Sa., 07.09.2019

Ex-Geschäftsführer Quante klagt gegen seine fristlose Entlassung Neuer Streit bei Tönnies

Der Sitz des Fleischkonzerns Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Der seit Jahren immer wieder neu aufflammende Streit zwischen den beiden Gesellschaftern Clemens Tönnies (63/kl. Foto, links) und Robert Tönnies (41) zieht Stellvertreterkriege nach sich.

Der Sitz des Fleischkonzerns Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Der seit Jahren immer wieder neu aufflammende Streit zwischen den beiden Gesellschaftern Clemens Tönnies (63/kl. Foto, links) und Robert Tönnies (41) zieht Stellvertreterkriege nach sich. Foto: Oliver Schwabe

Von Oliver Horst

Bielefeld/Rheda-Wiedenbrück (WB). Der Familienstreit an der Spitze des Rheda-Wiedenbrücker Fleischkonzerns Tönnies zieht weiter Kreise. Wie ein Stellvertreterkrieg erscheint die am Freitag verhandelte Klage des vor einem Jahr fristlos gekündigten Geschäftsführers Reinhard Quante (56).

Der Konzernbeirat beschloss am 24. September 2018 mit 4:3 Stimmen die sofortige Trennung vom Finanzvorstand. Als Grund wurde ein »Vertrauensbruch« genannt. Quante soll vertrauliche Unterlagen an Dritte weitergegeben haben. Er klagt am Landgericht Bielefeld gegen den Konzern auf Zahlung seiner seither ausgesetzten Bezüge des Dreijahresvertrags.

Intern kam es schnell wieder zu Querelen

Zum Hintergrund: Konzernlenker Clemens Tönnies (63) und sein Neffe Robert (41) hatten sich als die zwei 50-Prozent-Gesellschafter im April 2017 nach jahrelangem Rechtsstreit außergerichtlich auf einen Friedensvertrag verständigt . Dieser sah unter anderem jeweils zwei Geschäftsführer jeder Seite bei der Konzernmutter vor. Robert Tönnies verzichtete darauf, selbst einen der Posten einzunehmen. Er setzte im November 2017 Quante sowie Andres Ruff (58) ein. Auf der anderen Seite besetzen Clemens Tönnies sowie dessen Schwager Daniel Nottbrock (43) wie zuvor die Spitzenämter. Doch allen öffentlichen Beteuerungen zum Trotz kam es intern schnell wieder zu Querelen, wie auch bei der Verhandlung am Landgericht deutlich wurde.

Die Tönnies-Geschäftsführer Andres Ruff (links) und Daniel Nottbrock im Gericht. Foto: Oliver Horst

In einer Auseinandersetzung spielte Quante eine zentrale Rolle. Zum Wiedersehen mit Ruff und Nottbrock gaben sich die früheren Kollegen am Freitag im Gerichtssaal die Hände. In der Verhandlung wurde deutlich, dass Robert Tönnies die mit Risiken verbundenen Währungsabsicherungsgeschäfte des Konzerns, die Finanzchef Nottbrock verantwortet, schon länger ein Dorn im Auge sind. Im Sommer 2018 gerieten die Erträge bei Tönnies unter Druck, schilderte Quante. Dem Beirat sei damals mitgeteilt worden, dass auch eine Verletzung der Vereinbarungen mit Kreditgebern drohe.

Gespräche wegen fehlender Transparenz

In dieser Gemengelage habe sich Quante die Konsortialkreditverträge besorgt und offenbar auf Bitten von Robert Tönnies auch dem Gesellschafter zugeleitet. Die Unterlagen gelangten auch an das Bankhaus Warburg, das Robert Tönnies in privaten Vermögensangelegenheiten betreut.

Reinhard Quante (rechts) mit seinem Rechtsanwalt Marc Repey. Foto: Oliver Horst

Quante führte bei drei Terminen zwischen Juni und September Gespräche mit der Bank. »Fehlende Transparenz der Währungsgeschäfte« seien der Anlass gewesen, sagte Quante vor Gericht. Ziel sei eine Entflechtung des Risikos der Währungsgeschäfte vom eigentlichen Kerngeschäft gewesen. Der dritte Termin fand bei und mit Robert Tönnies statt. Auch Ruff nahm daran teil. Dabei soll es auch um Reaktionen von Kreditgebern bei möglichen Verstößen gegangen sein.

Das Bankhaus Warburg habe einseitig Vertraulichkeit zugesagt, erklärte Quante. Vor Gericht erklärte er zunächst, dass er das Schriftstück vor Augen habe, das an Tönnies gegangen sei. Dann sagte Quante, er habe das Dokument selbst entgegengenommen.

Keine Einigung: Landgericht entscheidet über Rechtmäßigkeit

Finanzvorstand Nottbrock entgegnete, dass er eine Zusammenarbeit mit Warburg kategorisch ablehnte. Auch Clemens Tönnies habe dies Quante schon zuvor deutlich gesagt – wörtlich: »Die kommen mir nicht auf den Hof.« Denn Warburg sei schon im früheren Streit von dessen Neffen eingeschaltet worden, um dem Onkel einen Anteilsverkauf vorzuschlagen und den Deal abzuwickeln. Der lehnte erzürnt ab.

Nottbrock stellte vor Gericht fest, dass ein im Juni 2018 vorgelegtes Gutachten der Beraterfirma PWC die Währungsgeschäfte transparent gemacht und auch Gewinne daraus bestätigt habe. Auch habe der Konzern das Gesamtjahr 2018 trotz der zwischenzeitlichen Schwierigkeiten erfolgreich abgeschlossen.

Als Clemens Tönnies im September 2018 von den Vorgängen erfuhr, stellte er Quante zur Rede. Er fragte, ob dieser Dritten die Kreditverträge zur Verfügung gestellt habe. Dies habe Quante zunächst verneint. Ein weiteres Gespräch mit Ruff habe aber ergeben, dass Warburg die Verträge kennt und es Treffen gegeben habe. Clemens Tönnies bezichtigte Quante daraufhin der Lüge und trieb dessen Abberufung voran.

Weil sich beide Seiten auch am Freitag nicht auf eine außergerichtliche Lösung einigen konnten, wird das Landgericht über die Rechtmäßigkeit der Kündigung und eine mögliche Zahlung an den Kläger entscheiden. Dazu wird wahrscheinlich ein separater Verkündungstermin angesetzt.

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