Im Werk in Halle könnte das Vakzin im Auftrag von Biontech und Pfizer massenhaft hergestellt werden
Baxter soll Corona-Impfstoff produzieren

Halle (WB/dpa) -

Der im Kampf gegen das Coronavirus weltweit sehnsüchtig erwartete Impfstoff soll offenbar auch in OWL produziert werden. Das eigentlich auf Medikamente zur Krebstherapie spezialisierte Werk des US-Pharmakonzerns Baxter in Halle (Kreis Gütersloh) bereitet sich nach Informationen dieser Zeitung auf die Herstellung vor. Konkret soll es um das Vakzin des Mainzer Herstellers Biontech und seines US-Partners Pfizer gehen.

Mittwoch, 18.11.2020, 21:14 Uhr aktualisiert: 19.11.2020, 09:35 Uhr
Im Baxter-Werk Halle werden vor allem Krebsmedikamente produziert. Bald könnte dort auch Corona-Impfstoff hergestellt werden.
Im Baxter-Werk Halle werden vor allem Krebsmedikamente produziert. Bald könnte dort auch Corona-Impfstoff hergestellt werden.

 Baxter-Personalchef Jürgen Fleischer wollte dies am Mittwoch weder bestätigen noch dementieren. Er lehnte eine Stellungnahme mit Verweis auf Mitteilungsregeln für den börsennotierten Konzern ab. Nach Informationen des WESTFALEN-BLATTES sollen aber die fast 800 Mitarbeiter am Standort über entsprechende Pläne zur Impfstoffproduktion informiert worden sein. Die Herstellung im Auftrag von Pfizer und Biontech soll demnach Anfang Dezember mit Testläufen beginnen, die Massenproduktion im Januar starten. Vorbereitungen für die Impfstoffproduktion liefen bereits, heißt es. Auch zusätzliche Mitarbeiter könnten eingestellt werden.

Der milliardenfache Bedarf an Corona-Impfstoffen in möglichst kurzer Zeit kann von den Vakzin-Entwicklern und deren Partnern nicht alleine gedeckt werden. Biontech und Pfizer wollen noch im Dezember 50 Millionen Impfdosen und bis zu 1,3 Milliarden Dosen bis Ende 2021 vertreiben. Sie suchen in der Pharmabranche Auftragsfertiger mit weiteren Produktionskapazitäten. Baxter verfügt über entsprechende Kompetenz im Bereich von Medikamenten, die direkt in die Blutbahn beziehungsweise den Organismus gespritzt werden. Mit wenigen Umrüstungen sei in Halle die Herstellung der für den Impfstoff benötigten Boten-Ribonukleinsäure möglich, heißt es aus dem Umfeld.

Baxter (weltweit 50.000 Mitarbeiter) betrieb einst selbst eine Impfstoffsparte, die aber nicht in Halle angesiedelt war. Dieser Geschäftsbereich mit Mitteln etwa gegen Pneumo- oder Meningokokken wurde 2014 an Pfizer verkauft.

Als Herausforderung beim Vakzin von Biontech und Pfizer gilt, dass der Impfstoff nach der Herstellung auf minus 70 Grad heruntergekühlt und bei dieser Temperatur auch transportiert und gelagert werden muss. Beide Partner haben nach eigenen Angaben spezielle Kühlbehälter entwickelt. Sie sollen durch das Nachfüllen mit Trockeneis auch für 15 Tage als Übergangsbehälter dienen können.

Biontech und Pfizer gaben am Mittwoch weitere Details zum Vakzin bekannt. Mit 95 Prozent liege die Wirksamkeit noch etwas höher als bislang bekannt. Das Vakzin funktioniere über alle Altersgruppen und demografische Unterschiede hinweg ähnlich gut und zeige praktisch keine ernsten Nebenwirkungen, teilten die Firmen nach Abschluss letzter Analysen mit. Die für eine Notfallzulassung in den USA notwendige Sicherheit des Impfstoffes BNT162b2 sei gewährleistet. Im Lauf der nächsten Tage werde ein Antrag gestellt. Auch andere Zulassungsbehörden weltweit würden die Informationen erhalten.

Der US-Pharmakonzern Moderna hatte zuletzt für sein ähnliches Präparat, das aber nicht so temperaturempfindlich ist, eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent errechnet.

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