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So., 21.05.2017

»Wohnen« oder »Unterbringung«? – Viele Fragen bleiben offen Leiharbeiter unter der Lupe

Ob die Werkvertragsarbeiter, die in Harsewinkel wohnen, alle im fleischverarbeitenden Konzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück beschäftigt sind, bleibt auch nach längerer Recherche der Stadtverwaltung unklar. Einige davon sicher.

Ob die Werkvertragsarbeiter, die in Harsewinkel wohnen, alle im fleischverarbeitenden Konzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück beschäftigt sind, bleibt auch nach längerer Recherche der Stadtverwaltung unklar. Einige davon sicher.

Von Elke Westerwalbesloh

Harsewinkel (WB). Es sind 310 Personen, bei denen wegen ihrer häufigen An- und Abmeldung in Harsewinkel eine eher wohnheimmäßige Unterbringung und damit die Beschäftigung als Werkvertragsarbeiter vermutet wird. »Vermutet« ist das Stichwort: »Wir wissen nicht, wer das alles ist«, sagt Ewald Lüffe, Fachbereichsleiter Bürgerdienste, nach der Sitzung des Hauptausschusses.

Dabei hatten sich die Harsewinkeler doch extra einen Experten in die Sitzung kommen lassen, der etwas mehr Licht ins Dunkel bringen sollte. Armin Wiese von der Regionalvertretung der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten bietet seine Unterstützung bei den Beratungen über die soziale Situation von Werkvertragsarbeitern an.

»Er hat uns bestätigt, dass die angedachten Standards bezüglich der Leiharbeiter eingehalten werden«, erklärt Lüffe, dass natürlich in Sachen Leiharbeiter der Blick auch auf den fleischverarbeitenden Konzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück fällt.

Arbeiter stammen aus Polen, Rumänien oder Bulgarien

Ob es sich in Harsewinkel und Greffen tatsächlich nur um Werkvertragsarbeiter aus diesem Betrieb handelt, bleibt fraglich. Wiese versicherte, dass bereits seit 2013 viele Werkverträge in Dienstverträge umgewandelt wurden. Damit haben die Leiharbeiter ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis bekommen.

Doch ändert es scheinbar nichts an der Wohnsituation der Menschen, die aus Polen, Rumänien oder Bulgarien stammen. An der August-Claas-Straße 6 und 8, in der sie zum Teil wohnen, ist es gelegentlich zu Ruhestörungen gekommen. Die Nachbarn haben das gemeldet. Politik und Verwaltung waren darüber informiert.

Alles unauffällig außer gelegentlicher Ruhestörungen

Den Stein ins Rollen brachten dann schließlich die Harsewinkeler Christdemokraten um Fraktionssprecher Heinz Bünnigmann – bereits im Dezember 2016. In einem Antrag baten sie die Verwaltung, sich einen Überblick über die Zahl und die Anschriften der so genannten Werkvertragsarbeiter in Harsewinkel zu verschaffen und offenzulegen.

Ordnungsamtsmitarbeiter Michael Bergholz hat sich rangemacht und ganze Arbeit geleistet: Er hat eine Liste erstellt, die die Anschriften beinhaltet, die aufgrund der häufigen Meldevorgänge eine wohnheimähnliche Nutzung zur Unterbringung von ausländischen Arbeitnehmern aufweisen. Doch schien aus ordnungsbehördlicher Sicht alles unauffällig – bis auf die August-Claas-Straße.

Mietpreise sind stark angestiegen

Die Stadt hat sich der Sache angenommen und mit Hilfe des Wohnungsaufsichtsgesetzes als »Wohnungspolizei« (wir berichteten bereits am 10. Mai) die Unterkünfte kontrolliert. Ferner ist man der Frage nachgegangen, ob in Bestandsgebäuden eine illegale Überbelegung stattfindet, die bauordnungsrechtlich untersagt werden kann. Ergebnis: »Die Baugenehmigungsbehörde (Kreis Gütersloh) muss prüfen, ob noch ›Wohnen‹ stattfindet oder es sich eher um eine ›Unterbringung‹ handelt«, lässt Lüffe wissen.

Des Weiteren sind in Harsewinkel die Mietpreise in den Jahren 2013 bis 2015 überdurchschnittlich gestiegen – nämlich um 5,5 bis 7,5 Prozent. Damit verzeichnet Harsewinkel den stärksten Mietpreisanstieg im Kreis. Demnach sind Sozialwohnungen in Harsewinkel knapp – und die Möglichkeit für einen Geringverdiener, bezahlbaren Wohnraum zu finden, eher schwer.

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