Sieben der neun Angeklagten aus Harsewinkel freigesprochen
Landgericht Bielefeld: Es war keine Massenvergewaltigung

Bielefeld/Harsewinkel (WB). Von dem schweren Vorwurf , ein 14-jähriges Mädchen sei von einer neunköpfigen Gruppe junger Männer in einem Harsewinkeler Partykeller vergewaltigt worden, blieben ein Knutschfleck sowie ein Griff an die Brust: Nach 14 Verhandlungstagen im Landgericht Bielefeld sind am Mittwoch sieben Angeklagte freigesprochen worden. Die beiden mutmaßlichen Haupttäter wurden zur Gesprächstherapie verurteilt.

Mittwoch, 11.12.2019, 19:53 Uhr aktualisiert: 12.12.2019, 06:10 Uhr
Die schweren Vorwürfe gegen insgesamt neun jugendliche Beschuldigte aus Harsewinkel (Kreis Gütersloh) haben sich nach 14 Verhandlungstagen in Luft ausgelöst. Das Bild zeigt einen der Hauptangeklagten (18) mit seinem Verteidiger Alexander Strato (rechts) und einem Sprachmittler im Landgericht Bielefeld. Foto: Carsten Borgmeier
Die schweren Vorwürfe gegen insgesamt neun jugendliche Beschuldigte aus Harsewinkel (Kreis Gütersloh) haben sich nach 14 Verhandlungstagen in Luft ausgelöst. Das Bild zeigt einen der Hauptangeklagten (18) mit seinem Verteidiger Alexander Strato (rechts) und einem Sprachmittler im Landgericht Bielefeld. Foto: Carsten Borgmeier

Einem der beiden, dem zum Tatzeitpunkt 16 Jahre alten Gastgeber, warf Beate Schlingmann als Vorsitzende Richterin der vierten Strafkammer einen Griff an die nackte Brust des Mädchens aus Gütersloh vor. Der andere Hauptbeschuldigte (21) hatte die entkleidete und stark betrunkene Jugendliche, Tochter eines Polizisten-Ehepaares, an jenem Abend im November 2017 gefilmt und diese im Ansatz pornografischen Sequenzen an Bekannte weitergeschickt. Auch er wurde dazu verurteilt, das Gespräch mit einem Sexualtherapeuten zu suchen.

Keine Vergewaltigung, kein schwerer Missbrauch: Die Angeklagten, überwiegend arabischer Herkunft mit Flüchtlingshintergrund, nahmen das Urteil am Mittwochabend erleichtert auf. Manche weinten, als ihnen der Dolmetscher übersetzte, sie seien freigesprochen worden.

Es war ein langer Weg durch die Beweisaufnahme gewesen, die neben Zeugenaussagen auch die Verlesung des Berichts eines Stationsarztes am Klinikum Gütersloh beinhaltete, der das Mädchen nach seiner Einlieferung untersucht hatte. Und es war der Auftritt der Verteidiger der jungen Angeklagten, die die Gelegenheit nutzten, um insbesondere die jugendlichen Zeugen ins Kreuzverhör zu nehmen.

In ihrer Urteilsbegründung erläuterte Richterin Schlingmann, dass sich die schweren Vorwürfe nicht hatten beweisen lassen und dass das mutmaßliche Opfer in wesentlichen Teilen seiner mehrfachen Vernehmung schlicht gelogen habe. So habe die 14-Jährige einen der Hauptbeschuldigten entgegen ihrer Aussage schon seit längerem gekannt, auch sei es vor der Einladung in den Partykeller schon zu einvernehmlichem Sex gekommen.

So konnte sich die Jugendschutzkammer bei der Wahrheitsfindung lediglich auf fünf Video-Sequenzen stützen, die auf dem Mobiltelefon eines Beschuldigten gefunden worden waren. Und diese Filme zeigten demnach ein offenbar stark betrunkenes Mädchen, das keinesfalls von den Angeklagten vergewaltigt wurde.

Zufrieden mit dem Urteil zeigte sich Rechtsanwältin Christina Peterhanwahr, die einen der Hauptbeschuldigten in dem umfangreichen Prozess vertreten hatte: „Es hat sich in der Beweisaufnahme gezeigt, dass wir es hier mit kleinen Jungs und nicht mit Sextätern zu tun hatten.“ Die jugendlichen Angeklagten aus einer Kleinstadt wie Harsewinkel hätten unter dem öffentlich stark beachteten Prozess enorm gelitten, nun seien sie endlich rehabilitiert. Verteidiger Martin Rother aus Gütersloh sprach von einem „enormen Flurschaden“, er kritisierte ferner „schwere Ermittlungspannen“ der Polizei. So seien die jugendlichen Beschuldigten ohne Beisein ihrer Eltern verhört worden, zudem sei die Blutprobe des mutmaßlichen Opfers bei der Polizei verschwunden, so Rother.

 

Kommentare

Erhard Jakob  schrieb: 16.12.2019 07:45
Nicht zu fassen!
Nicht zu fassen, dass die Blutprobe des Beschuldigten weg ist!
Es ist nicht zu fassen, dass die angeblich vergewaltigte das Gericht belogen
und bereits vorher mit dem Beschuldigten Sex hatte!

Wie kann ein Richter ein URTEIL IM NAMEN DES VOLKES
sprechen, wenn Beweismittel beseitigt und Zeugen sich
von einer Lüge zur anderen winden?
Iris Griese  schrieb: 15.12.2019 21:14
Nicht zu fassen
Es ist nicht zu verstehen, was haben wir für Richter?
2 Kommentare
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