Do., 15.08.2019

Neue CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Angelika Wensing zieht eine erste Bilanz Von Klima, Kunstrasen und Kandidaten

Foto: Stefanie Winkelkötter

Harsewinkel (WB). Im April hat Dr. Angelika Wensing den Vorsitz der CDU-Fraktion im Harsewinkeler Stadtrat übernommen. Zuvor war sie zwölf Jahre lang Vorsitzende des Stadtverbands. Über ihre neue Aufgabe, Pläne und Ziele sprach sie mit WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Stefanie Winkelkötter.

Was hat Sie bewogen, dem Fraktionsvorsitz den Vorzug gegenüber dem Stadtverbandsvorsitz zu geben?

Dr. Angelika Wensing: Heinz Bünnigmann hat nach den Geschehnissen rund um die »Fridays for Future«-Demonstration (damals war der bisherige Fraktionschef mit Eltern aneinandergeraten, Anm.d.Red.) in einer sehr offenen Aussprache die Neuwahl des Fraktionsvorstandes vorgeschlagen und anschließend sein Amt an der Spitze der Fraktion gemeinsam mit Dieter Berheide niedergelegt. Der Fraktionsvorsitz muss von einem Ratsmitglied übernommen werden, und eine andere Lösung haben wir nicht gesehen. Ich hatte in der mittelfristigen Planung angeboten, dass ich das Amt übernehmen würde, jetzt war es schon früher so weit.

 

Wie lautet Ihre erste Bilanz nach etwa 130 Tagen im Amt?

Dr. Wensing: Es macht Riesenspaß. In der Zeit haben wir bereits eine Richtungsdiskussion geführt, was die Klimapolitik angeht. Wir wollen den Weg in die Richtung weitergehen, aber nicht überzogen vorgehen, indem wir mit dem plakativen Begriff Klimanotstand die Menschen bevormunden und reglementieren. Wir wollen Anreize setzen und mehr konkrete Maßnahmen vorschlagen. Die CDU soll stärker als bisher für Umwelt- und Klimapolitik stehen. Und es macht auch Spaß, dass wir den ureigenen Markenkern CDU in Harsewinkel wieder stärker nach vorn bringen und uns um die Kleinigkeiten vor Ort kümmern, die Dinge, die die Menschen im Alltag bewegen.

 

Was haben Sie sich vorgenommen, was wollen Sie vielleicht sogar anders machen als Ihr Vorgänger im Amt?

Dr. Wensing: Heinz Bünnigmann und ich unterscheiden uns nicht in der Sache und auch nicht in der Bissigkeit – wenn wir was wollen, dann wollen wir es. Ich habe aber einen anderen Führungsstil, vielleicht weiblich bedingt und als Mutter von vier Kindern auch normal. Ich will die Fraktionskollegen mehr mitnehmen. Anträge unterschreibe ich nie allein, ich sehe mich nicht als erste Geige, sondern benenne diejenigen, der einen Missstand entdeckt oder Handlungsbedarf ermittelt hat, als Ansprechpartner und nehme sie so auch mehr in die Pflicht. Wir sind eine relativ große Fraktion, haben 15 von 16 Wahlkreisen direkt gewonnen, und unser Ziel ist es, die einzelnen Mitglieder stärker ins Boot und auch ins Licht zu holen.

 

Welche Themen sehen Sie in Harsewinkel als besonders drängend an?

Dr. Wensing: Das Klima: Da muss noch richtig was passieren. Die Wohnbauproblematik: Wir haben seit 2016 Druck gemacht. In Greffen tut sich was, in Marienfeld Am Krummen Timpen steht der erste Baukran. Es ist für die Ortsteile wichtig, die Weiterentwicklung der Baugebiete zu gewährleisten. Denn ohne Baugebiete haben wir weniger junge Einwohner, dadurch leiden Lebensmittelmärkte, Schulen, Ärzte und die ganze Infrastruktur. Der soziale Frieden in der Stadt: Wir wollen, dass ordnungsbehördlich darauf geachtet wird, dass die Stadt mit dem Zuzug unserer europäischen Mitbürger, die hauptsächlich in der Fleischindustrie beschäftigt sind, nicht überfordert wird. Der Zuzug muss unter vernünftigen Bedingungen erfolgen, da müssen Papiere und die Wohnsituation überprüft werden, sonst kann keine Integration erfolgen. Wir haben Angst vor einer Ghettoisierung, darauf müssen wir die Hand halten. Und ein Auge müssen wir auch auf den Zustand unserer Straßen und Wege haben.

 

Was sind die Ziele der CDU für die Kommunalwahl im kommenden Jahr?

Dr. Wensing: Alle Wahlkreise direkt zu gewinnen. Wir wollen nicht über Zweitstimmen in den Stadtrat einziehen, wir empfinden es als besondere Verantwortung, direkt einen Wahlkreis zu gewinnen, denn das bedeutet, dass man für seinen »Kiez« verantwortlich ist. Und ganz klar ist eine solide Finanzpolitik unser Ziel, wir können nicht einfach raushauen, weil wir etwas haben wollen und nicht wissen, wofür. Wir hatten super Zeiten mit guten Steuereinnahmen, aber die nächsten Jahre können auch anders aussehen, und wir wollen nicht in die Verlegenheit kommen, die Steuern erhöhen zu müssen. Wir sind stolz auf unsere niedrigen Steuersätze, und das soll auch so bleiben.

 

Wird die CDU anders als 2014 einen eigenen Kandidaten ins Rennen ums Bürgermeisteramt schicken? Wer wird das sein und wie sieht der Fahrplan bis dahin aus?

Dr. Wensing: Ganz klar ja. Namen nenne ich noch nicht. Wir sind in den Ortsunionen im Rennen, in den Ortsteilen finden Neuwahlen statt, in Marienfeld wurde schon gewählt, Greffen ist im Herbst dran und Harsewinkel Anfang nächsten Jahres. Da wird es personelle Veränderungen geben. Wir wollen unseren Kandidaten oder unsere Kandidatin im April oder Mai vorstellen und dann auch das Team fürs Stadtgebiet und unsere Ziele benennen.

 

 

Kurze Einschätzung...

...zum Gasthof Wilhalm : »Haben wir nicht gewollt, aber wir müssen nun nach vorn schauen. Bei vernünftigen Ideen aus der Verwaltung werden wir keine Blockadepolitik betreiben. Wir sind froh, dass das Land die Konzeptförderung zugesagt hat und hoffen, dass sich am Ende etwas Gutes entwickelt, das auch zu bezahlen ist.«

...zum Freibad: »Wir freuen uns auf das, was hoffentlich nächstes Jahr fertig ist. Zwei Jahre ohne Freibad fänd ich sehr schade. Ein Dankeschön an Ralph Brinkhaus, der sich sehr für die Fördermittel eingesetzt hat, das macht die wirtschaftliche Gestaltung deutlich angenehmer. Die Ausstattung finde ich aber nach wie vor zu üppig, ein paar Dinge sind zu viel.«

...zur TWE-Reaktivierung : »Wollen wir natürlich, finden wir wichtig. Genauso wichtig ist aber, dass die Bürger ganz frühzeitig eingebunden werden, nicht nur auf Kreisebene, sondern auch vor Ort. Jeder muss wissen, was auf ihn zukommt. Nur bei Beteiligung kann man auch mit Akzeptanz rechnen.«

...zu den heimischen Kunstrasenplätzen : »Nur die Plätze in Harsewinkel sind mit Granulat aufgefüllt worden und wären daher von einem Mikroplastikverbot betroffen, in Marienfeld wurde Sand verwendet, in Greffen Kork. Aber es wird Übergangsregelungen geben, innerhalb derer wir eine Lösung finden werden. Die Bespielbarkeit ist weiter gewährleistet.«

...zum Jugendhaus Trockendock : »Wir freuen uns, dass es mit dem Förderantrag geklappt hat, der eigentlich totgesagt war, nachdem wir noch einmal anders denken und neu beantragen wollten. Hoffentlich finden wir schnell die passenden Bauarbeiter, so dass mit dem Bau bald begonnen werden kann.«

Zur Person

Dr. Angelika Wensing (51) stammt gebürtig aus Mecklenburg und ist auf der Insel Rügen aufgewachsen. 1994 zog sie nach Harsewinkel, seit 1996 wohnt die promovierte Zahnärztin in Marienfeld und fühlt sich dort nach eigenen Angaben »inzwischen sehr zu Hause«. Seit mehr als 20 Jahren ist sie Mitglied der CDU, war zwölf Jahre lang Vorsitzende des Harsewinkeler Stadtverbandes und ist seit April Vorsitzende der Stadtratsfraktion. Dr. Angelika Wensing hat vier erwachsene Kinder.

 

Kommentare

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6849368?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730032%2F