Unternehmer und Fußballfunktionär Clemens Tönnies wird Freitag 60 – Rückzug bis 2021
Schnitzel, Schalke, Schlager

Rheda-Wiedenbrück (WB). Den größten Wunsch wird Clemens Tönnies zum 60. Geburtstag an diesem Freitag selbst keiner der 1000 Gäste erfüllen können. Dem Mann, der sich als Chef von Deutschlands größtem Fleischkonzern einen Namen gemacht und ein Milliardenvermögen erworben hat, fehlt etwas zum totalen Glück: Der Boss des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 träumt von der Deutschen Meisterschaft.

Freitag, 27.05.2016, 09:49 Uhr aktualisiert: 27.05.2016, 10:11 Uhr
Unternehmer und Fußballfunktionär Clemens Tönnies wird Freitag 60 – Rückzug bis 2021 : Schnitzel, Schalke, Schlager
Clemens Tönnies heute in seinem Fleischkonzern in Rheda-Wiedenbrück. Foto: Bernd Thissen/dpa

Um Fleisch und Fußball dreht sich viel im Leben des 1956 in Rheda geborenen Sprosses einer Metzgerfamilie. Aufgewachsen mit vier Schwestern und seinem vier Jahre älteren Bruder Bernd, ist Clemens Tönnies heute Chef eines Konzerns mit weltweit 12.500 Mitarbeitern und mehr als sieben Milliarden Euro Umsatz.

Er ist Duz-Freund von Fußballgrößen wie Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß, bekannt mit Schauspielern und Sängern sowie bestens vernetzt in die Spitzen der Politik bis hin zu Russlands Präsident Wladimir Putin. Die Forbes-Liste führt Clemens Tönnies mit mehr als zwei Milliarden Euro als einen der reichsten 70 Deutschen.

Verwurzelt mit der Heimat

Clemens Tönnies als kleiner Steppke um 1960 vor dem elterlichen Metzgerladen in Rheda.

Clemens Tönnies als kleiner Steppke um 1960 vor dem elterlichen Metzgerladen in Rheda.

Obwohl er in seinem Privatjet abhebt, ist Tönnies fest verwurzelt mit seiner Heimat: Rheda ist nicht nur Geburts-, sondern auch Wohnort und Konzernsitz. Er gibt sich volksnah als Vorsitzender des Schützenvereins und mischt sich als Schalke-Boss unter die Fans.

 Unter seiner Führung werden im Konzern jährlich mehr als 17 Millionen Schweine geschlachtet. Es hätte trotz der familiären Vorprägung anders kommen können, sagt Tönnies. »Musik ist meine große Leidenschaft. Vielleicht hätte ich kein einziges Schwein geschlachtet, wenn ich da drangeblieben wäre.« So ist das Singen Hobby geworden. Die Bühne sucht Tönnies trotzdem: Es vergeht kaum ein Fest, das er nicht mit einer Gesangseinlage bereichert.

Wände selbst gemauert

Sein unternehmerischer Erfolg ist fest verbunden mit seinem 1994 verstorbenen Bruder Bernd. Der hatte sich 1971 entschlossen, einen Fleischgroßhandel aufzubauen. Clemens Tönnies, damals 15, mischte mit. »Selbständig, das hörte sich gut an«, sagt er. Zudem hätten sie beweisen wollen, was sie können. »Vom ersten freien Geld haben wir unsere Eltern 1973 drei Wochen in den ersten Urlaub seit 1950 geschickt.«

Beim Bau der Firma in Herzebrock mauerten beide die Wände selbst. Sie revolutionierten die Branche, indem sie das geschlachtete und zerlegte Fleisch nicht selbst weiterverarbeiteten, sondern es »als erster Anbieter als Standardartikel per Katalog auch ins Ausland« verkauften. Nach Ausbildung zum Fleischtechniker und Kaufmann stieg Clemens Tönnies Anfang der 80er Jahre als Gesellschafter in die Firma ein.

Tod des Bruders brachte Unternehmen in Bedrängnis

1992 entstand in Rheda ein 16.000 Quadratmeter großer Neubau für 82 Millionen D-Mark. »Da haben wir hart am Wind gesegelt«, sagt Tönnies im Rückblick. »Nach einem Jahr waren die Kühlhäuser komplett voll. Zum Glück öffneten sich damals die Ostmärkte.« Der Tod seines nierenkranken Bruders, »des Souveräns«, brachte das Unternehmen 1994 in Bedrängnis.

»Nur weil die ganze Truppe damals weitergemacht hat«, habe der Konzern die enorme Entwicklung nehmen können, »auf die ich stolz bin«, sagt Tönnies. »Heute haben wir in Rheda mit 160.000 Quadratmeter umbauter Produktionsfläche das größte Fleischwerk der Welt.«

»Am emotionalsten war aber die Vier-Minuten-Meisterschaft 2001«

Von seinem Bruder erbte Clemens Tönnies auch die  Führungsrolle beim Kultclub Die Eröffnung der konzerneigenen Fußball-Arena feierte Clemens Tönnies 2012 mit Franz Beckenbauer (rechts) und Jörg Wontorra. Foto: Wolfgang Wotke Schalke. »Das erste Spiel habe ich als Zehnjähriger noch auf der Glückauf-Kampfbahn mit meinem Vater erlebt, der abwechselnd mit Bernd und mir hingefahren ist.« Seit 1995 Mitglied des Aufsichtsrates, führt er den Verein seit 2001 als Vorsitzender. Beim Arena-Neubau und dem Sponsorendeal mit dem russischen Energiekonzern Gazprom war Tönnies treibende Kraft.

Der Uefa-Cup-Triumph 1997 und drei DFB-Pokalsiege waren die sportlichen Höhepunkte. »Am emotionalsten war aber die Vier-Minuten-Meisterschaft 2001, als ich mit Huub Stevens und Rudi Assauer an der Schulter geheult habe.« Die Meisterschale, die damals die Bayern den Königsblauen entrissen, will er einmal in die Höhe recken.

Auch deshalb stellt er sich Ende Juni zur Wiederwahl als Schalke-Boss für weitere drei Jahre. Trotz Pfiffen und »Tönnies raus«-Rufen zum Saisonende. »Das hat weh getan, aber es waren nur die Ultras, eine Minderheit der Fans«, sagt er.

Tönnies singt »Ich mach’ mein Ding«

Auch der  seit Jahren tobende und teils vor Gerichten ausgetragene Machtkampf mit seinem Neffen Robert, der die anderen 50 Prozent am Konzern hält, lastet auf Tönnies. Auf der Gästeliste steht der Sohn von Bernd nicht.

Beim Blick nach vorne betont Tönnies, dass er loslassen will. »Ich muss weder bei Tönnies noch bei Schalke mit dem Rollator rausgeschoben werden.« Er arbeite an beiden Stellen intensiv daran, die Nachfolge zu regeln. »Tönnies muss vom Besten geführt werden. Egal, ob der aus der Familie kommt oder nicht«, sagt der Vater zweier Kinder (26/18).

»Mit 63 oder 65« soll Schluss sein. Er will dann öfter Jagen, liebäugelt mit einem Studium der deutschen Geschichte – und er will sich der Musik widmen, »wieder anfangen Gitarre zu spielen«. Bei der Feier am Freitag wird Clemens Tönnies natürlich singen: »Ich mach’ mein Ding«, von Udo Lindenberg. Passender könnte der Text kaum sein.

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