Fr., 22.02.2019

Tier in Jalousie entdeckt Riesen-Zecke breitet sich aus

Die gefährliche Hyalomma-Zecke ist in Rheda-Wiedenbrück gefunden worden.

Die gefährliche Hyalomma-Zecke ist in Rheda-Wiedenbrück gefunden worden. Foto: Andrea Schnartendorff/Robert Koch-Institut/dpa

Von Hendrik Fahrenwald

Rheda-Wiedenbrück (WB/dpa). Bis zu zwei Zentimeter groß, gestreifte Beine und im schlimmsten Fall tödlich: Die tropische Hyalomma-Zecke hat Deutschland erreicht. Ein Exemplar ist in Rheda-Wiedenbrück entdeckt worden.

Zwischen einer Jalousie war die Zecke eingeklemmt. Sie war bereits tot, als eine Frau aus Rheda-Wiedenbrück im Oktober die tropische Zecke fand. Die Überreste des Tiers schickte sie an das Berliner Robert-Koch-Institut. Dort stellten Dr. Peter Hagedorn und seine Kollegen fest, dass die Zecke zur Gattung Hyalomma gehört. Sie lebt sonst in Afrika, Asien und Südeuropa. Bakterielle Erreger trug sie nicht in sich.

Die Zecke ist in Deutschland kein Einzelfall. 2018 sind laut Robert-Koch-Institut weitere 18 Exemplare entdeckt worden. In einem Tier fanden die Forscher Rickettsia-Bakterien, die das Zecken-Fleckfieber auslösen. Es führt beim Menschen zu Hautveränderungen und Fieber.

Tödliches Fieber

Weit schlimmere Folgen kann das Krim-Kongo-Fieber haben. Es wird ebenfalls von der Hyalomma-Zecke verbreitet. Nach einem Zeckenbiss kann es zu Gesichtsödemen, Gesichts-, Rachen- und Bindehautrötung kommen. Teilweise treten Darm- und Hautblutungen sowie Bluterbrechen auf. Der Tod kann durch das Versagen mehrerer Organe erfolgen.

Doch dieser Virus konnte bisher bei keiner Riesen-Zecke in Deutschland nachgewiesen werden, auch nicht bei dem Exemplar aus Rheda-Wiedenbrück. In diesem Fall konnte eine Virus-Untersuchung allerdings überhaupt nicht durchgeführt werden, weil die Überreste der Zecke zu zerstört waren.

Per Zugvogel gekommen

Wissenschaftler vermuten, dass Hyalomma-Larven oder –Nymphen mit Zugvögeln nach Deutschland gelangen. Und sie könnten bleiben. »Wir gehen davon aus, dass wir mit immer mehr tropischen Zeckenarten in Deutschland rechnen müssen, die sich durch gute Wetterbedingungen hier ansiedeln können«, sagt die Parasitologin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim in Stuttgart. Laut dem Robert-Koch-Institut sei es allerdings unklar, ob die im Winter überlebenden Tiere ausreichen, um langfristig eine eigene Population in Deutschland aufzubauen. Wahrscheinlich ist allerdings, dass sie den Winter überleben werden. Denn die Tiere können Temperaturen bis minus 40 Grad überstehen.

Meist auf Pferden entdeckt

Anders als beim Fund in Rheda-Wiedenbrück sind die meisten dieser Zecken an Pferden gesehen worden. Der Grund: Deren Besitzer kommen den Tiere beim Striegeln sehr nahe und bemerken die Parasiten leicht. Die Hyalomma-Zecke kann an ihrer Größe, sie ist etwa doppelt so groß wie der heimische gemeine Holzbock, oder an ihren charakteristischen gestreifen Beinen erkannt werden. Mit diesen krabbelt sie schnell und aktiv auf ihre Beute zu und jagt ihre Opfer auch mal bis zu 100 Meter weit.

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