Di., 06.08.2019

Was Menschen in Gütersloh und Rheda-Wiedenbrück jetzt von Clemens Tönnies halten Zwischen Schock und Genervtheit

Am öffentlichen Pranger: Clemens Tönnies, Unternehmer und Sportfunktionär aus Rheda-Wiedenbrück, hat sich mit seiner umstrittenen Aussage so richtig in die Nesseln gesetzt.

Am öffentlichen Pranger: Clemens Tönnies, Unternehmer und Sportfunktionär aus Rheda-Wiedenbrück, hat sich mit seiner umstrittenen Aussage so richtig in die Nesseln gesetzt. Foto: dpa

Gütersloh (WB). Ist ihm da auf Libori nur ein unbedachter, launiger Spruch herausgerutscht? Oder hat Rheda-Wiedenbrücks Schlacht-Unternehmer und Sportfunktionär Clemens Tönnies sein rassistisches Weltbild offenbart? Die sinngemäße Aussage, auf dem afrikanischen Kontinent würden bei Dunkelheit zu viele »Kinder produziert« , polarisiert auch in Gütersloh sowie in seiner Heimatstadt Rheda-Wiedenbrück die Menschen. WESTFALEN-BLATT-Redakteur Carsten Borgmeier hat sich umgehört.

Jennifer Gierse (33), Restaurant-Fachfrau

»Von einem Geschäftsmann mit solcher Verantwortung hätte ich so etwas nicht erwartet. Zumal er in seinem Unternehmen auf viele ausländische Arbeitskräfte angewiesen ist. Der Proteststurm aber ist übertrieben.«

Hans-Werner Küster (68), Ex-Gymnasiallehrer

»Genauso problematisch wie die Aussage des Herrn Tönnies finde ich die Reaktion des Publikums: Es applaudierte. Trotzdem muss es nach der Entschuldigung auch gut sein. Wir sollten die Kirche im Dorf lassen.«

Soner Dayangan (40), Fußball-Trainer

»Ich bin baff, schockiert und fühle mich beleidigt. Von einem Schalker und Sportsfreund hätte ich eine solche Aussage nicht erwartet. Einige seiner Spieler bei Schalke stammen aus Afrika, geben alles für den Verein.«

Harald Purzer (66), Rentner aus Gütersloh

»So eine Aussage geht überhaupt nicht. Ich halte sie für rassistisch und sie offenbart seine Weltsicht. Deshalb bin ich der Ansicht, dass Clemens Tönnies von allen Ämtern und Posten zurücktreten sollte.«

Theo Mettenborg (47), Bürgermeister von Rheda-Wiedenbrück

»Die angesprochene Formulierung des Herrn Tönnies ist unangebracht. Ich meine aber auch, dass die Entschuldigung dazu und das Eingestehen eines Fehlers respektiert werden sollten.«

Ischo Can (37), CDU-Stadtverband

»Das war total bescheuert und inhaltlich unterste Schublade. Dennoch wird das Thema öffentlich zu stark dramatisiert. Jedem rutscht doch mal ein blöder Satz heraus, besonders in lockerer Atmosphäre.«

Tayfun Avan (28), Bäcker und Fußballer

»Ich bin schockiert. Was Tönnies gesagt hat, das geht echt gar nicht. Es ist arrogant. In Afrika verhungern und verdursten täglich viele Menschen. Tönnies wäre jetzt gut beraten, würde er dort Brunnen bauen.«

Carla Egger (19), Studentin

»Ich bin sprachlos. Wie kann man als Chef zig Tausend Beschäftigter, darunter viele Migranten, so etwas Primitives sagen? Wer so einen Spruch macht, kann eigentlich nicht ganz bei klarem Verstand sein.«

Michael Meyer zu Erpern, Einzelhändler in Gütersloh

»In Deutschland gibt es die Meinungsfreiheit. Deshalb verstehe ich nicht, warum Tönnies jetzt medial so rund gemacht wird. Er hat sich entschuldigt, damit muss es auch gut sein. Jedem rutscht mal was raus.

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