Alte Spanplatten sind nicht immer beliebt – bei Tischler und Designer Sven Stornebel entstehen daraus jedoch einzigartige Möbel
Wie die „unschöne Seite“ schick wird

Werther/Halle -

Als Sven Stornebel nach seiner Tischlerlehre studieren wollte und dann auch noch „irgendwas mit Design“, war seinen Eltern klar: „Jetzt ist der Junge übergeschnappt!“

Donnerstag, 04.02.2021, 20:04 Uhr
Durch die verschiedenen Resthölzer entsteht das Streifenmuster in diesem Stuhl, den Sven Stornebel zeigt.
Durch die verschiedenen Resthölzer entsteht das Streifenmuster in diesem Stuhl, den Sven Stornebel zeigt. Foto: Volker Hagemann

Drastische Worte, die sich längst in Wohlgefallen aufgelöst haben, wie der Wahl-Wertheraner lachend berichtet. Denn bis heute hat der kreative Kopf eine Reihe an höchst individuellen Möbelstücken, Dekoartikeln und ganze Laden- und Hoteleinrichtungen gebaut. Gerne übrigens aus recycelten Materialien, und selbst im Sperrmüll entdeckt Stornebel immer wieder Brauchbares – was man seinen Anfertigungen nun wirklich nicht auf den ersten Blick ansieht.

Den Begriff „Designer“ hört der 49-Jährige, der in Grünbach im sächsischen Vogtland aufgewachsen ist, gar nicht mal so gerne, winkt bescheiden ab: „Das klingt immer so hochgegriffen.“ Dabei hat er nach seiner Ausbildung zum Tischler und den Prüfungen zum Holztechniker, Form- und Raumgestalter in der Tat ein Studium an der Westsächsischen Hochschule Zwickau im Fachbereich Angewandte Kunst absolviert, ist seitdem offiziell Diplom-Designer.

2005 von Sachsen nach OWL gezogen

Nach Ostwestfalen kam Sven Stornebel schließlich 2005 für eine sechsjährige Tätigkeit beim Herforder Shop- und Showroom-Designer Moysig, dort gestaltete er unter anderem den Merchandising-Shop für die in Dülmen gefertigten Wiesmann-Roadster. Und fand in Herford auch sein privates Glück: „Dort habe ich meine Frau kennengelernt, eine Ur-Wertheranerin und Architektin, mit der ich nun in der Knochenmühle in Werther lebe“, freut er sich.

Ein großer Wunsch blieb Sven Stornebel aber immer im Hinterkopf: „Ich möchte weiterhin auch handwerklich kreativ sein.“ Wie passend, dass er Ende 2010 in Herford auf den Designer und Innenarchitekten Oliver Schübbe traf, der unter anderem aus Altmöbeln und weiteren gebrauchten Dingen wiederum neue Möbel herstellt – ganz im Sinne des Upcycling. „Das brachte mich in Kombination mit meiner Tischler-Vorgeschichte dazu, Holzreste aller Art zu verwenden und daraus eigene neue Stücke anzufertigen“, erklärt Stornebel. 2011 machte er sich damit selbständig.

Genügend ausrangierte Holzmöbel auf Lager – als Grundlage für Neues

Längst hat sich herumgesprochen, dass der Wertheraner für sein kreatives Schaffen ausrangierte Holzmöbel gut gebrauchen kann, „ich habe erstmal genug davon auf Lager“, sagt er. „Schrankteile aus Massivholz und Holzwerkstoffe werden in Streifen gesägt. Selbst alte Spanplatten verwende ich gerne. Die Streifen werden bunt sortiert, mit Holzleim verklebt und ergeben einen neuen Holzwerkstoff, die Grundlage des Sitzmöbels. Die Oberfläche ist mit Holzstaub gespachtelt, geschliffen und geölt.“ Der treffende Name: „The other side“. „Denn hier wird wichtig, was man ursprünglich nicht sieht: die schmale, zunächst unschöne Seite von Span-, Tischler- oder Sperrholzplatten. Durch die Kombination unterschiedlichster Materialien entsteht eine neue ungewöhnliche Ästhetik“, erklärt Sven Stornebel.

Stühle, Tische, Regale – längst ist eine ansprechende Möbelserie aus recycelten Materialstreifen entstanden. Als dann auch noch die PRO7-Wissenssendung „Galileo“ unter dem Motto „Wie baut man Möbel aus Sperrmüll?“ über ihn berichtete, wuchs der Bekanntheitsgrad. Gerade erst orderte ein Kunsthaus 40 seiner Stühle. Auch mit der Einrichtung eines Hostels und einer Weingalerie in Essen wurde der Wertheraner schon beauftragt.

Langzeitsarbeitslose und Flüchtlinge mit jeder Menge Potenzial

Stichwort Essen: In der Ruhr-Metropole hat Sven Stornebel ein weiteres spannendes Betätigungsfeld, dem er sich regelmäßig auch vor Ort widmet: Seit fünf Jahren arbeitet er dort in Diensten der Diakonie, gestaltet als Abteilungsleiter gemeinsam mit Langzeitarbeitslosen und Geflüchteten individuelle Möbel und viele weitere Accessoires. „Die Menschen dort bringen ein unheimlich riesiges Potenzial mit“, schwärmt er. „Da kann eine Afghanin super knüpfen, ein Pole schnitzt filigran, und wir kombinieren all das seit 2016 unter dem Label ‚Kronenkreuz‘.“

Die meiste Zeit jedoch verbringt Sven Stornebel in seiner Werkstatt in der Alten Lederfabrik in Halle. An Kreissäge, Hobelmaschine und Fräse entstehen seine Möbelstücke. Heute sagt er aus tiefster Überzeugung: „Ich mache genau das, was ich schon immer wollte!“

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