Di., 30.07.2019

Streit über Themen wie Tierwohl und Werkverträge beim Rheda-Wiedenbrücker Fleischkonzern Wer hat die Macht bei Tönnies?

Da herrschte noch gute Laune, der Streit schien mit einer außergerichtlichen Einigung beigelegt (von links): Maximilian Tönnies, sein Vater Clemens Tönnies und Robert Tönnies – der Sohn und Erbe des gestorbenen Firmengründers Bernd Tönnies.

Da herrschte noch gute Laune, der Streit schien mit einer außergerichtlichen Einigung beigelegt (von links): Maximilian Tönnies, sein Vater Clemens Tönnies und Robert Tönnies – der Sohn und Erbe des gestorbenen Firmengründers Bernd Tönnies. Foto: Oliver Schwabe

Von Paul Edgar Fels

Rheda-Wiedenbrück  (WB). Eigentlich schien der jahrelange Dauerstreit mit etlichen Gerichtsprozessen zwischen Clemens Tönnies und seinem Neffen Robert 2017 beigelegt. Doch hinter den Kulissen gärte es weiter. Nun platzt Robert Tönnies der Kragen. Der 41-Jährige drängt, wie berichtet, auf den Verkauf der gesamten Gruppe und hat dafür eine Schiedsklage eingereicht.

Damit geht Deutschlands wohl bedeutendster Gesellschafter-Streit um die Macht bei Tönnies mit einem Umsatz von zuletzt 6,65 Milliarden Euro in eine neue, vielleicht finale Runde. Zuletzt waren mehr als 20 Rechtsstreitigkeiten vor Gerichten verhandelt worden. Am Ende stand eine »Vereinbarung zur Neuordnung der Tönnies-Gruppe und Beilegung der Rechtsstreitigkeiten« – kurz Rahmenvereinbarung.

Von beiden Familienstämmen gestellte Geschäftsführer und eine neue Beiratslösung sollten Konflikte und Streitfragen bereits im Vorfeld verhindern. Im Zuge der neuen Governance sei das Prinzip der »gleichen Teilhabe beider Gesellschafterstämme« festgeschrieben worden – wie sich bald aber herausstellen sollte nur in der Theorie, wie es in der Klage von Robert Tönnies heißt.

»Klassische Spekulationsgeschäfte«

Robert Tönnies war vor allem das Thema Nachhaltigkeit wichtig, ebenso die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter mit Werkverträgen sowie das Tierwohl. Die in der Rahmenvereinbarung festgelegten Unternehmensleitsätze hätte Clemens Tönnies aber, so der Vorwurf, »nach Kräften« verhindert.

Gerade die Themen Werkverträge und Tierwohl seien wesentliche Ursachen der ständig zunehmenden Eskalation gewesen. Robert Tönnies habe einen Etat von drei Millionen Euro durchgesetzt, um an einer möglichst schonenden Schlachtung zu forschen. Die drei Millionen Euro sollten ein »Gegengewicht« zu Clemens Tönnies jährlichem Nettoverdienst von fünf Millionen Euro sein. Doch schon die Anstellung eines Geschäftsführers der Tönnies-Forschung scheiterte, weil Clemens Tönnies die Zahlung des Gehaltes von 60.000 Euro jährlich verweigert habe.

Die nächste Eskalationsstufe habe es Mitte 2018 gegeben. Robert Tönnies erfuhr, dass die Gruppe aus spekulativen Finanzinstrumenten und Währungsgeschäften für einen Gesamtbetrag von einer Milliarde Dollar das Währungsrisiko trug. Robert kritisiert diese »klassischen Spekulationsgeschäfte«.

Rahmenvertrag gebrochen?

Ferner ärgert sich Robert Tönnies, dass er die ihm zustehenden Entnahmen weiter vorenthalten würden. Sie beliefen sich auf mittlerweile 30 Millionen Euro. Darunter seien auch die 20 Millionen Euro, die Clemens Tönnies dem schwer erkrankten Bruder von Robert Tönnies schuldet. Der Bruder hatte seine Anteile an Tönnies damals verkauft. Mit der Weigerung der Zahlung sei der Rahmenvertrag ein weiteres Mal gebrochen worden. Robert Tönnies: »Bei der Einigung haben wir für den Fall, dass es zwischen meinem Onkel und mir nicht funktioniert, einen Mechanismus der Trennung vereinbart. Von dieser Vertragsklausel möchte mein Onkel nun nichts mehr wissen. Ich finde, man darf zerstrittene Familienunternehmen nicht ›im Streit‹ lassen.«

Auf einen solchen Trennungsmechanismus hätten beide Seiten damals großen Wert gelegt. »Genauso wie mein Onkel bin ich natürlich daran interessiert, das Unternehmen nach meinen Vorstellungen zu gestalten. Ob ich zum Zuge komme, soll durch den Trennungsmechanismus in fairer Art und Weise ermittelt werden.«

Die von der Düsseldorfer Kanzlei Rellermeyer & Partner formulierte Klage soll vor einer privaten Schiedsstelle verhandelt werden. Als Schiedsrichter benennt Robert Tönnies den Münchner Rechtsanwalt Laurenz Schmitt. Zudem sollen dem Verfahren zwei weitere Schiedsrichter angehören. Das Schiedsverfahren solle in Rheda-Wiedenbrück stattfinden.

Mit dem Schlachten von Schweinen und Rindern macht Tönnies einen Umsatz von fast sieben Milliarden Euro. Foto: dpa

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