So., 15.09.2019

Manufaktur bringt Kindern und Jugendlichen das Handwerk nahe – Fördermittel fließen Die »Holzwürmer« legen los

Tischlermeisterin Ute Delbrügge zeigt ihr tägliches Handwerkszeug. Sie ist im ersten Lehrjahr für die Ausbildung der Jugendlichen zuständig.

Tischlermeisterin Ute Delbrügge zeigt ihr tägliches Handwerkszeug. Sie ist im ersten Lehrjahr für die Ausbildung der Jugendlichen zuständig. Foto: Stefanie Winkelkötter

Von Stefanie Winkelkötter

Harsewinkel (WB). Die besten Ideen entstehen oft aus Problemen heraus. Sagt Dr. Wolfgang Strotmann, einer der drei Vorstände der neuen Holzmanufaktur. Wenn man es genau nimmt, haben sogar zwei Probleme dazu geführt, dass dieser Verein gegründet wurde.

Die »Köpfe« der Holzmanufaktur, die Vorstände (von links) Dr. Wolfgang Strotmann, Michael Burke und Thorsten Kinner an einer großen Bohrmaschine. Foto: Stefanie Winkelkötter

Die Kommunikation mit Unternehmen aus der Wirtschaft habe einen enormen Fachkräftebedarf gezeigt, der nicht durch die Schulabgänger kompensiert wurde. Zu wenige Bewerber, falsche Voraussetzungen, kein Interesse am Handwerk. Strotmann spricht von »dramatischen Zahlen«. Dazu hinkt der Bereich des integrativen Lernens.

»Wir haben hier an der Gesamtschule mehr als 60 Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf. Bei vielen gestaltet sich der Übergang in den Beruf schwierig«, berichtet Strotmann, der gemeinsam mit Thorsten Kinner und Michael Burke den Vorstand des Vereins Holzmanufaktur bildet. Die Lösung: ein Sozialunternehmen. Ein solches ist die Holzmanufaktur, die Räume in der Gesamtschule bezogen hat, dort Kinder und Jugendliche mit dem Handwerk vertraut macht und auf den Beruf vorbereitet.

Auszubildende lernen ein Jahr vor Ort

In der Grundschulwerkstatt werden Kinder der zweiten bis vierten Klassen in Workshops an die Arbeit mit Holz herangeführt. »Einige Grundschulen haben schon gebucht, der Kalender ist im November knackevoll«, freut sich Strotmann. Es sei wichtig, die Schüler früh zu erreichen. »Interesse an Technik entwickelt sich nicht erst in der neunten Klasse«, weiß Strotmann, didaktischer Leiter der Gesamtschule. Auch die Schüler der Sekundarstufen I und II werden in der Holzmanufaktur aktiv, nächste Woche wird eine CNC-Fräse aufgebaut. Strotmann: »Ich wüsste keine Schule im Umkreis, die über eine solche Fräse verfügt. Die Schüler bekommen eine 1-A-Berufsvorbereitung.«

In der Tischlerwerkstatt nebenan haben bereits zwei junge Leute Anfang September ihre Ausbildung zum Fachpraktiker für Holzverarbeitung begonnen. Dabei handelt es sich um eine Reha-Ausbildung für Jugendliche mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf. Ein Jahr werden sie von Tischlermeisterin Ute Delbrügge vor Ort geschult, das zweite und dritte Ausbildungsjahr findet in Partnerbetrieben statt.

Bürgermeisterin will nicht weiter anbauen

Für die Einrichtung der Grundschulwerkstatt und der Ausbildungswerkstatt konnten die Vorstände nun Fördermittel aus dem Förderprogramm Vital.NRW in Empfang nehmen: Rund 18.000 Euro übergab Jens Niermann aus dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz im Beisein von Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide sowie des Vorsitzenden der Lokalen Arbeitsgruppe (LAG) GT8, Versmolds Bürgermeister Michael Meyer-Hermann. Gut 9500 Euro Eigenanteil musste der verein selbst aufbringen. Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dop­heide befürwortete das Projekt ausdrücklich. Die Stadt habe die Räume gern zur Verfügung gestellt, allerdings nur, wenn an der Schule nicht neu angebaut werden muss. Sie bekam einen Schreck, als Strotmann bereits Gedanken zur Erweiterung äußerte.

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