So müssen sich Werkvertragsarbeiter in Rheda-Wiedenbrück künftig anmelden
Raus aus der Anonymität

Rheda-Wiedenbrück (WB). Pro Monat kommen bis zu 300 Menschen aus Rumänien, Polen und Bulgarien nach Rheda-Wiedenbrück, um hier zu arbeiten. Sie wohnen in überfüllten Unterkünften, ihre Gesichter hat die Stadt noch nie gesehen. Ein neues Anmeldeverfahren soll ihre Situation nun verbessern.

Samstag, 23.02.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 23.02.2019, 19:36 Uhr
Pro Monat kommen bis zu 300 Menschen aus Rumänien, Polen und Bulgarien nach Rheda-Wiedenbrück, um in der Fleischindustrie zu arbeiten. Ein neues Anmeldeverfahren soll ihre Situation, zum Beispiel in den Unterkünften, verbessern. Foto: dpa
Pro Monat kommen bis zu 300 Menschen aus Rumänien, Polen und Bulgarien nach Rheda-Wiedenbrück, um in der Fleischindustrie zu arbeiten. Ein neues Anmeldeverfahren soll ihre Situation, zum Beispiel in den Unterkünften, verbessern. Foto: dpa

Mehr als 5400 Osteuropäer sind in der Stadt gemeldet.  Die meisten von ihnen kamen ohne Umwege, um für das Fleischwerk Tönnies oder eines seiner Subunternehmen zu arbeiten. Sammelanmeldungen und die direkte Vermittlung von Wohnungen erleichtern den Start für die Arbeiter. Das sorgt aber für eine Reihe von Problemen. Nicht-EU-Bürger versuchen sich mit gefälschten Papieren zu registrieren, Arbeiter wohnen in überfüllten Unterkünften. »Wir haben die Probleme zu spät mitbekommen«, sagt Dr. Georg Robra, Erster Beigeordneter. Das soll sich nun ändern. Ein Handlungskonzept sieht vor, dass die Stadt die Arbeiter von Anfang an begleitet. Dafür ist der Fachbereich Soziales und Bürgerservice neu strukturiert worden.

Wer sind Sie?

Vollkommen neu ist das Clearinggespräch. Noch vor der eigentlichen Anmeldung der Arbeiter werden unter anderem persönliche Daten, Herkunft und Einreise, sowie Angaben zu Familienangehörigen oder der Arbeitssituation nachgefragt. Jede Person, die sich in Rheda-Wiedenbrück anmelden möchte, muss das Clearingverfahren persönlich durchlaufen (siehe Info-Kasten rechts). Arbeiter, die nicht Deutsch sprechen, müssen sich jemanden mitbringen, der für sie übersetzt.

Der Vorteil des Gesprächs: Eine anonyme Anmeldung ist unmöglich. Das Problem von Nicht-EU-Bürgern, die sich mit gefälschten Papieren als EU-Bürger ausgeben, soll in dem persönlichen Gespräch und mit einer Prüfung der Dokumente behoben werden. Auch Sammelanmeldungen gehen somit nicht mehr durch.

Jetzt wird aufgestockt

Das bedeutet allerdings viel Aufwand. »Wir sind zu einer EU-Außengrenze geworden«, beschreibt Robra die Situation. Vier zusätzliche Vollzeitstellen, zwei Pädagogen- und zwei Verwaltungsstellen, sollen neu geschaffen werden. Eine Entscheidung darüber wird am 8. Mai in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Soziales, Migration und Sport getroffen. Das Ziel des Ausbaus: eine bessere Vernetzung der Personen, die für die Aufnahme der Werkvertragsarbeiter verantwortlich sind.

Denn nach dem persönlichen Gespräch folgen weitere Stationen auf die Arbeiter und die Stadtverwaltung. Nur mit einer Bescheinigung der Clearingstelle kann sich eine Personen im Bürgerbüro anmelden. Diese sorgt für die Anmeldung und schickt die Dokumente an die Clearingstelle. Dort muss sich der Arbeiter seine Dokumente persönlich abholen.

Ein WC für sechs Personen

Doch damit nicht genug. Die schon eingeführte Wohnraumkontrolle durch Mitarbeiter der Stadt soll nun nach der Anmeldung erfolgen. Dort, wo 300 Euro nur für ein Bett pro Monat gezahlt werden, sollen die Mindestwohnstandards des »Runden Tisches« eingehalten werden. Beim »Runden Tisch« kommen regelmäßig Vertreter verschiedener Organisationen, aus Rat und Verwaltung und vom Fleischwerk Tönnies zusammen.

Sie haben beschlossen, dass einem Bewohner unter anderem 10 Quadratmeter Nutzfläche zusteht und für jeweils sechs Personen ein WC vorhanden sein muss. Bei Überbelegung oder anderen Missständen droht ein Bußgeld. Insgesamt 300 Objekte für Werkvertragsarbeiter sind gelistet. »Es ist ein Geschäft«, sagt Robra.  Dieses Geschäft ist zum Teil illegal. Denn nicht nur Wohnhäuser werden zur Vermietung angeboten, auch Gewerbeimmobilien oder Kellerräume.

Trotz bis zu 600 Ab-, An- und Ummeldungen im Monat gebe es kein großes Kommen und Gehen von Werkvertragsarbeitern, sagt Robra: »Sie haben keine Spargelstecher-Mentalität«. Das heißt, die Arbeiter bleiben nicht nur ein paar Monate in der Stadt.

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