Gasthaus Wilhalm: Kaufentscheid der Stadt Harsewinkel sorgt für Erleichterung
»Ein Geschenk an die Zukunft«

Harsewinkel (WB). Das war mal ein Geburtstagsgeschenk! Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide erschien am Donnerstagabend nach der Ratssitzung im Gasthaus Wilhalm und teilte Achim und »Geburtstagskind« Hedemarie Koriath mit, dass der Stadtrat beschlossen habe, das älteste Gasthaus der Stadt zu kaufen.

Samstag, 23.02.2019, 08:45 Uhr aktualisiert: 23.02.2019, 10:28 Uhr
Schönes Geburtstagsgeschenk für Hedemarie Koriath und ihren Mann Achim: Ihr Lebenswerk, der Gasthof Wilhalm, bleibt erhalten. Die Stadt kauft das Gebäude. Die Pläne, alles abzureißen und Wohnungen zu bauen, sind vom Tisch. Foto: Carsten Borgmeier/Archiv
Schönes Geburtstagsgeschenk für Hedemarie Koriath und ihren Mann Achim: Ihr Lebenswerk, der Gasthof Wilhalm, bleibt erhalten. Die Stadt kauft das Gebäude. Die Pläne, alles abzureißen und Wohnungen zu bauen, sind vom Tisch. Foto: Carsten Borgmeier/Archiv

»Ein besseres Geschenk hätte es nicht geben können«, kommentierte Achim Koriath am Freitagmorgen auf Anfrage. Der 76-Jährige und seine seit Donnerstag 75-jährige Ehefrau betreiben den Gasthof Wilhalm an der Dr.-Pieke-Straße seit 52 Jahren. Weil sie keinen Nachfolger fanden, selbst aber langsam ans Aufhören dachten, hatten sie den Gasthof im vergangenen Jahr an den AfD-Politiker Udo Hemmelgarn verkauft, der das gesamte Ensemble abreißen und stattdessen Wohnungen dort bauen wollte. Dazu kommt es nun nicht – das WESTFALEN-BLATT berichtete bereits am Freitag .

Eheleute Koriath hören am 1. April auf

»Wir sind natürlich sehr erleichtert, dass die Stadt nun als Käuferin eintritt. Wir hören aber trotzdem am 1. April auf«, sagte Koriath. Seiner Kenntnis nach soll sein Gasthaus weiterhin für Veranstaltungen genutzt werden. Der Kultur- und Bildungsverein soll offensichtlich an der Dr.-Pieke-Straße eine neue Bleibe finden, die Volkshochschule soll einziehen und möglicherweise auch das Standesamt. »Das Heimathaus platzt aus allen Nähten, da liegt es doch nahe, manche Veranstaltungen hier abzuhalten«, sagte Koriath. »Wir haben eine Feierscheune, eine Kegelbahn und einen Saal – das passt prima.«

Groß ist die Freude auch bei Friedhelm Schmitz, der sich für den Erhalt eingesetzt hatte. »Das Gebäude ist stadtbildprägend und erhaltenswert. Wäre es abgerissen worden, hätte dies das ganze Stadtbild verändert.« Es sei richtig, dass der Kauf viel Geld koste, aber eventuell seien Fördermittel zu bekommen. »Ich hoffe, dass die Stadt etwas Gutes daraus macht.«

Lebendige Orte der Erinnerung

SPD-Fraktionssprecher Reinhard Hemkemeyer ging in seiner Haushaltsrede auf die Entscheidung zum Kauf ein. »Erhaltenswertes Kulturgut, mit und auch ohne Denkmalschutz, beginnt im Kopf. Um es mal etwas pathetisch zu sagen: Der Erhalt eines solchen Gebäudes ist auch der Dank an die Vergangenheit, eine Freude an der Gegenwart und ein Geschenk an die Zukunft.« Harsewinkel verfüge über wenige Stein gewordene Zeugnisse der lokalen Geschichte. Kulturgüter und Denkmäler »stiften Identität, prägen das Werteempfinden, sind lebendige Orte der Erinnerung und verbinden Menschen.« Es sei die richtige Entscheidung – auch wenn sie viel Geld koste.

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