Harsewinkel
EPS soll „Spinnern“ den Garaus machen

Harswinkel (jau) - Sie sind wieder da: die Eichenprozessionsspinner. Die Raupen mit den gefährlichen Brennhaaren haben bereits Eichen im ganzen Stadtgebiet befallen. Der Marienfelder Egon Möllenbrock hat vor wenigen Tagen auch Exemplare im Marienfelder Hühnermoor entdeckt. Er meldete den Schädlingsbefall und steuerte Fotos der Nester bei.

Mittwoch, 10.06.2020, 20:28 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 20:46 Uhr
Harsewinkel: EPS soll „Spinnern“ den Garaus machen

Der Bauhof ist gleich tätig geworden und hat dort Warnschilder aufgestellt.Auf einer etwa 250 Meter langen Teilstrecke entlang des Hühnermoorwegs seitlich der Lutterrenaturierung bis zum Aussichtshügel erblickte der Marienfelder schon ganze zehn Raupennester.

Wanderung hat bereits eingesetzt

 „An zwei Stellen hat bereits die Wanderung beziehungsweise Prozession der Raupen eingesetzt“, schildert Möllenbrock die aktuelle Situation. Und er gibt zu bedenken, dass diese doch umfangreichen Populationen durchaus eine Gefahr für die Wanderer entlang dieses Wegs darstellen. Sein Fazit: „Es muss dringend gehandelt werden.“ Und es wurde gehandelt. Im Außenbereich stellt der Bauhof Warnschilder auf – wie in Marienfeld. An Gefahrenpunkten – also beispielsweise an Schulbushaltestellen, auf Schulhöfen, an Altenheimen, in öffentlichen Parkanlagen, auf Spielplätzen oder auf Friedhöfen – rückt die Stadt aus. Und zwar mit dem für 46 5000 Euro extra neu angeschafften EPS-Killer, ein Heißwasserschaumgerät, das kurzen Prozess mit dem Eichenprozessionsspinner macht.

Mischung aus Wasser und Maisstärke

Mit einer Mischung aus 98 Grad heißem Wasser und Maisstärke werden die Raupen mit den fiesen Brennhaaren effektiv und ganz ohne die chemische Keule bekämpft. Und wie arbeitet der „Killer“? Das erklären die drei Bauhof-Mitarbeiter Peter Edelmeier, Oliver Rethage und Manfred Kloppe, der auch Baumkontrolleur ist. Sie kümmern sich um die Bekämpfung der haarigen Biester – allerdings nur auf den städtischen Bäumen und nicht auf den privaten. Die Nester werden mit der heißen Wasser-Maisstärke-Mischung eingesprüht. „Schon bei 50 Grad aufwärts sind die Raupenhaare nicht mehr schädlich. Sie verbrühen“, berichtet Kloppe. Da die Maisstärke ideal zur Bindung geeignet ist, rutschen die Nester nach der Heißwasser-Behandlung langsam am Stamm herunter. Von ihnen geht dann keine Gefahr mehr aus. Und sie sind biologisch abbaubar, stellt Bauhofleiter Achim Vorwald klar. Manch einer mag beim Anblick des Schaums an giftige Substanzen denken. Das ist aber nicht richtig. „Alles ist umweltverträglich“, so Vorwald. Der EPS-Killer ist vielseitig einsetzbar: Der Bauhof kann ihn unter anderem für die Unkrautbeseitigung sowie für die Reinigung von Schildern oder Spielgeräten auf Spielplätzchen nutzen. Ein Alleskönner, der derzeit sehr gefragt ist.

2019 weniger als 50 Einsatzstellen

Im vergangenen Jahr gab es in Harsewinkel, Marienfeld und Greffen weniger als 50 Einsatzstellen. „Allein in diesem Jahr wurden der Stadt schon 65 gemeldet. Und die Saison hat gerade erst begonnen“, sagt der städtische Umweltberater Guido Linnemann. Das sind schon jetzt deutlich mehr als 2019. Und: 65 Stellen – das bedeutet nicht 65 Nester, sondern teilweise ganze Baumreihen mit zwei bis drei Nestern pro Eiche. Derzeit gehen zwischen 15 und 20 Anrufe täglich im Rathaus oder im Bauhof mit Hinweisen auf weitere Nester ein. Hinzu kommt der Befall, der von den Bauhofmitarbeitern entdeckt wird. „Die ganze Stadt ist befallen. Da gibt es keine besonderen Hotspots. Egal ob im Norden, Süden, Westen oder Osten – von überall werden uns Stellen gemeldet“, berichtet Bauhofleiter Achim Vorwald. Die Bauhof-Mitarbeiter sind derzeit an etwa zwei Tagen pro Woche mit dem EPS-Killer unterwegs. „Wir sammeln erst ein paar Meldungen und fahren nicht wegen eines einzelnen Nests raus. Nach einer Prioritätenliste wird dann alles abgearbeitet“, so Vorwald. Er rechnet aber damit, dass die Nester-Meldungen auf öffentlichen Flächen und damit auch die Einsatztage noch deutlich zunehmen werden.

Raupe gibt es seit Jahrhunderten

Den Eichenprozessionsspinner gibt es bereits seit hunderten Jahren. „Der Klimawandel und die warmen, trockenen Frühjahre begünstigen die Verbreitung“, so Umweltberater Guido Linnemann. Und Achim Vorwald ergänzt: „Wir bräuchten mal wieder einen harten Winter – und zwar über einen längeren Zeitraum.“ Erschwerend kommt hinzu: Der Eichenprozessionsspinner hat keine natürlichen Feinde. Die Vögel fressen die Raupen nur in den ersten Stadien – außer der Kuckuck, der sich den „Spinner“ auch trotz der Brennhaare einverleibt. „Aber davon gibt es zu wenige“, so Linnemann. Um noch effektiver in der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners zu werden, schafft der Bauhof zusätzlich einen gebrauchten Hubsteiger an. „Wir warten derzeit noch auf Angebote“, so Achim Vorwald. Insgesamt hat die Stadt zur Bekämpfung der gefährlichen Raupen, deren Haare (laut Experten sind es 40 bis 60 Millionen pro Quadratmillimeter) allergische Reaktionen, Halsschmerzen, Husten, Atemnot, Schwindel, Übelkeit und mehr auslösen können, 100 000 Euro bereitgestellt. „Wir gehen von einem dauerhaften Problem aus“, betont Guido Linnemann.

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