Do., 14.02.2019

300 Jahre altes Fachwerk saniert Hofstelle erwacht zum Leben

Tischlermeister Tim Brüggemann restauriert den fast 300 Jahre alten Hof Holtkamp mit Liebe zum Detail.

Tischlermeister Tim Brüggemann restauriert den fast 300 Jahre alten Hof Holtkamp mit Liebe zum Detail. Foto: Robert Becker

Von Robert Becker

Harsewinkel (WB). Der Hof Holtkamp im Kirchspiel ist eines der ältesten Gebäude der Stadt. Im Jahr 1726 oder 1731, so genau ist es nicht dokumentiert, wurde das Haupthaus errichtet. Demnächst soll in die seit über 25 Jahren brach liegende Hofstelle neues Leben einziehen.

Tim Brüggemann, Marienfelder Tischlermeister und Designer, hat das Gebäude inklusive des rund 3000 Quadratmeter großen Grundstücks vor wenigen Wochen erworben. »In fünf Jahren will ich fertig sein«, setzt sich der 30-Jährige einen großzügigen Zeitplan für die Restaurierung des denkmalgeschützten Gebäudes.

Mit dem Verkauf hat der bisherige Besitzer, der Harsewinkeler Immobilienkaufmann Dieter Eggstein, sein Vorhaben aufgegeben, in dem alten Bauernhaus ein Biker-Café einzurichten. In separaten Gebäuden auf der Hofstelle sollten Übernachtungsmöglichkeiten entstehen, so dessen jetzt verworfener Plan. Eggstein hatte diese Idee im Oktober 2017 skizziert und vom Denkmalamt Münster und der Stadt Harsewinkel grünes Licht erhalten. Das gesamte, 34.000 Quadratmeter große Baugebiet hatte Eggstein 2012 von der Erbengemeinschaft Holtkamp ersteigert und später in Eigenregie vermarktet.

Große Dokumentation geplant

Jetzt startete Tim Brüggemann mit den ersten Arbeiten. Aufräumen und Bewuchs entfernen, waren die ersten Aufgaben. Natürlich hat er zuvor alle Details des Hauses sorgfältig fotografiert. Brüggemann plant eine große Dokumentation über die Renovierung. Einerseits wird dies vom Denkmalamt eingefordert. Brüggemann will aber noch mehr tun, Freunde und Interessierte über den Baufortschritt auf dem Laufenden halten und hat dafür den Instagram-Account »Anno 1726« eingerichtet. Die ersten Beiträge konnten seine Insta-Fans dort schon lesen.

Dass er vieles im Original wird erhalten und wieder aufbauen müssen, ist für Tim Brüggemann kein Problem. Der 30-Jährige ist ein Tüftler. Und er schätzt das Original. Vor fünf Jahren baute der leidenschaftliche Mountainbiker zum Abschluss seines Designstudiums an der Akademie in Münster ein Fahrrad mit Holzrahmen. Über seinen eigenen Tischlereibetrieb, die »Formfreund Holzmanufaktur« in Brockhagen (früher Tischlerei Soetebier), hat der Unternehmer auch technisch die Möglichkeiten, sich mit aufwendigen Restaurierungen auseinanderzusetzen und diese zu bearbeiten. Als erstes sei jetzt ein großer Küchenschrank dran, teilte Brüggemann am Sonntag seinen »Followern« mit.

Fachwerk gut in Schuss

Auf den ersten Blick sieht das Hof-Ensemble recht verfallen aus. Seit 1992 ist das Gebäude unbewohnt. Die Scheune wurde schon vor Jahren abgerissen. Am Haupthaus sind die Scheiben eingeschlagen, das Heu aus den 90er Jahren lagert noch im Stall. Die Küche sieht heruntergekommen aus. Die Außentoilette – vormals ein Plumpsklo – ist abgeschlagen. »Das Fachwerk ist aber noch sehr gut in Schuss«, freut sich Brüggemann andererseits über einen viel wichtigeren, weil wesentlichen Aspekt. Mit der Restaurierung des Holzständers soll demnächst begonnen werden. Diese Arbeiten soll eine Zimmerei übernehmen, sagt der neue Hausherr.

Wie am Ende innen wie außen alles aussehen soll, das hat sich der junge Familienvater längst genau überlegt. Die Scheune und die Küche werden Wohnbereiche, über der Balkenlage sollen Schlafzimmer und ein Fotoatelier entstehen. »Das Studio benötige ich, um Möbel-Entwürfe mal gut ins Licht setzen zu können«, sagt er. Auch der kleine abgeschleppte Anbau wird bleiben. Mit dem Denkmalamt Münster und dem Bauamt der Stadt haben bereits Ortstermine stattgefunden. »Dort gab es für meine Pläne Zustimmung«, sagt Brüggemann.

Böden und Küchenfliesen erhalten

Die Böden in Scheue und Küche will Tim Brüggemann ebenso erhalten wie die Küchenfliesen an der Wand. Den massiven Räucherschrank, der wie eine überdimensionierte Dunstabzugshaube in die Küche hineinragt, will er hingegen abbauen. Beugt man sich darunter, kommen schöne Kapitelle zum Vorschein, die Brüggemann herausputzen möchte. »Ich glaube, das Denkmalamt ist froh, dass dieses Haus ein Fachmann übernommen hat. Manchmal muss man die Dinge einfach angehen.«

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