Sa., 12.10.2019

Mutmaßliche Vergewaltigung: Prozess gegen neun Harsewinkeler immer verworrener Weitere Filmsequenzen aufgetaucht

Der Angeklagte Abdul (16) berichtet am Freitag aus seinem Leben. Rechts ist Verteidiger Alexander Strato zu sehen. Links im Bild sitzt ein Dolmetscher.

Der Angeklagte Abdul (16) berichtet am Freitag aus seinem Leben. Rechts ist Verteidiger Alexander Strato zu sehen. Links im Bild sitzt ein Dolmetscher. Foto: Carsten Borgmeier

Von Carsten Borgmeier

Gütersloh/Harsewinkel (WB). Die Anklage gegen die neun Beschuldigten (16 bis 21 Jahre alt) aus Harsewinkel hat sich bislang hauptsächlich auf fünf Handy-Sequenzen gestützt. Jetzt sind plötzlich noch zwei weitere Filme entdeckt worden, die die mutmaßliche Vergewaltigung einer 14-Jährigen dokumentieren sollen.

Beate Schlingmann, Vorsitzende Richterin der zuständigen Jugendschutzkammer am Landgericht Bielefeld, gab den für den weiteren Prozessverlauf neuen, möglicherweise bedeutenden Sachverhalt am Freitagmorgen überraschend bekannt. Unklar blieb am fünften Verhandlungstag, warum diese unbekannten Sequenzen inklusive dazugehöriger Chatverläufe erst jetzt auftauchten. Sind sie auf den sichergestellten Handies von den Ermittlern übersehen worden?

Hat die Polizei oberflächlich gearbeitet?

Im Kern geht es bei dem Strafprozess um den Vorwurf , dass die aus Syrien und der Türkei stammenden jungen Männer die Jugendliche unter einem Vorwand in den Keller des Elternhauses eines der Beschuldigten gelockt haben und dort vergewaltigten. Inzwischen förderte die Analyse diverser Chatverläufe der Beteiligten in der Beweisaufnahme aber zu Tage, dass die Gütersloherin sehr wohl darüber im Bilde war, dass es bei dem Treffen mit den Jungs auch zum Sex kommen soll .

»Hat das Mädchen also gewusst, worauf es sich einließ? Oder war es derart betrunken, dass es sich gar nicht mehr artikulieren und gegen die Jungs wehren konnte?«, formuliert einer der Verteidiger die zentralen Fragen des aufwändigen Strafverfahrens, in das wegen unzureichender Deutschkenntnisse der Angeklagten auch zahlreiche Dolmetscher involviert sind.

Angeklagte berichten über ihr Leben

Am Freitag sollten alle Prozessbeteiligten auf den aktuellen Erkenntnisstand gebracht werden. Dafür wollte die Bielefelder Polizei bis zum frühen Nachmittag die jüngst entdeckten, neuen Filmsequenzen dem Gericht zur Verfügung stellen. Diese sollten dann im Saal auf einer Großbildleinwand unter Ausschluss der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen zeigen sie, wie die Gütersloherin von zwei der Angeklagten zum Oralverkehr gedrängt wird. Ein dritter Beschuldigter filmte das Geschehen, auf seinem Handy sollen die Streifen jetzt in einem separaten Datei-Ordner gefunden worden sein.

Um am Freitag die Stunden bis zur Präsentation der neuen Beweismittel zu überbrücken, versuchte die Jugendschutzkammer mehr über die Angeklagten zu erfahren. So berichtete der in Syrien geborene Abdul (16), dass er mit Eltern und Geschwistern im Dezember 2015 vor dem Krieg geflüchtet sei und anfangs schwer mit den neuen Freiheiten in Deutschland zurechtkam. »Zu Hause sind wir mit Mädchen einfach anders umgegangen«, ließ er über seinen Dolmetscher sagen. Der Beschuldigte strebe einen Hauptschul-Abschluss an und wolle Friseur werden.

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