Do., 09.01.2020

Hegering Harsewinkel beantragt 10.000 Euro teure Anschaffung – Politik noch uneinig Drohne könnte Rehkitze retten

Junge Rehe ducken sich bei Gefahr und werden dadurch leicht Opfer einer Mähmaschine. Eine Drohne könnte die Tiere vor dem Mähen einer Fläche aufspüren.

Junge Rehe ducken sich bei Gefahr und werden dadurch leicht Opfer einer Mähmaschine. Eine Drohne könnte die Tiere vor dem Mähen einer Fläche aufspüren. Foto: dpa

Von Stefanie Winkelkötter

Harsewinkel (WB). Bevor ein Bauer im Sommer seine Wiesen mäht, wendet er sich oft an den Hegering Harsewinkel mit der Bitte, die zu mähende Fläche auf Wildtiere hin zu untersuchen. Um diese Einsätze zu optimieren, möchte der Hegering eine Drohne mit entsprechender Wärmebildkamera anschaffen. Einen entsprechenden Antrag hat Vorsitzender Rolf Bellmann an die Stadt gestellt. Die ferngesteuerte Kamera würde knapp 10.000 Euro kosten.

Ob die Stadt diese Gelder zur Verfügung stellt, ist noch offen. Die Mitglieder des Stadtrates haben zunächst beschlossen, das Thema im Rahmen der Haushaltsplanberatungen erneut aufzugreifen. Bekanntlich muss die Stadt sparen – alle neuen Ausgaben kommen dann auf den Prüfstand. Die Beratungen beginnen mit der Haushaltseinbringung am Donnerstag.

Hegering-Vorsitzender Rolf Bellmann begründet seinen Antrag mit dem Schutz der Wildtiere. Vor dem Mähen im Sommer haben sich die Bauern in der Vergangenheit an den jeweiligen Jagdpächter gewandt, damit dieser mit Hunden durch die Wiese ging, um Jungtiere aufzuscheuchen. Neben dem Schutz der Jungtiere, so Bellmann, wäre die Drohne auch anderweitig einsetzbar, zum Beispiel bei der Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr oder bei der Stadt zur Wartung ihrer Photovoltaik-Anlagen. Dieter Ber­heide (CDU) regte an, im Fall einer Anschaffung mit der Firma auch gleich zwei Drohnenführerscheine auszuhandeln, denn das Unternehmen schule die Drohnen-Nutzer auch.

Für die CDU erklärte Sprecherin Dr. Angelika Wensing, ihre Fraktion stimme zu, das Thema im Rahmen der Haushaltsplanberatungen erneut zu besprechen. „Dann würden wir gern wissen, ob die Feuerwehr eine solche Drohne tatsächlich nutzen würde. Unserer Kenntnis nach gibt es dort bereits eine Wärmebildkamera.“ Wensing wollte zudem geklärt haben, ob nicht ein ähnlicher Antrag auf Förderung bei der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) GT 8 eingegangen sei. Dies sei in Rietberg der Fall, aber nicht in Harsewinkel, entgegnete Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide.

Gute Erfahrungen mit Drohne in Peckeloh

In der SPD-Fraktion seien die Meinungen zum Thema gemischt gewesen, berichtete Sprecher Reinhard Hemkemeyer. „Das Spektrum reichte von ‚toller Antrag‘ bis ‚total überflüssig‘. Wir konnten nicht so richtig klären, ob ein solcher Kauf aus Ordnungs- und Sicherheitsgründen zwingend notwendig ist oder ob es einfach darum geht, dass es nett wäre, so ein Ding zu haben.“ Dies könne ja eventuell bis zu den Haushaltsplanberatungen noch geklärt werden.

Auch Brunhilde Leßner nannte den Antrag „zwiespältig“. Die Kreisfeuerwehr habe zwei wesentlich besser ausgestattete Drohnen, die würden eine solche also nicht nutzen, vermutete die Grünen-Sprecherin. „In Anbetracht der Haushaltslage sind wir bis jetzt noch sehr zurückhaltend, das ist für uns zunächst keine vorrangige Angelegenheit.“

Genau entgegengesetzt argumentierte Regina Meißner-Schlömer (SPD): Es sei unterstützenswert, was der Hegering unentgeltlich zum Schutz der Wildtiere leiste. Dies fand auch Heinz Bünnigmann (CDU), der selbst Jäger ist: „Wer einmal ein Kitz gesehen hat, dem von einer Mähmaschine die Vorderläufe abgetrennt wurden, würde nicht so einen Unsinn reden.“ Vor dem Mähen melde sich der Bauer, damit Rehe und Kitze aus den Wiesen vertrieben würden. „Denn die Kitze ducken sich bei Gefahr, das ist das Problem. In Peckeloh wurde eine Drohne angeschafft, und das funktioniert sehr gut.“ Jürgen Dirkorte regte an, ob der Hegering nicht Sponsoren suchen könne.

Eine Entscheidung über die Anschaffung soll in den nächsten Wochen fallen.  Der neue Haushalt wird am 19. Februar verabschiedet.

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