Am 20. Januar soll der Haller Haupt- und Finanzausschuss eine Vorentscheidung für die geplante Storck-Werkserweiterung treffen
Der ganze Storck-Konflikt in 251 Seiten Vorlage

Halle -

Die letzte Entscheidung über die geplante Erweiterung der August Storck KG in Halle um etwa 18 Hektar wird nach einem rund dreieinhalb Jahre nach dem Antrag des Unternehmens durch die Stadt Halle vorbereitet. Dazu ist eine 251 Seiten umfassende Beschlussvorlage erarbeitet worden.

Dienstag, 12.01.2021, 07:44 Uhr aktualisiert: 12.01.2021, 17:02 Uhr
Hier ein Blick aus der Vogelperspektive auf das Storck-Werksgelände in Halle.
Hier ein Blick aus der Vogelperspektive auf das Storck-Werksgelände in Halle. Foto: Fälker

Diese Beschlussvorlage ist eine der längsten, die von der Stadtverwaltung bislang für eine Beratung erstellt worden ist. 251 Seiten stark ist die Vorlage für den Haupt- und Finanzausschuss, der am Mittwoch, 20. Januar, 17.15 Uhr in der Sporthalle Masch tagt. Dort soll eine Entscheidung über die Änderung des Flächennutzungsplanes bezüglich der geplanten Erweiterung der Firma Storck erfolgen.

Nach zwei erfolgten Beteiligungsschritten im Planverfahren, der frühzeitigen Bürgerbeteiligung im Frühjahr sowie der Offenlage im Herbst, hält die Stadtverwaltung die Erweiterungsplanung gut dreieinhalb Jahre nach Beantragung durch das Unternehmen für entscheidungsreif.

Viele Einwendungen waren bereits während der Sitzungen zum Thema Storck im Sommer diskutiert worden. Doch im Zuge der Offenlage sind nochmals 19 Einwendungen mit teils grundlegender Kritik aktualisiert worden.

Ausführliche Antworten auf umfassende und grundsätzliche Kritik

Viele Beteiligte äußern grundlegende Kritik an der geplanten Erweiterung. Die Standortentscheidung für die Unternehmenserweiterung zulasten des Waldbestands und des Freiraums wird für falsch gehalten, Neuentwicklungen sollten durch Nachverdichtungen im Bestand oder wenn überhaupt an anderer Stelle oder im Ausland erfolgen. In einer ausführlichen Begründung über allein elf Seiten nur zu diesem Teilaspekt legt die Verwaltung dar, warum auch nach einer Alternativenprüfung das Konzerninteresse nach perspektivisch ausreichenden Erweiterungsmöglichkeiten in Halle nachvollziehbar und das Vorhandensein von genehmigungsfähigen Erweiterungsflächen von sehr großer Bedeutung für Halles weitaus größten Arbeitgeber sei. Auch auf das veränderte Verkehrskonzept mit nunmehr zweiter Zufahrt an der Westumgehung, was Storck in Halle als Verbundstandort weiter zukunftsfest machen soll, wird ausführlich eingegangen.

Relativ krisenfeste Arbeitsplätze

In Erwiderung auf Einwendungen, die vom „Märchen der wundersamen Arbeitsplatzvermehrung“ sprechen und eine „Arbeitsplatzgarantie“ vermissen, begründet die Verwaltung ihre Abwägung damit, dass Storck für den regionalen Arbeitsmarkt mit bisher immer relativ krisenfesten Arbeitsplätzen von besonderer Bedeutung sei. Dieses habe sich für die Stadt im Zuge der Krise von Gerry Weber sehr deutlich gezeigt und werde auch jetzt im Zuge der Covid-19-Pandemie nochmals sehr deutlich.

Nach massiver Kritik legt die Verwaltung auch ausführlich dar, warum die Inanspruchnahme von betriebseigenen Waldflächen in der Abwägung vertretbar erscheint und welche Maßnahmen einen gewissen Ausgleich herstellen sollen. Auch die Thematik des erhöhten Wasserbedarfes der Firma Storck und dessen Auswirkungen auf die Wasserbedarfe der Stadt wird in der Vorlage mit einem hydrogeologischen Fachgutachten ausführlich dargelegt. Zur Kritik, dass Gutachten nicht neutral seien, weil die Fachbüros von Storck bezahlt würden, legt die Verwaltung dar, warum rechtliche und inhaltliche Vorgaben der Behörden dadurch nicht berührt seien.

Kritik an Art der massiven Kritik des BUND

Die allein zehn Seiten umfassende Stellungnahme des BUND, in der unter anderem „planerische Kreativität vermisst“ und zur Umlegung des Laibaches sehr scharfe Kritik („eklatanter Etikettenschwindel“, „vollkommen naturschutzfachlich ohne Sinn“, „Fließgewässerverlauf hingebastelt“) geäußert wird, wird umfassend beantwortet und abgewogen. Speziell zur Laibach-Umlegung missfällt der Stadt jedoch der Ton: „Ganz sicher kann man über diverse Fragestellungen der Aufhebung der Verrohrung und der Neuverlegung unterschiedlicher Meinung sein und verschiedene Ziele verfolgen. Die vorgetragene Art der massiven Kritik wird den Anforderungen aber in keiner Weise gerecht.“

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