Do., 08.08.2019

Schalker Aufsichtsrat beschlussfähig – Überlegungen zu Hilfe in Afrika Wie geht es weiter?

Clemens Tönnies hat sich nicht beliebt gemacht auf Schalke.

Clemens Tönnies hat sich nicht beliebt gemacht auf Schalke. Foto: dpa

Gelsenkirchen (WB/dpa/OH). Der Fall Clemens Tönnies beschert dem Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 weiter unliebsame Schlagzeilen. Auch der Versuch des Ehrenrates, die Wogen zu glätten, konnte daran nichts ändern. Wie geht es jetzt weiter?

Der Aufsichtsrat ist auch ohne den 63-Jährigen voll handlungsfähig. Ohne Tönnies sind es zehn stimmberechtigte Mitglieder – sechs reichen, um beschlussfähig zu sein. In den kommenden drei Monaten übernimmt Vize Jens Buchta (56/Rechtsanwalt aus Kaarst) den Vorsitz.

Wie sieht die angekündigte Wiedergutmachung aus?

Offen bleibt, wie die von Tönnies im Zuge seiner Entschuldigung angekündigte Wiedergutmachung aussehen soll. Eine kurzfristige Unterstützung konkreter Projekte in Afrika soll es nicht geben – auch, um nicht den Anschein zu erwecken, sich freikaufen zu wollen, heißt es im Umfeld des Unternehmers. Afrika hat Tönnies mehrfach bereist – unter anderem nach seinem 60. Geburtstag im Jahr 2016 für mehrere Wochen mit einem speziell ausgestatteten Fahrzeug. Aber auch als passionierter Jäger war er schon auf Safari auf dem Kontinent.

Austausch mit Gerd Müller

Im Zusammenhang mit den Reisen lotete der Fleischunternehmer auch die Chancen eines geschäftlichen Engagements aus. Mit Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) tauschte sich Tönnies dem Vernehmen nach mehrfach über Möglichkeiten aus, um Infrastruktur und Versorgung mit Lebensmitteln in Afrika zu verbessern.

Der Export von Fleisch aus Europa sei dabei kein Thema, heißt es. Es gehe um die Frage, ob eine Fleischproduktion vor Ort nachhaltig und langfristig möglich ist. Aus dem Umfeld heißt es nun, dass sich der Unternehmer mit seinen Kontakten in Politik und Wirtschaft dafür einsetzen könnte, entsprechende Projekte voranzutreiben. Auf diese Weise könnten seinen Worten – »Das werde ich wieder gutmachen« – Taten folgen.

Afrikabeauftragte der Kanzlerin fordert ehrliche Debatte

Der persönliche Afrikabeauftragte von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Günter Nooke (CDU), forderte am Mittwoch nach der Kritik an den Äußerungen des Schalke-Aufsichtsratschef eine ehrliche Debatte zu diesem Thema. »Die von Tönnies angesprochenen Probleme wie das Verschwinden des Regenwalds und das Bevölkerungswachstum auf dem afrikanischen Kontinent sind real und darüber muss gesprochen und gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden«, sagte Nooke dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch). »Leider erschweren Sätze wie die von Herrn Tönnies jede konstruktive Diskussion . Wir müssen uns alle um eine angemessene Sprache bemühen. Jeder sollte sich mit Respekt behandelt fühlen«, hatte Nooke vor der Sitzung des Schalker Ehrenrates am Dienstagabend gesagt.

Möglichkeit, den Rückzug in Ruhe zu regeln?

Die lange Dauer der Sitzung des Ehrenrats bis tief in die Nacht hatte darauf hingedeutet, wie schwer allen Beteiligten die Suche nach Wegen aus dem Dilemma gefallen sein dürfte. Der öffentliche Druck war fast täglich gestiegen. Einige Beobachter werteten am Mittwoch den Beschluss des Revierklubs auch als Versuch, Zeit zu gewinnen. Demnach soll Tönnies mit dem dreimonatigen Ausstieg die Möglichkeit gegeben werden, seinen Rückzug mit mehr Ruhe zu regeln. Zudem bliebe den Schalkern mehr Zeit, einen Nachfolger zu finden.

Am 15. August tagt die DFB-Ethikkommission

Spannend wird, wie die DFB-Ethikkommission die Aussagen des Schalkers einschätzt. Deren Vorsitzender Nikolaus Schneider bestätigte am Mittwoch, dass der Fall weiterhin auf der Agenda für die nächste Sitzung am 15. August stehe. Die Kommissionsmitglieder könnten aber auch zügig entscheiden, das Thema für sich zu den Akten zu legen. Das dreiköpfige Gremium des Verbandes kann selbst kein Urteil fällen, aber Anklage erheben, über die dann die DFB-Gerichtsbarkeit entscheiden muss.

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