Harsewinkel
Ausbildung in Corona-Zeiten gemeistert

Harsewinkel (akl) - Im Jahr 2018 hat Jonas Müller seine Tischler-Ausbildung bei der Tischlerei Martin Nordemann begonnen. Damals war eine weltweite Pandemie noch in weiter Ferne. Dann kam Corona. Von den Auswirkungen blieb auch der Ablauf der Ausbildung nicht unberührt.

Dienstag, 23.02.2021, 20:00 Uhr aktualisiert: 23.02.2021, 20:16 Uhr
Als Gesellenstück fertigte Jonas Müller bei der Tischlerei Martin Nordemann in Harsewinkel ein Sideboard für seinen Plattenspieler an.
Als Gesellenstück fertigte Jonas Müller bei der Tischlerei Martin Nordemann in Harsewinkel ein Sideboard für seinen Plattenspieler an.

Nun hat Jonas Müller – trotz der widrigen Umstände – seine Ausbildung vorzeitig beendet. Vor allem im schulischen Teil der Ausbildung habe man die Auswirkungen der Pandemie bemerkt. Im Frühjahr machte das Reckenberg-Berufskolleg in Rheda-Wiedenbrück zunächst dicht. „Dann saßen wir in der Firma, haben unsere Aufgaben gemacht und anschließend an die Lehrer geschickt“, erinnert sich Müller. Als die Schule wieder öffnete, habe der Unterricht in festen Räumen und mit einer festen Sitzordnung stattgefunden. Zwischenzeitlich musste die Einrichtung erneut schließen, ehe sie ein weiteres Mal öffnete. „Das war teilweise ein ganz schönes Hin und Her“, sagt der 28-Jährige.

Auch überbetriebliche Lehrgänge musste verschoben werden – oder wurden ganz abgebrochen. Die Schulungen zur Nutzung der wichtigsten Maschinen sowie zur seriellen Fertigung eines Möbelstücks konnte Müller noch vollständig mitnehmen. Ein Lehrgang zum Thema Oberflächen, in dem man zum Beispiel verschiedene Arten von Lack und Öl kennenlernt, musste jedoch vorzeitig beendet werden. „Das ist schon nicht ganz ohne“, äußert Müller sein Bedauern. „Da lernt man vieles zum Thema Oberflächen, was einem im Alltag eher selten begegnet.“

Arbeit im Betrieb kaum eingeschränkt

Die Arbeit im Betrieb sei durch Corona immerhin kaum eingeschränkt gewesen. „Es musste zwar auf Abstand geachtet werden, was jedoch in der Regel kein Problem ist“, berichtet Müller. Nur die Aufenthaltsräume hätten in der Pause nicht mehr genutzt werden können. „Das soziale Miteinander mit den Kollegen und das Quatschen nach Feierabend fehlt am meisten.“ Auch die Prüfung habe aufgrund der geringen Anzahl von acht Prüflingen ohne große Umstände mit genügend Abstand in einem Nebengebäude der Schule stattfinden können.

Müller hat Abitur gemacht und vor der Ausbildung ein Linguistik-Studium absolviert. So konnte er seine Ausbildungszeit von drei auf zweieinhalb Jahre verkürzen. „Corona hat die Ausbildung schon erschwert. Deswegen bin ich froh, es nun geschafft zu haben.“ Müller wurde bei der Tischlerei Martin Nordemann übernommen und ist seit dem 1. Februar als Tischler angestellt.

Sideboard als Gesellenstück

Auch Ausbildungsleiter Jörg Kampschnieder hat viel Lob für seinen ehemaligen Auszubildenden übrig: „Jonas Müller hat sowohl handwerklich als auch schulisch voll und ganz überzeugt. Das Vertrauen, das wir durch die Verkürzung der Ausbildung in ihn gesetzt haben, war absolut gerechtfertigt.“

Den großen Abschluss der Ausbildung bildet das Gesellenstück. Dass es bei Müller ein Sideboard werden sollte, stand früh fest. „Nach einigem Hin und Her-Überlegen habe ich mich dazu entschieden, ein Exemplar zum Aufhängen mit einem Schiebe-Element anzufertigen“, blickt der 28-Jährige zurück.

Als Beschichtung entschied sich Müller für eine Betonoptik. „Von innen sollte das Board hingegen aussehen wie ein aufgeschnittener Eichenstamm“, berichtet Müller. Für eine natürliche und rustikale Wirkung nahm der Tischler sägeraue Bretter. Als Erstes schnitt er die Holzplatten zu. Dabei gibt es einen Haupt- und einen Hilfscorpus. Die nächsten Schritte lauten: furnieren, auf Gehrung schneiden, verleimen. Bevor der Betonlack aufgetragen wurde, klebte Müller die Innenflächen ab, da dort kein Lack vorgesehen war. „Mit einer Lackpistole wird dann die Grundierung aufgetragen“, erklärt Müller. Schleifen, die nächsten Lackierungsschichten auftragen, Schubkästen einpassen, ölen, Türen einhängen waren die weiteren Arbeitsschritte hin zum fertigen Produkt. „Auf ein paar Kleinigkeiten, an denen es hapert, stößt man immer. Eine Tür, an die ein Magnet angebracht werden muss, oder das Einbauen einer zusätzlichen Schiene“, berichtet der 28-Jährige. „Aber am Ende hat zum Glück alles reibungslos funktioniert.“

Plattenspieler erhält Ehrenplatz

Für den gesamten Fertigungsprozess hatte Müller 20 Tage Zeit. „Um alles perfekt hinzubekommen, sind auch ein paar Arbeitsstunden am Wochenende vonnöten“, erinnert sich Müller.

Einen vorgesehenen Nutzen hat das Gesellenstück bereits: Es soll als Ablageplatz für Müllers Plattenspieler dienen. Einen Schubkasten mit passender Unterteilung für die Schallplatten hat Müller ebenfalls eingebaut.

Auszubildende und erfahrene Tischler werden gesucht

Im Jahr 2009 gründete Martin Nordemann (56) die Tischlerei Martin Nordemann. Sein Vater besaß bereits seit 1958 eine Tischlerei. Sein anderer Sohn Bernhard erbte die Firma und verkaufte sie zwischenzeitlich. In dem Betrieb sind zur Zeit knapp 40 Mitarbeiter angestellt, darunter drei Auszubildende im handwerklichen Bereich. „Wir suchen sowohl Auszubildende als auch erfahrene Tischler“, sagt Geschäftsführer Martin Nordemann. Die Firma bietet unter anderem Trockenbau, Türen, Treppen und Möbelstücke an.

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