So., 14.07.2019

Rheda-Wiedenbrück: Duo zieht mit Fugenkratzer und Sauger los Wiedenbrück wird kippenfrei

Hans Schalück (links) und Hubert Rüthschilling sind die Zigarettenstummel im Pflaster Wiedenbrücks ein Dorn im Auge. Nach dem Motto »Machen statt reden« packen sie das Problem jetzt einfach selbst an.

Hans Schalück (links) und Hubert Rüthschilling sind die Zigarettenstummel im Pflaster Wiedenbrücks ein Dorn im Auge. Nach dem Motto »Machen statt reden« packen sie das Problem jetzt einfach selbst an. Foto: Wilhelm Dick

Von Wilhelm Dick

Rheda-Wiedenbrück (WB). Wenn die Beiden für jeden weggeworfenen Glimmstengel auch nur zehn Cent erhielten, wären sie bald reiche Männer. Doch wenn Hans Schalück und Hubert Rüthschilling demnächst den unzähligen Kippen in den Pflasterfugen zu Leibe rücken, ist ihre Motivation eine ganz andere.

»Wir tun dies aus Liebe zu unserem schönen Ortsteil«, erklären der 78-Jährige und der 71-Jährige im Brustton der Überzeugung. »Und um mehr Umweltbewusstsein zu wecken«, ergänzt Schalück, wohlwissend dass Zigarettenfilter hochtoxisch sind. »Und wenn die so achtlos weggeworfen werden, vergiften sie nach und nach das Grundwasser, eine Kippe verschmutzt 60 Liter Wasser«, weiß der Mann, der 1972 zu den Gründungsmitgliedern der Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (GNU) zählte.

Eigentlich ist die Aktion »Wiedenbrück wird kippenfrei« aus einer launigen Kaffee-Runde heraus entstanden. Da hatten die beiden Wiedenbrücker überlegt, ob sie nicht aktiv werden könnten, um die vielen Löcher im historischen Kleinpflaster wieder zu schließen. Von da zu den Kippen in den Pflasterfugen war es nur ein Gedankenblitz. »Und davon gibt es Unzählige in Wiedenbrück«. Nicht selten, dass die Beiden »gut 100 Kippen auf einem Quadratmeter« gezählt haben. Besonders vor den Eingängen der Geldinstitute ist das Duo auf einen massiven Kippen-Befall gestoßen.

Machen statt reden

Und so haben sich Schalück und Rüthschilling denn auch das Pflaster vor der Volksbank am Markt auserkoren, um der Öffentlichkeit ihre Mission vorzustellen. In weiße T-Shirts mit dem Aufdruck »machen statt reden« gewandet, sind sie mit ihrem Bollerwagen losgezogen, einen japanischen Hochleistungs-Rucksack-Sauger samt Reserve-Akkus sowie einen Fugenkratzer dabei. Und der ist bei ihrer Arbeit unabdingbar: »Ältere Kippen haben sich derart festgefressen, dass der Sauger allein machtlos ist«.

Wenigstens im 14-Tage-Rhythmus will das Duo künftig losziehen, um Wiedenbrück stückweise vom gelben Unrat zu befreien. Und die Beiden hoffen, dass sie mit ihrem Anliegen nicht allein bleiben. Mitstreiter sind jedenfalls hochwillkommen.

Von der Idee angetan war als Erster Franz-Josef Sievers, der dem Duo für den Super-Sauger einen Sonderpreis machte. Mit dem Zusatz: »Dann kommt ihr aber auch mal nach Rheda, um auch dort aktiv zu werden«. Die Beiden hätten im Prinzip nichts gegen den anderen Ortsteil, sehen ihre Mission aber zunächst auf Wiedenbrück beschränkt.

Umwandlung in Aschenbecher

Wer nun denkt, dass die aufgesaugten Kippen einfach in die nächste Mülltonen wandern, verkennt die weiter reichende Intention des Duos. Schalück hat im Internet recherchiert und ist auf die Kölner Initiative »Tobacycle« gestoßen. Die verspricht einen »geschlossenen Wertstoffkreislauf«. Die gesammelten Kippen werden in einem aufwendigen Verfahren zu einem spritzfähigen Granulat. Alle damit erstellten Produkte, unter anderem Aschenbecher (!), können problemlos in die weitere Verwertung gegeben werden, so das Versprechen der Initiative.

Tobacycle geht von 4300 Milliarden Zigarettenkippen aus, die pro Jahr weltweit anfallen. Demnach landen 80 Prozent davon in der Umwelt, wo sie schon bei einem kleinen Regenschauer beginnen, das Grundwasser zu vergiften. Doch auch die 20 Prozent »ordnungsgemäß« im Restmüll entsorgten Kippen sind problematisch: Auf Deponien vergiften sie das Sickerwasser und in Verbrennungsanlagen gelangen ihre Giftstoffe in die Abluft. Gründe genug für die Raucher, achtsamer mit diesen Resten umzugehen.

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