Fr., 14.09.2018

Virus erstmals in Westeuropa nachgewiesen – NRW bereitet sich vor Schweinepest besorgt Bauern und Schlachter

Infotafel an einem Autobahnrastplatz bei Wismar.

Infotafel an einem Autobahnrastplatz bei Wismar. Foto: dpa

Von Bernhard Hertlein

Rheda-Wiedenbrück (WB). Bauern und Schlachtbetriebe in Nordrhein-Westfalen sind alarmiert: Erstmals ist ein Fall der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Belgien festgestellt worden.

Das Virus, das die Erkrankung auslöst, wird von Wildschweinen verbreitet und ist auch für Hausschweine extrem gefährlich. Für Menschen und Haustiere, die mit erkrankten Schweinen in Berührung kommen, ist ASP dagegen nach Angaben von Experten ungefährlich. Das gelte auch, wenn das Fleisch verzehrt wird.

Für Schweine ist das hochansteckende Virus in der Regel tödlich. Einen Impfstoff gibt es nicht. Festgestellt wurde das Virus an zwei toten Wildschweinen nahe der Gemeinde Étalle in Südbelgien, etwa 60 Kilometer vor der deutschen Grenze. Die Kadaver befanden sich nur wenige hundert Meter von einer Autobahn-Raststätte entfernt. Dies legt den Schluss nahe, dass das Virus durch ein Wurstbrot übertragen wurde, das von einem Lkw-Fahrer achtlos weggeworfen wurde.

Keine Lebensmittel entsorgen

Die Gefahr der Übertragung über viele hundert Kilometer ist bekannt. Daher werden osteuropäische Fahrer seit gut einem Jahr ausdrücklich gebeten, keine Lebensmittel offen zu entsorgen. Von Russland kommend hatte sich ASP in Osteuropa weiter ausgebreitet. 2017 wurden die ersten Fälle aus Polen und Tschechien sowie aus China gemeldet. Nach Westeuropa war die Schweinepest bis vergangenen Donnerstag nicht vorgedrungen.

Breitet sich ASP auch nach Deutschland aus, wird sie die Existenz von tausenden Landwirten und Schlachtern bedrohen. Um eigene Tierbestände zu schützen, können andere Länder den Import von Schweinefleisch verbieten. Das entstehende Überangebot würde den Erzeugerpreis, der nach Angaben von OWL-Bauernpräsident Hubertus Beringmeier aus Hövelhof derzeit ohnehin im Keller ist, weiter nach unten drücken. Beringmeier appelliert deshalb an die Kollegen, Hygienevorschriften mit noch größerer Sorgfalt nachzukommen.

Bauern, die ihre Schweine im Freien halten, müssten diese durch einen doppelten Zaun vor der Außenwelt schützen.

Tönnis stoppt Import aus Belgien

Tönnies, Deutschlands größter Fleischkonzern, hat den Import von Schweinefleisch aus Belgien gestoppt. Er spiele ohnehin eine sehr geringe Rolle, erklärte Pressesprecher André Vielstädte. Von 26.000 Schweinen, die täglich am Standort Rheda geschlachtet werden, kämen 80 Prozent aus einem Umkreis von 100 Kilometern. Als erste Maßnahme zogen belgische Behörden einen Ring von 25 Kilometern um den Fundort. Alle dort lebenden Schweine sollen gekeult werden.

Von den 7300 schweinehaltenden Betrieben in NRW sind 4290 im Münsterland. NRW-Agrarministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) richtete am Freitag eine Sonderarbeitsgruppe ein, die Schutzmaßnahmen vorbereiten soll.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6051296?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730030%2F