Fr., 07.12.2018

Personalmangel: Tierärztlicher Notdienst wird in Harsewinkel nicht mehr angeboten Zu viele Anrufe wegen Kleinigkeiten

Dobermann Eiko fühlt sich bei seiner Tierärztin Dr. Elke Meyer-Wilmes wohl. Im Notfall muss er aber jetzt in die Klinik.

Dobermann Eiko fühlt sich bei seiner Tierärztin Dr. Elke Meyer-Wilmes wohl. Im Notfall muss er aber jetzt in die Klinik. Foto: Gabriele Grund

Von Elke Westerwalbesloh

Harsewinkel (WB). Wenn Waldi sich am Samstagabend an seinem Knochen verschluckt, dann sollte Frauchen den heimischen Tierarzt erst gar nicht ansteuern: Denn den tierärztlichen Notdienst in Harsewinkel gibt es am Wochenende nicht mehr. Wer einen Notfall hat, der muss in die nächste Tier-Klinik.

Bisher haben sich die Tierärzte Dr. Elke Meyer-Wilmes, Dr. Reinhard Niedick und Dr. Wilhelm Hemkemeyer abwechselnd um Waldi und Co. gekümmert, wenn am Wochenende ein Notfall auftrat. Nun bleibt lediglich die normale Sprechstunde am Samstagvormittag und die Versorgung der Tiere am Wochenende, die Dr. Elke Meyer-Wilmes als Fundtiere in ihrer Praxis an der Oesterweger Straße betreut.

Arbeitszeitgesetzt werde schärfer kontrolliert

Ein Grund für das Ende des tierärztlichen Notdienstes sei das Arbeitszeitengesetz. Dabei gelte die 48-Stunden-Woche bei sechs Arbeitstagen, die die Tierärzte einhalten müssten. »Das Gesetz gibt es schon lange. Es ist allerdings verschärft worden – ebenso wie die Kontrollen in den Praxen. Wir sind dazu verpflichtet, die Arbeitszeiten einzuhalten«, erklärt Dr. Elke Meyer-Wilmes.

Die Idee, den Notdienst auf weitere Tierärzte auszuweiten, indem die drei Harsewinkeler mit anderen Ärzten zusammen arbeiten, habe nicht gefruchtet. »Dr. Niedick und ich haben versucht, mit Kollegen aus den Nachbarstädten zu kooperieren. Allerdings hatte von den Tierärzten, die ich angesprochen habe, niemand Interesse, sich an dem Notdienst zu beteiligen«, berichtet Meyer-Wilmes geknickt.

Harsewinkeler Tierärzte stark ausgelastet

Die Harsewinkeler Tierärzte seien ohnehin schon stark ausgelastet. Da nun Dr. Wilhelm Hemkemeyer, der seine Praxis seit 40 Jahren in Greffen am Warendorfer Landweg führe, altersbedingt nur noch in Teilzeit arbeite, werde die Situation noch angespannter. Seine 48-Stunden-Bereitschaft am Wochenende könne nicht mehr mit eingeplant werden.

Dr. Hemkemeyer sei mittlerweile 69 Jahre alt und bis dato zuständig für die Organisation des Notdienstes. Er habe die Pläne erstellt und mit den beiden anderen Tierärzten abgestimmt. Der Notdienst für allein zwei Tierärzte der Mähdrescherstadt sei nicht zu schultern. »Alle zwei Wochen Notdienst – das ist für uns definitiv zu viel«, berichtet Dr. Elke Meyer-Wilmes.

Nur wenige echte Notfälle dabei

Ein Problem sei es auch, dass viele Tierbesitzer nicht mehr unterscheiden könnten, wann es sich um einen Notfall handele. »Wenn das Telefon 30 Mal klingelt, dann sind in der Regel nur drei Notfälle darunter«, sagt die Ärztin. Sie berichtet davon, dass sie Anrufe in der Nacht bekommen habe, in denen sich etwa Tierbesitzer meldeten, weil sie das Tier beim Krallenschneiden verletzt hätten und es nun blute. »Das kommt wirklich vor«, beteuert Meyer-Wilmes.

Doch damit ist nun Schluss. Wer einen Notfall habe, der müsse sich an die nächste Tierklinik wenden – etwa in Ahlen oder Bielefeld. »Die Kliniken sind verpflichtet, einen Notdienst anzubieten«, weiß die Tierärztin um die Gesetze Bescheid.

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