebenfalls viele Stammkunden: „Montagabends beispielsweise junge Leute der Kirchengemeinde, die nach ihrem Treffen noch etwas bei uns essen und trinken. Die müssen wir nun zahlenmäßig begrenzen oder ausein­andersetzen, und um elf ist Schluss“, sagt Thisa Thiru. Ende Juni sei der kreisweite Lockdown nach den Ereignissen bei Tönnies als zu flächendeckend kritisiert worden, doch jetzt wiederhole man das, sagt sie.

Und sie argumentiert: „Viele, die derzeit nicht in Discos gehen können, treffen sich bei uns. Wenn man die um 23 Uhr vor die Tür setzen muss, werden viele zu Hause weiterfeiern. Und dort lässt sich schwer nachvollziehen, wie viele mit wem wann wo gefeiert haben“, sagt Thisa Thiru. Da sei das in „kontrollierter Form“ in Gaststätten sinnvoller: „Schließlich achten wir auf Mund-Nase-Bedeckung bis zum Tisch, ausreichend große Abstände, die erlaubte Gästeanzahl pro Tisch und erfassen die Kontaktdaten. Das ist doch viel sicherer.“ Auch beim Kreis heißt es zur neuen Allgemeinverfügung: „Viele Infektionen gehen auf Feiern im privaten Raum zurück.“

Kreis: Ausnahme würde einen Ort erhöhter Gefahr aussetzen

Der Kreis begründet die pauschale Regelung: „Derzeit kann aufgrund der gestreuten Gesamtlage in Nordrhein-Westfalen und steigender Infektionszahlen im gesamten Kreis Gütersloh ein Überspringen des Virus’ auf die noch weniger stark betroffenen Städte nicht ausgeschlossen werden. Aus gesundheitsfachlicher Perspektive macht es daher Sinn, die verschärften Regelungen auf das gesamte Kreisgebiet ohne Ausnahme anzuwenden.“ Die Ausnahme eines (noch) minder betroffenen Stadtgebietes würde dieses einer erhöhten Gefahr aussetzen, denn niemand könne vorhersagen, wie sich untersagte Aktivitäten dann dorthin verlagern.

Nach den seit Dienstag, 0 Uhr, geltenden Vorgaben muss sich natürlich auch die Stadt Halle richten. „Wir sind in gutem Kontakt mit den Gastronomen und vertrauen auf die korrekte Umsetzung“, sagt Benjamin Potthoff, Leiter der Abteilung Ordnung, Kultur, Schule und Sport. „Wir werden das aber auch kontrollieren.“ Das gelte im übrigen auch für die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung auf dem Bahnhofsgelände, am Bussteig und auf dem Wochenmarkt.

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