Do., 11.07.2019

Geschichtsfest-Vortrag von Clemens Tönnies stößt auf großes Interesse »Versprechen ist ein Vertrag«

Erinnerung an einen großen Moment in der Unternehmensgeschichte: Dr. Ernst Albien (links) überreicht Gastredner Clemens Tönnies als Dankeschön ein Schwarzweiß-Foto von der Grundsteinlegung des Rhedaer Fleischwerkes.

Erinnerung an einen großen Moment in der Unternehmensgeschichte: Dr. Ernst Albien (links) überreicht Gastredner Clemens Tönnies als Dankeschön ein Schwarzweiß-Foto von der Grundsteinlegung des Rhedaer Fleischwerkes. Foto: Tim Bergheim

Von Tim Bergheim

Rheda-Wiedenbrück (WB). Die Aussicht, die Erfolgsgeschichte des Tönnies-Fleischwerks aus erster Hand zu hören, sorgte für ein rappelvolles Haus. Wohl noch nie ist der Heimatverein Rheda mit einem Vortrag zum Auftakt des Geschichtsfestes auf ein solches Interesse gestoßen.

Der Domhof platzte beim Abend »Es geht um die Wurst« jedenfalls aus allen Nähten, als Fleisch-Unternehmer Clemens Tönnies auf seine Anfänge zurück blickte. Da war der bekennende »Rhedaer Junge« in seinem Element und nahm seine Zuhörer mit in die Kleine Straße in Rhedas Altstadt, wo in der bescheidenen elterlichen Metzgerei die beruflichen Wurzeln liegen.

Tolle Kindheit

Clemens Tönnies war bei der Schilderung seiner »tollen Kindheit« ganz nahe bei »seinen Rhedaern«, von denen er viele persönlich ansprach. Mit der Beschreibung des stetigen Wachstums des mit seinem vier Jahre älteren Bruder Bernd aufgebauten Unternehmens stand da aber nicht mehr der Junge aus der ehemaligen Nachbarschaft. Da sprach der heute 63-jährige gestandene Mann, dem »die liebe Liz« (gemeint war Bertelsmann-Patriarchin Mohn) mal die Bertelsmann-Repräsentanz in Berlin überlässt, um mit Kapazitäten aus aller Welt etwa über das Thema »Tierwohl« zu konferieren. Längst lag der Fokus da auf dem zweiten Teil des Eingangs-Statements: »Tönnies – lokal verwurzelt, weltweit aktiv«.

Väterliche Prinzipien

Und doch reicht die lokale Verwurzelung bis in die Gegenwart, so der Unternehmer. Denn die drei Grundprinzipien seines Vaters gelten auch für den Fleisch-Multi: Tiere, die man schlachtet, sollen so human wie möglich getötet werden. Wer gute Wurst machen will, muss selber schlachten. Ein Versprechen ist ein Vertrag. Und auch ein weiterer Grundsatz der Eltern gilt für ihn noch heute: »Du sollst nur das verkaufen, was du mit Appetit selber isst«.

Hauptlieferant für Burger

Weil es »beim Fleisch auch um den Genuss geht«, greift er dann doch eher bei Mc Donald’s zum Burger: Schließlich ist Tönnies Hauptlieferant der »Patties« genannten Fleischklopse zwischen den Brötchenhälften. Weiter ging die Faktenschau zu den 14.000 landwirtschaftlichen Betrieben, das Unternehmen Tönnies mit Schweinen beliefern. Wenn das Unternehmen heute bereits 52 Prozent seines Umsatzes mit dem Export tätigt, geschehe das auch mit dem Blick auf diese Zulieferer: »Wir brauchen den Export, um den Landwirten eine gleichmäßige Abnahme garantieren zu können«.

Neue Haltungsformen

Bei einem Ausflug zum neuen »Tierwohl«-Label kam Tönnies auf den »tollen Landwirt« Christoph Bühlmeyer zu sprechen, mit dem das Unternehmen Tönnies auf dessen Hof auf der Marburg eine neue, zukunftsweisende Form der Schweinehaltung entwickele. Ein Zuhörer fragte nach dem Thema »Subunternehmer«. Die braucht das Unternehmen, wie Tönnies freimütig bekannte. Gut 6300 Mitarbeiter gibt es am Stammsitz Rheda. 3.300 sind fest angestellt, 3000 sind Werkvertragsarbeiter. »Und wenn es diese 3000 nicht gäbe, dann gäbe es die anderen 3300 auch nicht«.

Demonstration auf dem Vorplatz

Mit dem Fahrrad war Tönnies zu dem Vortrag geradelt, wo er im schneidigen Tempo an Demonstranten auf dem Vorplatz vorbei sauste. Dort nahm das »Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung« auf Spruchbändern die Massentierhaltung und deren Folgen für Tier und Natur in den Fokus. Kaum jemand suchte das Gespräch mit den Demonstranten. Einige wenige ließen sich zumindest ein Flugblatt in die Hand drücken, aus dem sie dann entnehmen konnten, »dass die Nutztier-Industrie einer der größten Verursacher der Klimakatastrophe ist und zugleich wie kaum eine andere Branche für die Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur steht«.

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