Wie die Inhaber des Landgasthofes Pappelkrug den großen Kampf in der Corona-Krise erleben
Kunden schenken Motivationskisten

Halle-Künsebeck -

Ja, es sind schwere Zeiten für das Ehepaar Jörg und Diana Haskenhoff, die wie viele weitere Unternehmer-Kollegen aus der Haller Gastronomie und Hotellerie seit Monaten versuchen ein Schiff durch die schwere Corona-See zu steuern, ohne dabei zu kentern. Und auch wenn im aktuellen Lockdown der Herbststurm der Mannschaft an Bord noch eine unbekannte Zeit heftig ins Gesicht bläst, gibt es in der Bedrängnis die besonderen Momente, die Freude bereiten und kolossal motivieren

Freitag, 20.11.2020, 21:18 Uhr
Jörg und Diana Haskenhoff sitzen alleine in ihrem geschlossenen Restaurant. Mit dem „Pappel-Mobil“ und
Jörg und Diana Haskenhoff sitzen alleine in ihrem geschlossenen Restaurant. Mit dem „Pappel-Mobil“ und Foto: Küppers

.Vor Tagen war so ein Moment, als besonders treue Kunden des Landgasthofes Pappelkrug pfiffig gestaltete Motivationskisten für die kämpfenden „Pappelkrieger“ verschenkten. Die Kisten waren mit „Nervennahrung“ für die Mitarbeiter und aufmunternden Sprüchen versehen.

Diana Haskenhoff (35) spürt in diesen Momenten die besondere Verbundenheit zu Gästen. „Das gibt uns Kraft und ist ein wirklich großer Antrieb“, sagt die Chefin, die mit ihrem Mann noch ein kleines Hotel (20 Betten) und die Familie mit zwei Kindern managt.

Umsatzeinbußen bis zu 75 Prozent zum Beispiel bei Feiern

Während des ersten Lockdowns im Frühjahr hat das Gastronomen-Paar dem WB erstmals von den Herausforderungen und Unsicherheiten berichtet. Ein halbes Jahr und zwei weitere Lockdowns (inklusive Tönnies) später, ist die Lage nicht einfacher geworden. Im Hotel sei derzeit maximal noch 25 Prozent der üblichen Belegung zu verzeichnen. Der Einbruch bei Feierlichkeiten liege aufs ganze Jahr gerechnet bei 75 Prozent. Und auch im Restaurant-Geschäft gebe es trotz guter erster Monate und angezogener Nachfrage im Sommer und im frühen Herbst große Einbußen. Mehr Abstand, weniger Tische, weniger Umsatz. „Auch als das Geschäft etwas anzog, musste man sich sehr genau die Zahlen ansehen und überlegen, wie viele Mitarbeiter man einsetzt“, verdeutlicht Jörg Haskenhoff (39). Hinzu kamen erhebliche Investitionen in Hygieneschutzmaßnahmen. „Angesichts der Entwicklung der Infektionslage, fragt man sich aber zwischenzeitlich schon, ob das alles Sinn macht“, sinniert der Chef.

Doch das Unternehmerpaar will mit dem Team weiter hart arbeiten, um die Krise durchzustehen. Dazu gehört auch der Außerhaus-Verkauf, weshalb das Küchenteam mit Koch Jörg Haskenhoff auch im Lockdown von Mittwoch bis Sonntag stark im Einsatz ist. Ob Gans-, Grünkohl- oder Wildgerichte: Das Außerhaus-Geschäft ist ein wichtiger Faktor geworden.

Gastronomen skeptisch bei staatlichen Leistungen

Auch wenn die Haskenhoffs keineswegs mutlos sind, bei den Staatshilfen für die Gastronomie bleiben sie skeptisch. Die im Frühjahr gewährte Corona-Soforthilfe müssen sie nun zurückzahlen, weil der seinerzeitige Umsatzverlust wegen des Außer-Haus-Verkaufes nicht die mindestens vorgegebenen 60, sondern „nur“ 55 Prozent betrug. Und auch die im jetzigen Lockdown versprochene November-Hilfe des Staates (Ersatz von 75 Prozent des Vorjahresumsatzes) ist noch nicht angekommen. Die ständig wechselnden Informationen und die anhaltende Unsicherheit unter dem Motto „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ mache mürbe, beschreibt Diana Haskenhoff. Dass sie den Pappelkrug im Dezember schon wieder öffnen dürfen, glauben die beiden nicht. Aber mit Hilfe der Gäste wolle man versuchen durchzuhalten, bleiben die Haskenhoffs kämpferisch.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7688097?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516076%2F
Maskenattest: Diagnose nennen ist nicht Pflicht
Beschäftigte in den Ordnungsämtern kontrollieren - wie hier in Pforzheim - die Maskenpflicht.
Nachrichten-Ticker