Do., 20.02.2020

Info-Abend in Marienfeld: TWE-Reaktivierung heißt jetzt Mobilitätsachse Züge rollen ohne zu pfeifen

Fachleute arbeiten an der Mobilitätsachse: Thomas Ressel (von links, Leiter Planung NWL), Anja Stocksieker (NWL), Daniel Brinckmann (VVOWL) und Henrik Wilkening (TWE) referieren über den Planungsstand der TWE-Verbindung Harsewinkel-Gütersloh-Verl.

Fachleute arbeiten an der Mobilitätsachse: Thomas Ressel (von links, Leiter Planung NWL), Anja Stocksieker (NWL), Daniel Brinckmann (VVOWL) und Henrik Wilkening (TWE) referieren über den Planungsstand der TWE-Verbindung Harsewinkel-Gütersloh-Verl. Foto: Robert Becker

Von Robert Becker

Harsewinkel (WB). Die Reaktivierung der TWE-Trasse von Harsewinkel über Gütersloh bis Verl schreitet voran: Ende 2023 soll der Personenverkehr auf dem 25,7 Kilometer langen Teilstück anlaufen. Am Dienstag lauschten 120 Besucher im Bürgerhaus Marienfeld beim Info-Abend den Ausführungen von Vertretern des Nahverkehrs Westfalen-Lippe (NWL) und des Verkehrsverbunds OWL (VVOWL). Zwei weitere Info-Veranstaltungen in Gütersloh und Verl sollen folgen.

Der Nahverkehrsverband NWL koordiniert das Projekt federführend. Der Verkehrsverbund VVOWL kümmert sich um den Zubringerverkehr und die Ausstattung der Haltestellen. Im vergangenen Jahr waren mit der Aufnahme der Trasse in den ÖPNV-Bedarfsplan des Landes die Voraussetzungen für die Umsetzung geschaffen worden. Durch die Aufnahme in den Infrastrukturfinanzierungsplan des Landes sind nun die Kosten gedeckt. Über Geld musste daher nicht gesprochen werden, die Kommunen brauchen nicht zu zahlen. Allerdings: „Züge finanzieren sich nicht allein“, sagte Thomas Ressel, Leiter der Abteilung Planung Verkehr beim NWL, gleich zu Beginn. Neben den Ticketumsätzen würden Steuermittel einkalkuliert, so Ressel.

Kommentar

Die Macher der „Mobilitätsachse“ mühten sich nach Kräften, das 25,7 Kilometer lange Teilstück der TWE und ihre Möglichkeiten in bestes Licht zu rücken. Das macht Sinn. Ob die Mobilitätswende ab 2023 dann gelingt, diese Frage bleibt indes spannend. Junge Leute würden sie immer fragen, wann die Bahn denn endlich starte, sagte Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide. Fest steht: junge Menschen waren zum ersten Info-Treffen kaum anwesend. Dafür umso mehr Anrainer der Trasse, die Lärm und Emissionen befürchten bzw. die Schließung privater Übergänge (fünf an der Zahl) werden hinnehmen müssen.

Das vorgestellte Rund-um-Konzept beinhaltet viele Ideen. Ob diese auf den zur Verfügung stehenden Flächen allesamt umsetzbar sind, bleibt abzuwarten. Einen Fahrrad-Reparaturservice am Harsewinkeler Bahnhof anzubieten, ist zweifelsohne reizvoll, dürfte aber, angesichts dessen, dass zuletzt in Marienfeld und Harsewinkel nahezu alle Geschäfte dieser Art ihre Schließung vollzogen haben, eine von vielen Herausforderungen werden. Und überhaupt Fahrrad: Zur Info-Veranstaltung am Dienstag waren vor dem Bürgerhaus vor allem die PKW-Parkplätze knapp geworden.

Robert Becker

An den Begrifflichkeiten und an der Skizzierung von Möglichem haben die Beteiligten intensiv gearbeitet. Die „Reaktivierung“ heißt jetzt „Mobilitätsachse“ – in Anlehnung an die Mobilitätswende. Die Schienenstrecke ist der wesentliche Kern davon. Viele Details betreffen die schlichten „Haltestationen“ und die „Mobilstationen“. Letztgenannte sollen eine flexible Vernetzung an den ÖPNV erhalten, sie bieten unter anderem Fahrradboxen, Car- und Bikesharing. Marienfeld bekommt am Bahnhof eine Mobilstation „Typ M“. Enthalten sind dabei die Anbindung an den Linienbusverkehr, Radabstellmöglichkeiten mit -boxen, eine Park-and-Ride-Anlage, E-Ladestationen für Auto und Räder. Sogar ein Bike- und ein Car-Sharing-Angebot soll es geben. Der Bahnhof Harsewinkel wird gar eine Mobilstation vom Typ L erhalten, mit Schließfächern und Fahrradreparaturservice. Vorteil in beiden Ortsteilen ist, dass die Stadt Eigentümerin der Flächen ist. Gleichwohl dürfte es spannend werden, wie das Angebot im Detail platziert wird. Dazu gab es lediglich grobe Skizzen zu sehen.

Ein großer Teil der Besucher waren Anwohner der Trasse. Neun Haltepunkte wird es geben: an den Bahnhöfen Harsewinkel, Marienfeld und Blankenhagen, am Gütersloher Hauptbahnhof, an der Carl-Miele-Straße, am Freizeitbad Die Welle, in Spexard und an der Eiserstraße sowie am Bahnhof in Verl. 78 Bahnübergänge werden gequert. Der große Teil der Querungen wird mit Signalanlagen und Schranken gesichert. 21 Übergänge, bei denen es sich um nichtöffentliche, somit landwirtschaftliche Übergänge handelt, sollen geschlossen werden, sagte Anja Stocksieker vom NWL. Das Pfeifen der Züge entfalle, sagte Stocksieker. Eingesetzt werden sollen akkubetriebene Personentriebwagen, neu, modern, barrierefrei und in hochwertiger Ausstattung. Zwischen 5 und 23 Uhr soll der Personenverkehr stündlich laufen.

Man habe für die Reaktivierung stets Rückenwind von der Politik bekommen, sagte Henrik Wilkening, Geschäftsführer der Teutoburger Wald-Eisenbahn (TWE). Die vor rund 120 Jahren genehmigte Strecke gehe mit den Änderungen nun ins Planfeststellungsverfahren. Mit den Haltepunkten befinde man sich in der finalen Abstimmung. Privatwege sollen durch so genannte Heckentore, die Landwirte selbst aufschließen können, gesichert werden. Signalanlagen mit Schranken seien am Golfplatz Marienfeld angedacht. Dort sei man in guten Verhandlungen, so Wilkening. Einer der drei Golfplatz-Übergänge soll geschlossen werden.

Ab 2022 soll gebaut werden.

Kommentare

Um das Thema Bahnübergang zu lösen : Warum baut man nicht von Anfang an Unterführungen ? so spart man sich unerlaubte Bahnüberquerungen, die hohen Kosten der Schranken (Installation, Wartung, Modernisierung), die Pannen die den Verkehr stundenlang blockieren.
Wenn wir das nachträglich machen, wird das den Zugverkehr monatelang verhindern, und das wird viel mehr Geld kosten. Und zur Zeit wird eine solche Modernisierung stark bezuschusst !
Und Unterführungen existieren auch im Flachland für Autos: So rollt der Verkehr durchgehend, ohne Panne, ohne Unfall, ohne Unterbrechen.

1 Kommentare

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