Mobile Retter sind erfolgreich: Projekt wissenschaftlich ausgewertet
Doppelt schnell, doppelt gut

Gütersloh (WB). Es ist schon ein Kraftakt gewesen, das Smartphone-basierte Ersthelfer-System Mobile Retter auf den Weg zu bringen. Es bauchte kluge Köpfe, finanzielle Mittel und natürlich Menschen, die Ersthelfer sein wollen. Schön, wenn es 50 Monate später heißt: Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass das Projekt erfolgreich ist.

Donnerstag, 09.05.2019, 15:15 Uhr aktualisiert: 09.05.2019, 15:30 Uhr
Eine App, die Leben rettet: Die Mobilen Retter werden über ihr Smartphone alarmiert, wenn es einen Notfall gibt. Sie können im Durchschnitt in vier Minuten beim Patienten sein, der Rettungswagen in etwa sieben Minuten. Foto: Mobile Retter e.V./Stefan Prasse
Eine App, die Leben rettet: Die Mobilen Retter werden über ihr Smartphone alarmiert, wenn es einen Notfall gibt. Sie können im Durchschnitt in vier Minuten beim Patienten sein, der Rettungswagen in etwa sieben Minuten. Foto: Mobile Retter e.V./Stefan Prasse

Das erklärte nun in einem Gespräch Bernd Strickmann, der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes und Hauptverantwortliche für die Studie, die er mit einer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe und Hilfe des Deutschen Reanimationsregisters ausgewertet hat. Was erstmal nur Zahlen sind, sind am Ende in diesem Fall Menschenleben.

Mobiler Retter kann in vier Minuten da sein

886 Reanimationsfälle, bei 37.286 Einsätzen insgesamt, hat Strickmann untersucht. Denn um die Reanimation geht es schließlich vor Ort, wenn ein Ersthelfer eingreifen soll. Um den plötzlichen Herztod zu verhindern und das Gehirn weiter mit Sauerstoff zu versorgen, ist diese Maßnahme unumgänglich. Ein herbeigerufener Rettungswagen benötigt im Schnitt sieben Minuten im Kreis Gütersloh bis zum Patienten – ein Mobiler Retter kann schon in vier Minuten da sein. »Teilweise waren auch Ersthelfer in nur einer Minute beim Opfer, weil sie gerade in der Nachbarschaft waren«, erklärt Strickmann.

Denn die App funktioniert über eine Ortung – wer registriert und in der Nähe eines Patienten ist, der gerade den Notruf gewählt hat, der wird von der Kreisleitstelle über die App angefunkt. Und kann schnell handeln.

Wenn Mobile Retter vor dem Rettungsdienst am Einsatzort waren, wurden später 13 Prozent der Patienten in einem guten Zustand aus dem Krankenhaus entlassen

Bernd Strickmann

Dieses schnelle Handeln hat zum Erfolg des Projektes geführt: Von den 886 Reanimationsfällen zwischen Oktober 2013 und 2017 wurden 398 Patienten nach der Wiederbelebung in 17 verschiedene Krankenhäuser transportiert. 83 Prozent dieser Fälle konnte Bernd Strickmann auswerten. »Wenn Mobile Retter vor dem Rettungsdienst am Einsatzort waren, wurden später 13 Prozent der Patienten in einem guten Zustand aus dem Krankenhaus entlassen«, berichtet Strickmann, dass es doppelt so viele Menschen sind, wie die, bei denen der Rettungswagen Ersthilfe geleistet hat. »Es geht hier wirklich um Sekunden«, fügt der Fachmann hinzu.

12.000 Euro werden jährlich investiert

Das unterstreicht auch Thomas Kuhlbusch, Dezernent Gesundheit, Ordnung und Recht des Kreises. Um in der Eile auch fachlich richtig handeln zu können, werden die Mobilen Retter nach ihrer Registrierung erstmal geschult«, sagt Kuhlbusch, dass es dem Kreis, der immerhin jährlich 12.000 Euro in das Projekt investiert, wichtig ist, dass die Ersthelfer wissen, was zu tun ist. Sogar mit Hilfe von Laienhelfern, die über die Leitstelle per Telefon angeleitet werden, können zehn Prozent der Patienten geheilt entlassen werden. Bundesweit gibt es 15.000 registrierte Mobile Retter. In Gütersloh sind es 700. Unter www.mobile-retter.de/mitmachen kann man sich online anmelden.

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