Kirchengemeinde macht Minusgeschäft wegen Stornierungen
Mit Gottvertrauen in die Freizeitsaison

Halle -

Für 250 Haller Kinder und Jugendliche ist 2020 die Ferienfreizeit mit der Kirche ausgefallen. Nach langem Zögern wurden im Juni die Pläne für Norwegen, Dänemark und – erstmals – Holland storniert. Das hat finanzielle Folgen: Die Evangelische Kirchengemeinde muss in diesem Jahr ein dickes Minus ausgleichen. Auf Kosten in Höhe von 14.000 Euro ist sie hängen geblieben. Dennoch geht die Kirche die Freizeitsaison mit Gottvertrauen an und plant für den Sommer 2021.

Freitag, 13.11.2020, 17:48 Uhr
Die Kirchengemeinde Halle organisiert immer wieder große Freizeiten in Skogtun in Norwegen.
Die Kirchengemeinde Halle organisiert immer wieder große Freizeiten in Skogtun in Norwegen. Foto: privat

 

„Viele Kinder und Jugendliche hatten sich das ganze Jahr auf die Freizeit und die Gemeinschaft gefreut, Ferien ohne Eltern, aber mit Freunden. Irgendwann nach dem Tönnies-Lockdown mussten wir den Eltern gegenüber Farbe bekennen. Auf den letzten Drücker haben wir dann abgesagt“, berichtet Peter Hartel (56) von der großen Unsicherheit und davon, dass viele Eltern schon von sich aus die Fahrten absagen wollten. Als Vorsitzender des Jugendausschusses der Kirchengemeinde freut er sich jetzt darüber, dass die Gemeinde finanziell mit einem blauen Auge davon gekommen ist – und nicht auf einem Defizit von womöglich 50.000 Euro sitzen bleibt. „Das hätte für uns noch bitterer werden können: Trotz aller Kulanz hätten die Stornokosten eigentlich 50.000 Euro betragen“, berichtet Peter Hartel.

Dafür, dass die große Summe so zusammengeschmolzen ist, bedankt er sich vor allem bei den Eltern. Denn diese haben tatsächlich tief in die eigene Tasche gegriffen und 10.000 Euro gespendet. „Wir haben die Familien aller Teilnehmer angeschrieben und ganz vorsichtig angefragt, ob sie sich vorstellen können, einen kleinen Betrag zu spenden. Die Resonanz darauf war riesig: Manch einer hat zehn Euro gespendet, andere viel mehr“, würdigt der Presbyter die Hilfsbereitschaft der Haller. Zur Erinnerung: Für zwölf Tage Jungscharfreizeit zahlen die Teilnehmer etwa 300 Euro, die Konfi-Jahrgänge und die noch älteren Jugendlichen, die mit Pastor Bernd Eimterbäumer oder Jugendreferent Martin Kralemann auf Tour nach Skandinavien gehen, sind auch schon mal mit 560 Euro und mehr dabei.

„Sehr wohlwollend“ habe sich auch der Kreis Gütersloh bei den Fördermitteln gezeigt, sagt Peter Hartel. Auch das Land sei mit den Mitteln, die über die Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Jugend in Deutschland verteilt worden seien, großzügig gewesen.

„Trotz aller Unsicherheiten wollen wir 2021 wieder Freizeiten anbieten“, sagt Peter Hartel. „Solange es geht, halte ich die Fahne hoch“, sagt auch Jugendreferent Martin Kralemann und macht damit deutlich, wie ernst er diesen Teil seiner Aufgaben nimmt.

Kralemann unternimmt seit 30 Jahren Freizeiten mit Jugendlichen und ist im Nachhinein auch zufrieden damit, wie der Sommer für die Jugendlichen jetzt gelaufen ist. Mit dem „Tönnies-Lockdown“ sei ihm „ein bisschen der Boden unter den Füßen weggebrochen“, erinnert er sich an seinen ersten Zorn darüber, dass alle Energie und Arbeit, die das Team in die Vorbereitung gesteckt hatte, vergeblich waren. Kralemann: „Wir hatten lange Hoffnung, dass es klappt. Denn am Freizeitort sind unsere Gruppen meistens ganz allein, quasi in Quarantäne. Auf eine Tagestour hätten wir verzichten können. Aber für den Weg dahin, für Fähre und Ratstätte, haben wir keine Lösung gefunden. Und dann greifen im Ausland ja auch andere Gesetze. Dies Risiko und die Verantwortung konnten wir nicht übernehmen.“

Jetzt setzt er auf Schnelltest und Impfstoff. Und plant mit Bernd Eimterbäumer wieder vier Jugendfreizeiten: zwei nach Norwegen, eine in den Norden Dänemarks und eine auf Bornholm. Die Infos sollen in den nächsten Wochen online und als Flyer veröffentlicht werden.

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