Es gelten auch die gleichen Corona-Regeln wie im benachbarten Kreis Gütersloh
Schulen und Kitas ab Donnerstag auch im Kreis Warendorf geschlossen

Warendorf (WB/dpa). Die Schulen und Kitas im Kreis Warendorf sind wegen des Corona-Ausbruchs bei Tönnies ab Donnerstag geschlossen. Das sagte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstag.

Dienstag, 23.06.2020, 15:53 Uhr aktualisiert: 23.06.2020, 20:54 Uhr
Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, während der Pressekonferenz. Foto: Federico Gambarini/dpa
Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, während der Pressekonferenz. Foto: Federico Gambarini/dpa

Darüberhinaus sollten die gleichen Corona-Regeln gelten wie im benachbarten Kreis Gütersloh .

Im öffentlichen Raum dürfen sich die Bewohner eine Woche lang nur noch mit Personen des eigenen Hausstands bewegen oder zu zweit.

Außerdem werden Museen, Kinos, Fitnessstudios, Hallenschwimmbäder und Bars geschlossen.

Es gehe auch darum, sagte Laumann, sich an die auf Bundesebene vereinbarte Regel zu halten, wonach es bei mehr als 50 Infektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen Einschränkungen des öffentlichen Lebens gebe, um eine weitere Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. Hier zuverlässig zu bleiben, sei auch international von Bedeutung.

Hier geht es zum Wortlaut der Coronaregionalverordnung des Landes NRW.

„Teil der Werkvertragsunternehmer nicht besonders kooperativ“

Laumann sagte zur Durchsetzung der Quarantäne für die Tönnies-Beschäftigten: „Ein Teil der Werkvertragsunternehmer ist nicht besonders kooperativ.“

Er kündigte weitere Tests an.

Wenige Stunden zuvor hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) noch angekündigt, die Einschränkungen für den Kreis Warendorf würden «nicht flächendeckend» sein, sondern nur für Orte gelten, die an den Kreis Gütersloh grenzen. Auch Warendorfs Landrat Olaf Gericke (CDU) hatte noch am Morgen betont, weitgreifende Beschränkungen im Kreis sei nicht nötig.

Die Beschränkungen gelten zunächst für eine Woche. Bis zum 30. Juni erwartet die Landesregierung Klarheit, inwieweit sich das Virus womöglich auch bei Menschen, die nicht bei Tönnies arbeiten, ausgebreitet hat.

Laumann bat die betroffenen Bewohner der Kreise um Verständnis. „Ohne die Maßnahmen wären die Belastungen am Ende womöglich um ein Vielfaches höher – in den Kreisen Gütersloh und Warendorf , in den benachbarten Kreisen und Städten sowie in den anderen Teilen unseres Landes“, sagte er.

Bevölkerung soll per Lautsprecher zu Tests aufgerufen werden

Wie Laumann sagte, sollen Bewohner und Beschäftigte in den Pflegeeinrichtungen in den kommenden Tagen durchgetestet werden. Gleiches gelte für Mitarbeiter der Krankenhäuser, Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel und Kioskpersonal.

Getestet werden sollen auch die Beschäftigten von Unternehmen und Subunternehmen, die zentrale Gemeinschaftsunterkünfte betreiben oder in einem nennenswerten Umfang Werkvertragsarbeitnehmer beschäftigen. Alle Bürger der beiden Kreise sollen außerdem die Möglichkeit erhalten, kostenlos einen Test durchführen zu lassen. Die Bevölkerung werde durch Zeitungsannoncen und Lautsprecherdurchsagen zur Testung aufgerufen. «Wir werden auch öffentliche Teststationen über Bundeswehr und Rotes Kreuz errichten», sagte Laumann.

Kritik von Britta Haßelmann

Kritik kam von der Bielefelder Politikerin Britta Haßelmann, Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion. Sie schrieb: „Die Ankündigung von Armin Laschet und Karl-Josef Laumann von weitreichenden Beschränkungen für den Kreis Gütersloh und Warendorf werfen Fragen auf. Was genau bedeutet das jetzt für den Lebensalltag der Menschen vor Ort? Sind es Beschränkungen, wie sie bereits zu Beginn der Corona-Krise veranlasst wurden? Auf welche Lebens- und Arbeitsbereiche beziehen sich die Maßnahmen?“ Damit dürften Kommunalpolitiker und Bürger nicht allein gelassen werden.

Zudem sei unklar, „was eigentlich in den Wochen seit dem Corona-Ausbruch bei Westfleisch in Coesfeld passiert ist? Wer hat die Ausnahmegenehmigung für den Schlachtbetrieb Tönnies erteilt und zu welchen Bedingungen?“ Tausende Menschen arbeiteten dicht an dicht in der Fleischindustrie und wohnten unter schlechten Bedingungen beengt. Das sei seit langem bekannt. „Mit der Ausbeutung in der Schlachtbranche muss endlich Schluss sein”, schrieb Haßelmann.

Reaktionen aus Niedersachsen: Polizeikontrollen möglich

Beide NRW-Kreise grenzen unmittelbar an den niedersächsischen Landkreis Osnabrück. Kreis und Stadt Osnabrück ordneten an, dass dort ab Mittwoch für Menschen aus Gütersloh und Warendorf deckungsgleich alle Vorschriften gelten, die Nordrhein-Westfalen für diese Regionen festgesetzt hat. Darüber hinaus müssen alle Schüler, die Schulen im Gebiet Osnabrück besuchen, sowie alle Kinder, die dort in Kindergärten, Kitas oder von Tagesmüttern betreut werden, vom Mittwoch bis 30. Juni zu Hause bleiben.

Niedersachsen will nach aktuellem Stand keine Menschen aus NRW zurückweisen. «Wir werden verhältnismäßig und angepasst reagieren», sagte die stellvertretende Leiterin des Krisenstabes der Landesregierung, Claudia Schröder. Vermieter von Ferienwohnungen könnten aber Buchungen von Touristen etwa aus Gütersloh stornieren. Außerdem könnte es vorkommen, dass die Polizei Autofahrer aus der Region Gütersloh nach Zweck und Ziel einer Reise frage.

 

 

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