Sa., 10.11.2018

Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof anlässlich der Pogromnacht vor 80 Jahren Gegen Gewalt und Antisemitismus

Gedenkfeier zum Jahrestag der Pogromnacht: Für eine Zukunft ohne Hass, Vorurteile und Ausgrenzung haben sich am Freitag Bürgermeister Theo Mettenborg und Irith Michelson, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld, ausgesprochen.

Gedenkfeier zum Jahrestag der Pogromnacht: Für eine Zukunft ohne Hass, Vorurteile und Ausgrenzung haben sich am Freitag Bürgermeister Theo Mettenborg und Irith Michelson, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld, ausgesprochen. Foto: Wolfgang Wotke

Von Wolfgang Wotke

Rheda-Wiedenbrück (WB). 80 Jahre ist es her, dass in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 die Synagogen in Deutschland brannten. Auch die Synagoge am Steinweg in Rheda brannte nieder. Auf dem jüdischen Friedhof am Wöstenweg gab es am Freitag eine Gedenkfeier.

»Wir sind zusammengekommen, um zu erinnern, um zu gedenken und um zu mahnen«, sagte Bürgermeister Theo Mettenborg vor mehr als 100 Gästen. Die Männer trugen einen Hut oder eine Kippa, gemäß dem Brauch der jüdischen Gemeinde. Mettenborg verwies auf die schrecklichen Ausschreitungen des nationalsozialistischen Terrors, dem in Rheda nachweislich 62 Menschen zum Opfer fielen.

Auch Stolpersteine halten die Erinnerung wach

Das Gedenken an sie, so der Bürgermeister, werde auch an anderen Orten ihres früheren Lebens in Rheda-Wiedenbrück gewahrt. »Mit dem Projekt ›Stolpersteine‹ sorgen wir als Stadtgesellschaft dafür, dass die Erinnerung an diese Menschen lebendig bleibt.« Am Rathaus erinnert eine Gedenktafel an die aus Rheda stammenden Juden, die während der NS-Zeit gewaltsam ums Leben kamen. Ein Denkmal auf dem Friedhof – besetzt mit 62 Steinen – dient als Gedenkort für die verschleppten und ermordeten Juden Rhedas.

Die Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld, Irith Michelson, erklärte, dass die Erinnerung an die Pogromnacht für alle Juden noch heute schmerzhaft sei. »Wir dürfen auf keinen Fall übersehen, dass immer noch in unserer Gesellschaft viel zu viel Gewalt herrscht. Wir müssen gemeinsam gegen Hass, gegen Ausländerfeindlichkeit und gegen Antisemitismus aufstehen.«

Schüler lesen aus Tagebüchern verschleppter Juden vor

Das sei die Verpflichtung jeden Bürgers. Michelson: »Wir können die Vergangenheit nicht mehr ändern, aber wir können und wir müssen uns daran erinnern.« Schüler der »Israel AG« des Einstein-Gymnasiums lasen Auszüge aus Tagebüchern von verschleppten Juden vor und legten – wie es unter Juden üblich ist – beim Friedhofsbesuch kleine Steinchen auf die Gräber. Anschließend wurde ein Kranz der Stadt Rheda-Wiedenbrück niedergelegt.

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass die meisten Juden in Rheda um 1930 selbstständig waren. Es gab Gastwirte, Viehhändler, Metzger und Händler. Außerdem befanden sich zwei Industriebetriebe in jüdischem Besitz. Das Zusammenleben der christlichen und jüdischen Bevölkerung Rhedas war damals problemlos; jüdische Familien waren in das kleinstädtische Sozialgefüge gut integriert. Kurz nach der NS-Machtübernahme 1933 und den ersten Übergriffen gegen Rhedaer Juden verließen bereits einige Familien die Kleinstadt. Während des Novemberpogroms wurde jüdisches Eigentum zerstört.

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