Sa., 02.03.2019

Das aus Brackwede translozierte Fachwerkhaus von 1783 wird nur zu Teilen restauriert – mit Video Besuch auf Hof Kulbrock in Marienfeld

Ist stolz auf seine Errungenschaft aus Brackwede: der Marienfelder Mode-Unternehmer Volker Bessmann mit einem Teil des restaurierten Fachwerks von Hof Kulbrock. Hinten links ist der ehemals denkmalgeschützte Deelenbalken zu erkennen.

Ist stolz auf seine Errungenschaft aus Brackwede: der Marienfelder Mode-Unternehmer Volker Bessmann mit einem Teil des restaurierten Fachwerks von Hof Kulbrock. Hinten links ist der ehemals denkmalgeschützte Deelenbalken zu erkennen. Foto: Markus Poch

Von Markus Poch

Marienfeld/Bielefeld (WB). Ein modernes Industriegebiet in Marienfeld, kaum 20 Kilometer entfernt von Brackwede: Unter Wellblech, verborgen hinter schmucklosen Produktionshallen, liegt das hölzerne Gerippe des einstigen Prachtbaus Hof Kulbrock. 235 Jahre hatte das Vierständerhaus in Brackwede überdauert. Seit einem Jahr liegen seine Einzelteile auf dem Gelände des Unternehmers Volker Bessmann. Die Restaurierung steht vor dem Abschluss.

Wie das WESTFALEN-BLATT berichtete, hatte Bessmann das vom Abriss bedrohte Gebäude, Brackwedes älteste erhaltene Hofstelle, von der Bielefelder Wohnungsbaugesellschaft BGW geschenkt bekommen , weil diese auf dem Grundstück an der Von-Möller-Straße einen Neubau mit Sozialwohnungen errichten wollte. Im Gegenzug kümmerte sich der Unternehmer finanziell und technisch um Abbau und Transport sämtlicher Eichenbalken nach Marienfeld. Dort sollten sie nach der Restaurierung Teil seiner Einkaufswelt an der B 513 werden, wo bereits andere Fachwerkhäuser verbaut sind.

500 Holznägel erneuert

Aktuell konkretisiert sich Bessmanns Absicht, wenn auch anders als gedacht: Laut Zimmerer Markus Theis, dessen Firma mit der Restaurierung beauftragt ist, kann der Hof auf keinen Fall in Gänze wieder aufgebaut werden. »Der rückwärtige Giebel und die rechte Traufenseite sind in einem zu schlechten Zustand«, sagt er. Es fehlten Mengen an Originalbauteilen. Ganze Wandabschnitte seien irgendwann durch Fichtenholz oder gar massive Wände ersetzt worden, so dass sich die Restaurierung nicht lohne.

Vom Hof Kulbrock bleiben neben einem Haufen Baumaterial zum Flicken also nur der vordere Giebel mitsamt Deelenbalken und die linke Traufenseite übrig. Abzüglich des Interieurs sind das weit weniger als 50 Prozent, was auch die Mitarbeiter des Bielefelder Denkmalamtes ärgert. »Aber diese Balken halten jetzt länger als wir alle leben«, verspricht Theis. Er und seine Leute haben in mehrwöchiger Arbeit jeden einzelnen Balken abgeschliffen, verrottete Teile ersetzt und mehr als 500 Holznägel erneuert.

Volker Bessmann war derweil zum Umdisponieren gezwungen: Auf einem Wiesengrundstück an der Bundesstraße plant er jetzt den Bau eines freistehenden Verkaufsgebäudes, das aus zwei massiven Wänden und den beiden besagten Fachwerkwänden samt zusätzlicher Tragekonstruktion bestehen soll. Es sei sogar schon sicher, wer dort einzieht – das Geschäft Werners Fahrrad-Fachwerk, einer seiner Mieter.

Denkmalstatus ist fraglich

»Der Bauantrag ist gestellt. Nächste Woche soll es einen Erörterungstermin geben, und dann hoffe ich auf schnelle Genehmigung«, sagte der Unternehmer dieser Zeitung. »Beim Rückbau des Hofes in Brackwede hatte ich Zweifel bekommen, ob sich das alles wirklich lohnt. Aber mit Blick auf die schön restaurierten Balken bin ich sicher, dass wir vor allem den Giebel als außergewöhnliches Schmuckstück an dem neuen Gebäude herausarbeiten können.« Bessmann schätzt, dass dieses 2020 bezogen werden kann.

Der verzierte Deelenbalken des Hofes Kulbrock ist das einzige Detail, an das sich die Restauratoren bisher nicht herangewagt haben, weil es unter Denkmalschutz steht. Jedenfalls glaubten die Männer das. Und in der Liste der Denkmäler der Stadt Bielefeld ist er weiterhin als solches aufgeführt. In Wirklichkeit hat das Prunkstück des historischen Ständerwerkes diesen Status nach Einschätzung von Fachleuten längst verloren, und höchstwahrscheinlich wird es ihn auch nie wieder erreichen.

Denn für die Marienfelder Heimatgeschichte spielt das Deelentor keine Rolle, eben weil es aus Brackwede stammt. Darauf, dass Denkmäler an genau dem Ort, an dem sie immer standen, ihre Bedeutung haben, hatten viele Brackweder Anwohner, interessierte Bürger und auch die örtlichen Heimatvereine vor Jahresfrist immer wieder hingewiesen. Sie wollten den Hof für den Stadbezirk retten, sind mit ihrem Wunsch jedoch an der Bielefelder Denkmalbehörde, dem Oberbürgermeister und der BGW gescheitert. Auch Kaufgesuche perlten ab. Bielefeld brauche dringend Raum für Sozialwohnungen, hieß es vor Jahresfrist. Das Gelände des Hofes Kulbrock liegt bis heute brach.

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