Fr., 22.03.2019

Kollegen solidarisieren sich und kritisieren fehlenden Rückhalt im Rathaus Stadtwächter sind sauer auf die Stadt

Sie treten gemeinsam für Sicherheit, Rückhalt und Respekt ein, um zukünftig eine professionelle Arbeit zur Sicherheit der Bürger machen zu können (von links): Ralf Martin Prattke, Rolf Gall, Christian Schneider und Sascha Fechner.

Sie treten gemeinsam für Sicherheit, Rückhalt und Respekt ein, um zukünftig eine professionelle Arbeit zur Sicherheit der Bürger machen zu können (von links): Ralf Martin Prattke, Rolf Gall, Christian Schneider und Sascha Fechner. Foto: Gabriele Grund

Von Gabriele Grund

Harsewinkel (WB). Mit Entschlossenheit und voller Solidarität melden sich nach vielen Diskussionen um Befugnisse, fehlende Dienstanweisungen und Rückendeckung nun die Stadtwacht-Kollegen von Ralf Martin Prattke zu Wort.

Er hatte kürzlich den seit zwölf Jahren fehlenden Rückhalt, fehlende Arbeitsplatzbeschreibungen und Dienstanweisungen sowie ein damit verbundenes schlechtes Arbeitsklima öffentlich gemacht (das WESTFALEN-BLATT berichtete) . Auch Prattkes Kollegen beklagen, dass die Verwaltung noch immer kein sachlich-vernünftiges Gespräch mit ihnen gesucht habe. Kürzlich eilig herausgegebene Handlungsempfehlungen widersprächen der bisherigen Arbeitsweise der Stadtwächter.

Frustriert, weil der Rückhalt fehlt

»Es kann nicht sein, dass wir ohne jeglichen Rückhalt der Behörde als Stadtwächter und somit als Teil der Ordnungsbehörde nachts einen nicht ungefährlichen Job machen, ohne speziell geschult zu sein oder auch nur ansatzweise Befugnisse zu haben, um uns vor Angriffen schützen zu können«, sagt Christian Schneider. Genau wie weitere der insgesamt acht Kollegen möchte auch Rolf Gall nicht weiter unter diesen Rahmenbedingungen arbeiten: »Entweder redet mal endlich jemand mit uns und die Stadtwacht-Aufgaben werden vernünftig definiert, oder ich bin weg.«

Die Stadt habe den Stadtwächtern Gespräche zugesagt, die aber bisher noch nicht erfolgt seien. Und genau dieses Schweigen und Aussitzen ist es, was die Stadtwächter mächtig auf die Palme bringt. »Wir sind es doch, die nachts und an den Wochenenden viele Stunden im Einsatz sind, um ein Stück weit für die Sicherheit der Bürger zu sorgen. Wenn es dann darum geht, Lobhudeleien entgegenzunehmen, ist man von der Verwaltung immer schnell dabei. Doch von denen war bis heute noch niemand auch nur einmal nachts mit uns unterwegs. Die wissen gar nicht, was so los ist«, beklagt ein Stadtwächter, der aus Sorge vor möglichen Repressalien lieber ungenannt bleiben will.

Beleidigungen und Angriffe werden geleugnet

Stadtwächter Ralf Martin Prattke, der noch bis September im Dienst ist, sei von Ordnungsamtsleiter Michael Bergholz von den angekündigten, aber noch immer nicht erfolgten Gesprächen bewusst ausgeladen und sogar vor anderen Kollegen für seine Öffentlichmachung an den Pranger gestellt worden – dies sei für sie ein ebenso unfaires wie unprofessionelles Verhalten. Zur Krönung werde ihre Arbeit innerhalb der Behörde nicht nur ins Lächerliche gezogen, sondern unberechtigt würden auch Privatdaten und Dienstberichte weitergegeben. Wütend mache sie auch, dass in Arbeitsberichten und Gesprächen klar dokumentierte Über- und Angriffe, Beleidigungen und massive Bedrohungen bei Nachfragen einfach geleugnet werden.

»Es passiert immer öfter, dass sich aus banalen Situationen plötzlich Aggressionen gegen uns entladen«, berichtet Ralf Gall. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um das bildungsferne Klientel, sondern auch um honorige Bürger, denen es nicht passt, wenn sie bei Fehlverhalten wie Falschparken, Ruhestörungen oder dem Erledigen von Geschäften in Hauseingängen oder Vorgärten angesprochen werden. Wohl wissend, dass der Beruf als Stadtwächter nicht nur Freunde beschert, machen Ralf Martin Prattke, Christian Schneider, Rolf Gall, Sascha Fechner und die anderen Stadtwächter ihren Job sehr gerne. »Und das nicht wegen des Geldes, sondern weil wir als Streetworker, Psychologen, Streitschlichter und Krisenmanager mit Herzblut und Gerechtigkeitssinn zur Sicherheit der anständigen Bürger beitragen möchten.« Dennoch möchten sie aufzeigen, unter welchen prekären Umständen sie arbeiten.

Dass es auch anders laufen kann, werde derzeit in Versmold deutlich. Seit Mitte März ist das Ordnungsamt mit sechs Mitarbeitern in einer neu gegründeten Ordnungsstreife nachts und an den Wochenenden im Einsatz. Bevor es losging, wurden alle intensiv rund um rechtliche Fragen, Befugnisse und Eigenschutz geschult. In einer Dienstanweisung ist genau geregelt, was unter Ordnungsamtsaufgaben fällt und wofür die Polizei zuständig ist.

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