Mi., 04.07.2018

100 Interessierte verfolgen Diskussion der Interessengemeinschaft Werkverträge Hämisches Gelächter für Tönnies-Vertreter

Das breit besetzte Podium diskutiert engagiert: (von links) Inge Bultschnieder (IG Werkverträge), Szaboles Sepsi (DGB), Ralph Brinkhaus (CDU, MdB), Martin Blumentritt (Tönnies), Burkhard Schlüter (Stadt) und Ralf Straetmanns (Die Linke).

Das breit besetzte Podium diskutiert engagiert: (von links) Inge Bultschnieder (IG Werkverträge), Szaboles Sepsi (DGB), Ralph Brinkhaus (CDU, MdB), Martin Blumentritt (Tönnies), Burkhard Schlüter (Stadt) und Ralf Straetmanns (Die Linke). Foto: Tim Bergheim

Von Tim Bergheim

Rheda-Wiedenbrück (WB). Geraume Zeit war es still gewesen um die Interessengemeinschaft (IG) Werkverträge. Zumindest öffentlich: Der Kreis der Aktiven um Inge Bultschnieder arbeitete sich im Stillen an den Verhältnissen ab.

Eine von der IG organisierte, hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion rückte die Arbeits- und Lebensbedingungen der osteuropäischen Arbeitnehmer jetzt wieder in den Blickpunkt. Gut 100 Interessierte hatten sich auf dem Wiedenbrücker Kirchplatz eingefunden. Nimmt man ihren Beifall als Maßstab, so erscheinen zwei zentrale Forderungen aus dem Podium durchaus mehrheitsfähig: generelle Abschaffung der Werkvertragsarbeit, stattdessen Umwandlung der Arbeitsplätze, vor Ort zum großen Teil in der Fleischindustrie, in durch Tarifverträge abgesicherte, sozialversicherungspflichtige Anstellungsverhältnisse, so die eine. Großer Beifall auch für das Postulat nach Schaffung von ausreichend Wohnraum, der hiesigen Standards entspricht. Dass das Gros der Werkvertragsarbeiter nach wie vor unter unsäglichen Bedingungen hausen muss, zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussionen.

Veranstaltung auf dem Kirchplatz

»Es sind nicht nur die Subunternehmer von Tönnies, die dafür verantwortlich sind«, legte CDU-MdB Ralph Brinkhaus einen Finger in die Wunde, »es gibt auch eine ganze Reihe von Rheda-Wiedenbrückern, die sich mit der Vermietung von Bruchbuden eine goldene Nase verdienen.« Hier sieht Burkhard Schlüter, im Rathaus im Ressort Bauen und Wohnen tätig, auch eine gesellschaftspolitische Verantwortung: »Wenn Sie neben einem solchen Objekt wohnen, gehen Sie offensiv zum Vermieter und erklären ihm, dass es so nicht geht«. Die Kommune sieht Schlüter im Soll: »Die Wohnraumkontrolle funktioniert.« Hämisches Gelächter im Auditorium.

Die gleiche Reaktion auch, als Tönnies-Justitiar Martin Blumentritt einmal mehr klar stellte, »dass unser Unternehmen nach Recht und Gesetz arbeitet«. Dass in der Fleischindustrie inzwischen der Mindestlohn gezahlt werde, nannte er einen von vielen erzielten Fortschritten.

Wie vielfältig die Möglichkeiten für die Subunternehmer in der Fleischindustrie sind, den Mindestlohn zu unterlaufen, machten Ralf Straetmanns (Die Linke), Szaboles Sepsi (DGB) und Albrecht Kieser (WorkWatch) deutlich: nicht korrekte Stundenzettel, Abzug für An- und Abfahrtszeiten, der Zeiten fürs Umziehen und Messerschärfen und nicht zuletzt über eine zunehmende Verdichtung der Arbeit. »Was gegen das Gesetz ist, muss geahndet werden«, hieß darauf Brinkhaus’ Forderung, begleitet vom abermaligen ungläubigen Murren des Auditoriums.

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