Fr., 01.03.2019

Jecken wollen abwarten – Windstärke 10 möglich Rosenmontag: Deutscher Wetterdienst warnt vor Sturm in OWL

In Rietberg wurde am Donnerstag schon kräftig gefeiert.

In Rietberg wurde am Donnerstag schon kräftig gefeiert. Foto: Carsten Borgmeier

Von unseren Lokalredaktionen

Rheda-Wiedenbrück/Bielefeld/Höxter (WB). Zum Höhepunkt der Session könnte es am Rosenmontag ganz schön windig werden: Laut Deutschem Wetterdienst können örtlich Böen mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde auftreten – Windstärke 10.

Bislang ist Guido Lüttkewitte tiefenentspannt. »Die Planungen sind abgeschlossen, jetzt kann man alles nur noch laufen lassen«, sagte der erste Vorsitzende des Rosenmontagskomitees Rheda-Wiedenbrück am Freitagmorgen. Bis jetzt seien die Vorhersagen für Rosenmontag, wenn hunderte Jecken durch die Doppelstadt ziehen wollen, zu vage. »Wir müssen einfach bis Sonntag warten und schauen.«

Wie es ist, den eigenen Umzug wegen schlechten Wetters absagen zu müssen, wissen die Rheda-Wiedenbrücker bereits. Vor drei Jahren mussten sie ihren wichtigsten Festtag des Karnevalssaison in die Stadthalle Reethus verlegen. Wenige Wochen später wurde der Umzug nachgeholt.

»Die Wetterlage ist grenzwertig«

»Die Wetterlage ist grenzwertig«, sagt Thomas Gerwin vom Deutschen Wetterdienst in Essen mit Blick auf Ostwestfalen-Lippe. »Wir rechnen mit Windstärke 8 bis 9.« Teilweise müssten die Jecken sogar mit Gewitter rechnen. »Da können dann schon mal Böen mit Windstärke 10 dabei sein.« Der Wetterfachmann rät den Karnevalisten, die etwaige Absage eines Zuges von der Lage vor Ort abhängig zu machen.

Doch nicht nur OWL, sondern auch die Narren entlang der Rheinschiene müssen mit Sturm rechnen. »Es handelt sich um ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet«, erklärte Gerwin. »Da dürften also alle etwas von abbekommen.« Bereits am Donnerstag hatte Tanja Holthaus, Sprecherin des Festkomitees Kölner Karneval, erklärt: »Wir warten jetzt mal ab, wie sich das entwickelt.« Noch sei es zu früh, um etwas Definitives zu sagen. Am Sonntag werde man sich dann beraten, »ob da Handlungsbedarf besteht«.

Tief »Bennet« werde für Windböen der Stärke acht und neun sorgen. Je nachdem, auf welchem Weg das Sturmtief übers Land ziehe, könnten die rheinischen Karnevalshochburgen betroffen sein, sagte Meteorologe Frank Balmert am Freitag. Bei solchen Windstärken würde es für die großen Rosenmontagszüge womöglich kritisch: In Düsseldorf kann der Zug nur bis Windstärke 7 stattfinden - ab Windstärke 8 müsste er abgesagt werden. In Köln gibt es keine so klare Marke. Zuletzt war der Düsseldorfer Rosenmontagszug 2016 wegen eines Sturms abgesagt worden.

Gelassenheit im Kreis Paderborn

In Bad Wünnenberg-Fürstenberg (Kreis Paderborn) bleiben die Organisatoren des Karnevalsvereins FCC gelassen. Man werde am Montagmorgen sehen, wie die Situation und die Wetterprognose sei, und dann entscheiden, sagte Vorsitzender Heinrich Henneken.

In Fürstenberg haben die Karnevalszüge allerdings schon bei widrigsten Wetterbedingungen stattgefunden. In den 1990er Jahren, erinnert sich Henneken, habe einmal ein Zug abgesagt werden müssen, weil des so stark gestürmt habe, dass Pfannen von den Dächer geflogen seien.

»Argusaugen« im Kreis Höxter

Uwe Cebul, Zugleiter der Willebadessener Karnevals-Freunde (WKF) beobachtet den Wetterbericht in diesen Tagen »mit Argusaugen«. »Wir rechnen damit, dass der Zug am Sonntag fährt«, betonte er. Um 14.11 Uhr soll das närrische Treiben losgehen. Sollten Sturm und Regen zu stark werden, so werde kurzfristig entschieden, ob der Umzug verschoben wird.

»In dem Fall würden wir direkt mit der Karnevalsparty beginnen. Den Umzug würden wir, in Absprache mit der Stadtverwaltung, nachholen«, erklärte Cebul. 2010 sei der Umzug schon einmal verschoben worden. Die WKF holten die Sause kurzerhand im Mai nach. Ausfallen werde der Umzug auf keinen Fall. Zu viel Arbeit hätten die Narren in die Gestaltung der Wagen und Kostüme gesteckt. Cebul: »Das muss honoriert werden.«

Der Umzug des Karnevalsvereins Pickel-Jauh aus Willebadessen-Peckelsheim soll sich einen Tag später in Bewegung setzen. Am Rosenmontag soll er um 14.01 Uhr beginnen, acht Wagen und 17 Fußgruppen haben sich bisher angemeldet. Pressesprecher Marco Janzen geht davon aus, dass es dabei bleibt. »Aber das müssen wir auf uns zukommen lassen und kurzfristig gucken, wie es aussieht«, sagt er.

Steinheims Karnevalspräsident Dominik Thiet ist mit Blick aufs Wetter entspannt: »Bislang gehen wir davon aus, dass der Umzug stattfindet.« Sollte sich die Lage am Rosenmontag anders darstellen, sei noch genug Zeit zum Reagieren.

Auch ​in Nieheim soll der Rosenmontagszug wie geplant stattfinden. »Ein bisschen Wind macht uns nichts aus«, sagte Pressesprecher Thorsten Meier. Sollte es Montag aber ganz schlimm werden, müsse man nochmal neu überlegen.

2010 war alles voller Schnee

Anders sei die Situation im Jahr 2010 gewesen, als die Straßen schon Tage vor dem Umzug voller Schnee waren. Damals habe man umplanen können. Mithilfe von Vereinen und Landwirten, die mit Treckern anrückten, wurden die Straßen geräumt. »Eine Riesenaktion war das«, erklärt Janzen. Doch bei einem Sturm könne man kaum planen.

Das sei auch 2016 so gewesen. Damals hatte der Wetterdienst ebenfalls Sturm gemeldet. »Die ganzen Gerüchte, dass der Umzug ausfällt, waren jedoch viel schlimmer, als der Sturm selbst«, sage der Pressesprecher. Der Zug zog damals übrigens wie geplant durch die Straßen.

Kein »Schnellschuss« in Delbrück

Die Verantwortlichen des ältesten und mitgliederstärksten Karnevalvereins im Bund Westfälischer Karneval, der KV Eintracht Delbrück von 1832, gehen mit der Ankündigung der Meteorologen ziemlich gelassen um. Elferratsmitglied und Zugkoordinator Johannes Westerhorstmann sagte am Freitag auf Anfrage: »Vor drei Jahren hatten wir eine ganz ähnliche Situation, auch da war Sturm angesagt. Wir haben abgewartet, standen in engem Kontakt mit den Wetterdiensten, mit Behörden und der Feuerwehr, haben sogar auf ganz aktuelle lokale Wetterdaten zurückgegriffen und dann entschieden: Der Umzug findet statt. Auch jetzt werden wir besonnen überlegen und nicht voreilig den Zug per Schnellschuss absagen.« Das bedeutet: Wenn belegbar feststeht, dass es kein Risiko gibt, geht der Daumen nach oben.

Sollten sich die Windstärken im Laufe des Vormittags wirklich dramatisch ändern, »können wir immer noch kurzfristig absagen«, bemerkte Westerhorstmann.

Am Rosenmontag 2016 hatte das Sturmtief »Ruzica« keine Lust auf Karneval in Delbrück. »Ruzica« war auf dem Weg nach Ostwestfalen überraschend die Puste ausgegangen. Im Jahr 1990 war der Umzug wegen orkanartiger Böen allerdings kurzfristig abgesagt worden.

Rietberg will im Notfall absagen

In Rietberg will man abwarten, wie sich die Vorhersagen entwickeln. »Wir werden als Stadtverwaltung gemeinsam mit der Polizei und dem Karnevalsverein das Wetter permanent sehr genau im Blick behalten«, teilt Nina Ackfeld, Referentin des Bürgermeisters mit. »Sollten die Prognosen so ungünstig sein, dass es nicht zu verantworten wäre, den Umzug laufen zu lassen, müsste dieser notfalls abgesagt werden.« Das würde allerdings sehr kurzfristig erfolgen

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