Mi., 20.03.2019

Hujer expandiert lieber in Kassel: Harsewinkeler Politiker beziehen Stellung Bedauern über die Entscheidung

Die Expansionspläne der Firma Hujer-Lasertechnik werden nicht am Standort Harsewinkel in die Tat umgesetzt. Auch, weil den Chefs die Lust auf das lange Warten auf ein Grundstück im neuen Gewerbegebiet »Auf den Mitteln« vergangen ist. Stattdessen wird Hujer in Kassel-Niederzwehren bauen.

Die Expansionspläne der Firma Hujer-Lasertechnik werden nicht am Standort Harsewinkel in die Tat umgesetzt. Auch, weil den Chefs die Lust auf das lange Warten auf ein Grundstück im neuen Gewerbegebiet »Auf den Mitteln« vergangen ist. Stattdessen wird Hujer in Kassel-Niederzwehren bauen. Foto: Wolfgang Wotke

Harsewinkel (WB/dh). Zu unserer Berichterstattung über die Firma Hujer, die statt in Harsewinkel nun in Niederzwehren (Stadtteil von Kassel) eine neue Halle bauen und 80 neue Mitarbeiter einstellen wird, erreichten uns folgende vier Stellungnahmen.

Thorsten Götker (Vorsitzender Harsewinkeler Bürgerbeteiligung): »Ich finde es sehr bedauerlich, dass eine ortsansässige Firma ihre notwendige Erweiterung an anderer Stelle vornehmen muss, obwohl ich mir auch andere Gründe für die letztendliche Entscheidung der Firma Hujer vorstellen kann. Die im Stadtentwicklungsplan vorgesehenen Flächen für Gewerbe würden ausreichend Platz bieten, um auch den aktuell benötigten Bedarf zu decken, ernsthafte Anstrengungen zum Erwerb dieser Flächen blieben bis heute aber aus.

Aus diesem Grund ist die Verwaltung schon 2014 auf die Idee gekommen die im Besitz befindliche Flächen für Gewerbeplanungen zu nutzen und hat die Flächen westlich der Steinhäger Straße dafür vorgesehen. Hier sollten aber laut Stadtentwicklungsplan immer ein Wohngebiet und eine Parkanlage entstehen, was auch 2004 und 2010 bei der Erweiterung des Wohngebietes Vörnste Brink noch Stand der Dinge war.

Warten auf das Urteil des OVG

Es wurden auch 2017 von Seiten der Bürger die parteiinternen Abwägungen zur Entscheidung für das Gewerbegebiet westlich der Steinhäger Straße erfragt, eine Antwort gab es bis heute nur von einer Partei. Zwei Versuche, eine Mediation durchzuführen, um einen Konsens oder Kompromiss zu erarbeiten, wurden auch abgelehnt beziehungsweise wurde die Expertise des Petitionsausschuss des Landtags NRW nicht einmal abgewartet. Wer so abgefertigt wird, hat nur die Möglichkeit einer gerichtlichen Überprüfung dieser Planung. An diesem Standpunkt befinden wir uns und warten auf das Urteil des OVG.«

 

Reinhard Hemkemeyer (SPD-Fraktionsvorsitzender): »Die SPD-Fraktion unterstützt die gewerbliche Entwicklung westlich der Steinhäger Straße unabhängig vom Investitionsvorhaben Hujer. Dies haben wir in der Vergangenheit auch immer so deutlich gemacht. Aus unserer Sicht entsteht jetzt ein schmuckes Gewerbegebiet, in dessen Randbereichen zusätzlich auch noch Wohnen ermöglicht wird und wo die Belange des Umweltschutzes, gerade auch durch die Interventionen der Bürgerinitiative, ein besonderes Gewicht bei der Aufplanung bekommen haben. Das ist gut für die Stadt und das Gemeinwohl, dem wir als Stadtrat verpflichtet sind.«

 

Heinz Bünnigmann (CDU-Fraktionssprecher): »Wir von der CDU-Fraktion bedauern die Entscheidung der Firma Hujer außerordentlich! Wir haben uns immer für die Aufplanung neuer Gewerbe-, Industrie- und Wohngebiete vehement eingesetzt. Das gehört selbstverständlich zur kommunalpolitischen Daseinsvorsorge, elementar. Unser letzter Antrag bezüglich neuer Wohnbaugebiete datiert aus 2016, und die ersten Grundstücke sind jetzt schon verkauft. Bedauerlicherweise hat das mit dem Gewerbegebiet an der Steinhäger Straße nicht so schnell geklappt, aus den bekannten Gründen. In einem Rechtsstaat gibt es aber Zeitabläufe, die die Kommunalpolitik nicht beeinflussen kann.«

 

Sabine Amsbeck-Dopheide (Bürgermeisterin): »Ich bedauere es, dass die Firma Hujer andernorts investieren muss, weil das Planverfahren so lange dauert. Und ich freue mich, dass Harsewinkel der Hauptsitz der Firma Hujer bleibt. Das erste Planverfahren westlich der Steinhäger Straße ist leider vom Oberverwaltungsgericht gekippt worden, so dass ein zweites Planverfahren durchgeführt werden musste. Dieses ist zwischenzeitlich abgeschlossen, wird aber wiederum beklagt.

Die Stadt Harsewinkel verfügt nur über 4,8 Hektar freie Reserven

Im Rahmen einer umfangreichen Bestandsabfrage zu Gewerbeflächen im Sommer 2015 wurde ein Gewerbe- und Industrieflächenbedarf von etwa 25 Hektar ermittelt, der sich allein auf den tatsächlichen Erweiterungsbedarf der Betriebe bezieht. Die Ansiedlungswünsche neuer Firmen sind damit noch nicht erfasst. Die Ergebnisse der Realnutzungskartierung der Bezirksregierung Detmold zeigen, dass die Stadt Harsewinkel nur über 4,8 Hektar freie Reserven verfügt. Es wird deutlich, dass der tatsächliche Gewerbeflächenbedarf der vorhandenen Firmen und von neuen Betrieben im Stadtgebiet nicht gedeckt werden kann.«

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