Sa., 26.01.2019

Harsewinkel Zweiter Stich war lebensgefährlich

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Symbolbild Foto: dpa

Harsewinkel/Bielefeld (WB/swa). War die brutale Messerattacke vom Tecklenburger Weg eines 30-jährigen Zuwanderers aus Bangladesch auf seinen 24-jährigen Landsmann im Juni 2018 sogar ein versuchter Mord? Mit dieser Frage setzte der Vorsitzende Richter am Landgericht Bielefeld, Dr. Georg Zimmermann, den Strafprozess am Freitag fort.

Dies führte er auf ein Gespräch des Angeklagten mit einem Gutachter zurück. Die mitangeklagte Gütersloherin (34), zu der er eine sexuelle Beziehung unterhielt, habe ihm für den Fall, dass er das spätere Opfer töten würde, neue Kleidung versprochen. Der Rechtsanwalt des 30-Jährigen, Eliyo Cetin, widerrief diese Aussage und sprach von einem Übersetzungsfehler der Dolmetscherin.

Erstmals äußerten sich beide Angeklagte zu der Bluttat vom 5. Juni 2018, an dessen Ende das Opfer mit einer lebensbedrohlichen Stichverletzung am Hals auf offener Straße zusammenbrach. Das genaue Motiv bleibt weiter unklar.

Mit drei Messern bewaffnet

Die Gütersloherin unterhielt seit längerer Zeit eine außereheliche Beziehung zu dem 30-jährigen Asylbewerber. Zwar lebte sie weiterhin mit Ehemann und den gemeinsamen Töchtern im Einfamilienhaus in Harsewinkel, jedoch sollte die baldige Trennung folgen. Nachdem der Asylantrag des Asiaten abgelehnt wurde, flüchtete dieser zunächst Richtung Italien und kehrte nach wenigen Monaten zurück nach Ostwestfalen.

Am Tag vor der Tat gewährte die 34-jährige arbeitslose Gymnasiallehrerin dem obdachlosen Bengalen ohne Kenntnis der Familie Unterkunft auf dem Dachboden. Nachdem Ehemann und die Kinder das Haus verlassen hatten, forderte der Südasiate seine Geliebte auf, das spätere Opfer in das Haus am Tecklenburger Weg zu locken. Dem kam sie nach.

Bevor das ahnungslose Opfer auf dem Ehebett Platz nahm, bewaffnete sich der 30-Jährige mit drei Messern und versteckte sich. Später sprang er aus seinem Versteck auf seinen Landsmann zu und versuchte auf ihn einzustechen. Eine erste Klinge brach ab, mit dem zweiten Messer gelang ein tiefer Stich in den Hals. Das Opfer konnte stark blutend auf die Straße flüchten. Der Messerstecher soll laut Aussage der Frau geschockt zurückgeblieben sein.

Über 1000 Dateien pornografischen Inhalts im Umlauf

»Ich wusste, dass er mit dem Messer drohen würde, aber nie habe ich damit gerechnet, dass er es einsetzen wird«, sagte die 34-Jährige. Möglicherweise vermutete der Liebhaber der Frau, dass seine Liebste auch eine sexuelle Beziehung zum 24-Jährigen unterhielt. Die Angeklagte bestätigte, dass es auch mit dem späteren Opfer sexuelle Kontakte gab.

Entscheidend für die Klärung des Motivs scheint auch zu sein, dass es über 1000 Dateien pornografischen Inhalts geben soll, in dem die beiden Angeklagten zu sehen sein sollen. Der potenzielle Messermann soll diese über die sozialen Medien verbreitet haben. »Die ganze Asylbewerberunterkunft in Harsewinkel hat die Bilder und Filme gesehen, halb Harsewinkel kennt sie«, sagte Verteidiger Martin Mauntel.

Der Mann aus Bangladesch bestätigte, dass er seinem Kontrahenten das Handy abnehmen wollte, damit dieser nicht weitere Nacktbilder seiner Geliebten ins Internet hochladen könne. Richter Dr. Zimmermann forderte die Angeklagten auf, sich in dem »boulevardesk anmutenden Fall« weitergehend einzulassen. Der Prozess wird am 6. Februar fortgesetzt.

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