Sa., 09.03.2019

Aktive und frühere Kommunalpolitikerinnen berichten aus ihrem Leben »Nicht meckern, besser machen«

Geballte Frauenpower auf dem Podium (von links): Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide, Annette Jürgensmeier, Mathilde Bartsch, Brunhilde Leßner, Gerda Schnitker, Gunhild Hinney, Renate Müterthies, Gleichstellungsbeauftragte und Gastgeberin Monika Edler-Rustige und Historikerin Karina Isernhinke.

Geballte Frauenpower auf dem Podium (von links): Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide, Annette Jürgensmeier, Mathilde Bartsch, Brunhilde Leßner, Gerda Schnitker, Gunhild Hinney, Renate Müterthies, Gleichstellungsbeauftragte und Gastgeberin Monika Edler-Rustige und Historikerin Karina Isernhinke. Foto: Winkelkötter

Von Stefanie Winkelkötter

Harsewinkel (WB). Wenn sich sieben verdiente heimische Politikerinnen, auch längst nicht mehr aktive, treffen und von ihren Erfahrungen berichten, muss wohl Weltfrauentag sein. Die passende Veranstaltung dazu fand am Freitag in der Stadtbücherei statt.

Es waren allesamt selbstbewusste Frauen, die die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Monika Edler-Rustige, und Historikerin Karina Isernhinke in ihr Erzählcafé eingeladen hatten. Und die Damen hatten den mehr als 60 zumeist weiblichen Zuhörerinnen viel zu berichten.

Davon, wie schwierig es war, vor mehr als 40 Jahren in der Kommunalpolitik Fuß zu fassen, sprach Gerda Schnitker (heute 80). »Ich wurde gefragt, ob ich es mir geschäftlich überhaupt leisten könnte, Politik zu machen. Glücklicherweise hatte ich viel Rückhalt in der Familie.«

»Gesucht wurde dringend eine Frau«

Den hatte auch Mathilde Bartsch (91). »Ein Mann kam damals zu mir und fragte mich, ob ich nicht in den Stadtrat wolle. Gesucht wurde dringend eine Frau. Ich hatte aber von Politik überhaupt keine Ahnung«, erinnerte sie sich an die Zeit vor fast 50 Jahren. »Es war zu Anfang etwas schwer, die Männer konnten es nicht haben, wenn man gute Ideen hatte. Aber ich habe mich durchgesetzt.« Der Rückhalt der Familie sei sehr wichtig gewesen, betonte sie.

»Mein Mann war abends oft allein, wenn ich in den Sitzungen war. Dass der sich nicht eine andere Frau gesucht hat...«, bemerkte sie mit einem Schmunzeln. Ihr Mann sei bei ihrer zweiten Wahl gefragt worden, ob sie wirklich weitermachen dürfe. Darauf seine trockene Antwort: »Hat meine Frau sich nicht deutlich ausgedrückt?«

Annette Jürgensmeier (73) war seinerzeit die erste stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt. »Ich habe aus anderen Fraktionen oft gehört, ich sei ein nettes Mädchen, aber ich sei in der falschen Partei. Die SPD war damals noch nicht salonfähig.« So mancher Vorschlag sei deshalb auch abgelehnt worden. »Einmal ging es um die Gewerbesteuerhebesätze, da wurde sich gezofft und gezofft. Dabei bin ich der Meinung, gerade in der Kommunalpolitik muss man kompromissbereit sein.«

»Ich habe fast auf jeden Sofa hier gesessen«

Erste Frau an der Stadtspitze war Renate Müterthies, heute 67. »Manche hatten Schwierigkeiten, dass eine Frau Bürgermeisterin war. « Sie erzählte, dass ihr Mann nichts davon gehalten habe, sie zu offiziellen Anlässen zu begleiten. »Daher habe ich oft meine liebe Freundin Sabine Amsbeck-Dop­heide mitgenommen«, berichtete sie. Einmal im Karneval, erinnerte sie sich an eine nette Anekdote, seien sie und die heutige Bürgermeisterin verkleidet erschienen und hätten auf den reservierten Plätzen für die Bürgermeisterin und den Bürgermeister-Gatten Platz genommen – was für einige Verwirrung gesorgt hätte.

Apropos Platz nehmen: »Ich habe fast auf jeden Sofa hier gesessen«, sagte sie in Anspielung auf zahlreiche Besuche, die sie absolviert habe. »Ich habe viele gute Erfahrungen gesammelt und viele Menschen kennen gelernt.«

»Dann sind Jüngere an der Reihe«

Der lebende Beweis, dass weibliche Politikerinnen nicht nur auf die Bereiche Kultur und Soziales festgelegt sind, sind Gunhild Hinney (67), die seit 30 Jahren im Stadtrat sitzt und aktuell den Planungs- und Bauausschuss leitet, und Brunhilde Leßner (71, Bündnis 90/Die Grünen), die unter anderem im Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss sitzt. Beide repräsentierten am Freitag die aktuelle Politikerinnen-Generation. Sie habe damals Unterschriften gesammelt, als es um den geplanten Umbau ihrer Straße ging, und sei so in der Kommunalpolitik gelandet, erzählte Hinney. »Mein Motto damals wie heute: Nicht meckern, sondern besser machen«, sagte sie. Sie habe nur in der Kommunalpolitik wirken wollen, nie im Kreis oder gar darüber hinaus: »Weil ich dachte, da kann ich wirklich was bewirken.« Sie kündigte ihren Abschied zum Ende der Legislaturperiode an: »Dann bin ich 69 und ich finde, dann sind Jüngere an der Reihe.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6458272?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730032%2F