So., 20.01.2019

Lübke-Villa ist Denkmal des Monats – Zimmer auf Schwimmbecken Ungewohnter Fortschritt

Das ausgezeichnete Wohnhaus.

Das ausgezeichnete Wohnhaus. Foto: LWL/Brockmann-Peschel

Rheda-Wiedenbrück (WB). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat das Wohnhaus in der Rektoratsstraße 3 in Rheda-Wiedenbrück als Denkmal des Monats Januar ausgezeichnet.

»Der Enkel des Erbauers hat das Haus, das ein Beispiel für die Klassische Moderne in Ostwestfalen ist, gekauft und hat es mit großem Respekt vor dem Baudenkmal instandsetzen lassen. Das ist ein Glückfall für die Denkmalpflege«, sagt LWL-Denkmalpflegerin Dr. Barbara Pankoke.

Die Villa

Das von der Straße weit zurückgesetzte weiße Gebäude ist an der Straßenseite bis auf eine verglaste Pflanzen-Vitrine und die gläserne Haustür komplett geschlossen. Zum Garten ist das Haus an zwei Seiten mit großen Schiebefensterfronten ausgestattet. Diese sind von einem bedachten Umgang umgeben, der als wetterfester Freisitz dient.

Vom Wohnraum hat man den Blick in den Garten und auf die Ems. Der Architekt Joachim Georg Hanke, der in Ostwestfalen Wohnhäuser, Kirchen und Fabrikbauten geschaffen hat, wurde nach eigener Aussage durch Bauten des Architekten Richard Neutra inspiriert. Der aus Wien stammende Neutra war 1923 nach Amerika gezogen und dort Vertretern der klassischen Moderne wie den Kollegen Walter Gropius und Mies van der Rohe begegnet.

Das Haus wurde 1968 nach Plänen des Bielefelder Architekten Joachim Georg Hanke (geb. 1931) gebaut. Den Garten plante das Landschaftsarchitekturbüro Roehse und Fischer aus Gütersloh. Bauherren waren Christine und Leo Lübke, Inhaber der Möbelfabrik Interlübke in Wiedenbrück. »Der gelegene flachgedeckte Stahlbetonbau war nicht nur für das Fachwerkstädtchen Wiedenbrück, sondern auch für ganz Westfalen ungewöhnlich progressiv«, so Pankoke. Er habe der Familie Lübke nicht nur als modernes Domizil, sondern zugleich auch als »Schauraum« für die Möbel ihrer Firma Interlübke gedient.

Den Geschäftspartnern und Kunden, die hier gelegentlich empfangen wurden, präsentierte die Familie die weißgrau lackierten Schrank- und Regalwände und zeigte, wie man sie als raumbildenden Wände und Raumteiler einsetzen kann. Dunkelgebeizte raumhohe Holzpaneele und Türen sorgten im Wohnbereich für einen Kontrast zu den weißen Regalen und zu den Schrankelementen, die man zu sogenannten Endlosschränken kombinieren kann.

Die Böden waren mit hellem Teppichboden bedeckt. Die Villa stand nach dem Tod von Christine Lübke im Jahr 2013 zum Verkauf und wurde unter Denkmalschutz gestellt. Sie wurde 2014 mit Teilen des Inventars versteigert. Weil das Haus für seine Zwecke doch nicht geeignet schien, verkaufte der neue Eigentümer es 2017 weiter an den Enkel des Erbauers. »Das Ausmaß der notwendigen und von Leo Lübke gewünschten Veränderungen war denkbar gering und erfolgte in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Rheda-Wiedenbrück und der LWL-Denkmalpflege«, so Pankoke.

 

Die Eigentümer ertüchtigten den Flachdachbungalow energetisch, indem sie das Dach neu dämmten und die Dacheindeckung erneuerten. Die Aluminiumrahmenfenster erhielten sie und statten sie mit neuen Doppelverglasungen aus. Die Regal- und Schrankwände wurden vor Ort überarbeitet und neu lackiert, zum Teil aber auch erneuert. Der helle Wollteppichboden konnte ebenfalls in der Region nachgefertigt werden. »Er bildet nicht nur einen wichtigen optischen Kontrast, sondern hat auch die Funktion, den Schall im Stahlbetonbau zu schlucken«, so Pankoke.

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Der Enkel des Erbauers hat das Haus, das ein Beispiel für die Klassische Moderne in Ostwestfalen ist, gekauft und hat es mit großem Respekt vor dem Baudenkmal instandsetzen lassen. Das ist ein Glückfall für die Denkmalpflege.

LWL-Denkmalpflegerin Dr. Barbara Pankoke

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Selbst das gut gepflegte Badezimmer mit seinen kleinen quadratischen, weißgrauen Fliesen auf dem Boden und an den Wänden haben die neuen Eigentümer bis auf wenige Details erhalten. Das derzeit nicht mehr benötigte Schwimmbad im Keller wurde überdeckt und die Fläche mit einer eingestellten Leichtbauwand unterteilt, um hier ein weiteres Zimmer einrichten zu können. Das Schwimmbecken könnte aber leicht wieder in Betrieb genommen werden.

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