Mi., 06.06.2018

Harsewinkel: Polizei nimmt Zuwanderer (25) fest und gründet Mordkommission Opfer überlebt Messerattacke

Beamte der Spurensicherung stellen kleinste Hinweise sicher, die sich sowohl am mutmaßlichen Tatort, der Wohnung einer 34-jährigen Gütersloherin, als auch am Fundort des Opfers auf dem Tecklenburger Weg ergeben.

Beamte der Spurensicherung stellen kleinste Hinweise sicher, die sich sowohl am mutmaßlichen Tatort, der Wohnung einer 34-jährigen Gütersloherin, als auch am Fundort des Opfers auf dem Tecklenburger Weg ergeben. Foto: Gabriele Grund

Von Stephan Rechlin

Harsewinkel (WB). Ein 24 Jahre alter Mann hat die Messerattacke eines 25 Jahren alten Zuwanderers überlebt. Er wurde erstversorgt und anschließend in ein Bielefelder Krankenhaus transportiert. Der mutmaßliche Täter ist gefasst.

Dem Polizeibericht zufolge ereignete sich die Tat in der Wohnung einer 34 Jahre alten Gütersloherin am Tecklenburger Weg in Harsewinkel. Dort muss es zu einem heftigen Streit zwischen den beiden Männern gekommen sein – offenbar nicht zum ersten Mal. Eine Nachbarin am Tecklenburger Weg, die nicht genannt werden möchte, berichtet von »mehreren Polizeieinsätzen«, die es in der Vergangenheit dort bereits gegeben habe. Sie gehe davon aus, dass der mutmaßliche Täter, der möglicherweise aus Indien stamme, eine Beziehung zu der Frau unterhalten habe: »Man sah sie Hand in Hand spazieren gehen.« Ob es sich daher möglicherweise um eine Beziehungstat handelte, lässt der Polizeibericht offen. Nachfragen waren nicht möglich, da die zuständige Polizeipressestelle in Bielefeld am Dienstag kurz nach Versenden der Mitteilung nicht mehr besetzt war.

Opfer schleppt sich aus dem Haus

Das Opfer war etwa 150 Meter weit entfernt von der Wohnung gefunden worden. Offenbar hatte der schwer verletzte Mann die Wohnung nach der Tat verlassen und war bis auf Höhe der Volksbank-Filiale am Tecklenburger Weg gekommen. Dort hatten ihn Passanten gefunden, erstversorgt und die Polizei gerufen.

Staatsanwalt und Polizei prüften zunächst, ob es sich um ein versuchtes Tötungsdelikt handelt. Dazu hatten die Polizeibehörden Bielefeld und Gütersloh eine Mordkommission eingerichtet.

Am Mittwochnachmittag gaben die Polizeibehörden Bielefeld und Gütersloh sowie die Staatsanwaltschaft Bielefeld bekannt, dass mittlerweile Haftbefehl wegen Totschlags gegen den 25-Jährigen erlassen worden sei. Ebenfalls wurde bekanntgegeben, dass sowohl der Täter als auch das Opfer aus Bangladesch stammen. Das Opfer sei noch im Krankenhaus, schwebe mittlerweile aber nicht mehr in Lebensgefahr.

Immer mehr Messerattacken

Die zunehmende Zahl von Messerattacken beschäftigt inzwischen auch politische Gremien. Die SPD-Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen hat in einer eigenen Auswertung von Polizeipressemitteilungen ermittelt, dass es allein von September 2017 bis Anfang März 2018 2075 Angriffe gegeben hat, davon gut 570 mit Stichwaffen. Den Spitzenplatz mit 44 Messerattacken nimmt demzufolge Duisburg ein, gefolgt von Köln (39), Essen (34) und Bonn (33).

Als Konsequenz fordert die SPD, Messerattacken auch in Nordrhein-Westfalen statistisch zu erfassen. Wenn es belastbare Zahlen gebe, könne auch bei der Ausbildung junger Polizisten ein Schwerpunkt auf Messerangriffe gelegt und die Ausrüstung verbessert werden. Auch müssten Konzepte erarbeitet werden, Messerattacken wirkungsvoll entgegenzuwirken.

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