Di., 13.11.2018

Schweinepest: Tönnies und Westfleisch bieten an, 10.000 Wildschweine abzunehmen Fleischkonzerne wollen Jägern helfen

Nicht nur für Wildschweine, auch für Hausschweine ist die hoch­ansteckende Schweinepest in der Regel tödlich. Für Menschen ist die Krankheit aber nicht gefährlich. Selbst das Fleisch der Tiere kann nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts gegessen werden.

Nicht nur für Wildschweine, auch für Hausschweine ist die hoch­ansteckende Schweinepest in der Regel tödlich. Für Menschen ist die Krankheit aber nicht gefährlich. Selbst das Fleisch der Tiere kann nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts gegessen werden. Foto: dpa

Von Matthias Band

Rheda-Wiedenbrück (WB). Um die Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern, sind nach neuesten Zahlen des Landesjagdverbandes in NRW in der vergangenen Jagdsaison (1. April 2017 bis 31. März 2018) 66.000 Wildschweine erlegt worden – ein Rekord. Um den damit verbundenen Preisverfall zu stoppen, wollen die Fleischkonzerne Tönnies und Westfleisch den Jägern jetzt helfen.

Tönnies mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück und Westfleisch mit Sitz in Münster haben den Jägern in NRW dem Vernehmen nach angeboten, insgesamt 10.000 Wildschweine abzunehmen. »Wir wollen den Jägern helfen und das Wildbret abnehmen, um so zu einer Stabilisierung der Preise beizutragen«, sagt Tönnies­sprecher André Vielstädte. Die genaue Planung stehe aber noch aus. Abgesehen vom Preisverfall sei es darüber hinaus ureigenes Interesse der Fleischunternehmen, die Ausbreitung der Schweinepest nach Deutschland zu verhindern.

Das Fleisch der Tiere sollte nicht verramscht werden

Die Wildschweine könnten in den Schlachthöfen der beiden Unternehmen verarbeitet und deutschlandweit vermarktet werden. »Die Zerlegung der Wildschweine kann nicht einfach im laufenden Betrieb mitgemacht werden, sondern dafür bedarf es gesonderter Vorbereitungen, die natürlich abhängig von der Menge sind.« Das Fleisch der Tiere solle aber nicht verramscht werden, betont Vielstädte. Zur Not könnte das Fleisch auch zunächst gefrostet und gelagert werden.

Überangebot beim Wildschweinfleisch

Die Jäger begrüßen das Angebot der beiden westfälischen Unternehmen. Denn der Mehrabschuss der Wildschweine hat Probleme mit sich gebracht. »Der Markt steht unter Druck. Beim Wildschweinfleisch gibt es ein Über­angebot«, sagt Andreas Schneider, Sprecher des Landesjagdverbandes NRW. Viele Jäger wüssten schon nicht mehr, wohin mit dem Fleisch. Die sogenannten Wildkammern, die Kühl- und Verarbeitungsräume, seien voll. Die Folge: Die Preise für das Fleisch sind im Keller. Normalerweise werden laut Jagdverband für ein Kilo unverarbeitetes Wildschwein 3,50 bis 4,50 gezahlt. In manchen Regionen – zum Beispiel in Ostdeutschland – seien es nur noch 50 Cent. Das Fleisch der Wildschweine wird ebenso wie das von anderen Wildtieren vor allem regional an Schlachter oder direkt an den Endverbraucher verkauft.

Afrikanische Schweinepest verunsichert Verbraucher

Hinzu kommt, dass viele Verbraucher wegen der Afrikanischen Schweinepest verunsichert sind, was ebenfalls auf die Preise drückt. Ohnehin essen die Deutschen nicht sehr viel Wildfleisch.

Nach Angaben des Bundeszen­trums für Ernährung, das dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft angegliedert ist, isst jeder Deutsche statistisch gesehen nur 450 Gramm im Jahr. Zum Vergleich: Der gesamte Fleischkonsum liegt bei knapp 60 Kilo pro Kopf. Das Fleisch deutschlandweit zu vermarkten, dürfte also für die heimischen Fleischkonzerne gar nicht so leicht werden.

Entscheidung über Abnahme der Tiere

Die Schweinepest grassiert vor allem in Osteuropa, wurde aber im September auch in Belgien und damit erstmals in Westeuropa festgestellt . Für Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich, für die Landwirtschaft und Schlachtbetriebe in Deutschland könnte sie aber erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Denn auch für Hausschweine ist das hochansteckende Virus in der Regel tödlich.

Sollten die Fleischkonzerne den Jägern einen Teil der geschossenen Wildschweine abnehmen, ­gäbe es in den Wildkammern wieder mehr Platz. »Die Jäger könnten dann wieder mehr jagen«, sagt Schneider. Ob und wann es zu der Abnahme der Tiere durch Tönnies und Westfleisch kommt, soll in den kommenden Wochen in einem Arbeitskreis entschieden werden, in dem Vertreter der Fleischkonzerne, des Landesjagdverbandes und des NRW-Umweltministeriums sitzen. Der Landesjagdverband appelliert in Sachen Fleischkauf unterdessen auch an die Verbraucher. Schneider: »Das Fleisch aus dem Discounter kommt meist aus dem Ausland. Da muss man sich kritisch hinterfragen, ob man das kaufen muss, wenn es das Fleisch auch frisch aus der Region gibt.«

Kommentare

Wer glaubt denn da an Hilfe...

Wenn das Wildschweinfleisch was in den Discountern vertrieben wird, aus dem Ausland kommt, dann kann auch der uninformierte Leser sich ausmalen, dass so die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland eingeschleppt wird durch Lkw´s und durch den Mensch und die Abfälle ... Und nicht durch die lauffreudige Sau die mal von Polen nach Deutschland und zurück wechselt. Im Übrigen wird Wildfleisch schon verramscht ... von billigem Hirschgulasch und noch günstigeren Rehrücken, Wildkaninchenpastete in der Dose und Wildschweinsalami die weniger kostet wie eine wesentlich bessere Mettwurst vom hiesigen Schlachter ... Und nun helfen die Konzerne uneigennützig mit? ...Die helfen vielleicht die Fleischberge zu beseitigen die sonst in der Seife landen würden... Wer da an Hilfe glaubt der hat auch schon die eierlegende Wolfsmilchsau im Nebel gesehen.

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