Mo., 21.10.2019

Aktivisten legen Betrieb von Tönnies-Tochter R. Thomsen lahm Schlachthof besetzt

Polizisten haben die Aktivisten aus dem Werk geholt.

Polizisten haben die Aktivisten aus dem Werk geholt.

Von Paul Edgar Fels

Kellinghusen/Rheda-Wiedenbrück (WB). Etwa 20 schwarz gekleidete und vermummte Aktivisten haben am Montag früh gegen 4 Uhr den zur Tönnies-Gruppe gehörenden Schlachthof R. Thomsen (70 Mitarbeiter) in Kellinghusen in Schleswig-Holstein besetzt und den Betrieb lahm gelegt.

Erst gegen 16 Uhr gelang es einem Sondereinsatzkommando (SEK) der Polizei, alle Eindringliche wieder aus dem Werk zu holen. Über Schäden oder Verletzte wurde zunächst nichts bekannt. Die Firmenleitung bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück ist entsetzt und schockiert. »Mir ist nicht bekannt, dass es in Deutschland schon einmal so eine Besetzung eines Schlachthofes gegeben hat«, sagte Tönnies-Sprecher André Vielstädte.

Nach Angaben der Polizeidirektion Itzehoe hatten sich einige Besetzer auf dem Dach der Schlachterei begeben, andere hatten sich am Außenzaun angekettet. Weitere Demonstranten befanden sich außerhalb des Geländes. Ferner seien Rauchbomben gezündet worden, berichtete Vielstädte. Den etwa 40 Mitarbeitern zu diesem Zeitpunkt (die Frühschicht lief gerade an) sei es gelungen, vom Gelände zu flüchten.

Über die Hintergründe der Besetzung informierten die Aktivisten im Internet auf der Seite de.indymedia.org und dem Hashtag #teardowntoennies. »Zumindest heute werden keine Tiere mehr getötet«, heißt es dort. Die Aktivisten kämpfen eigenen Angaben zufolge »für die Befreiung von Tieren, gegen die Zerstörung von Ökosystemen und des Klimas und für Arbeiter*innenrechte in dieser unbeliebten Branche.« Auf einem Flugblatt war die Rede davon, dass in dem Betrieb täglich »circa 6000 Schweine ermordet« würden.

Tönnies-Sprecher André Vielstädte sprach am Montag von einer »nicht akzeptablen« Aktion. »Hier wurde eine Grenze überschritten. Die Aktion entbehrt jeglicher Rechtsstaatlichkeit.« Das Unternehmen werde Strafanzeige stellen. Entsetzt sei Tönnies aber auch über das Verhalten der Gütersloher Linken-Politikern Camila Cirlina, die Vielstädte zufolge die Aktion per Twitter unterstützt habe.

Medienberichten zufolge hatten Aktivisten der Tierrechtsorganisation »Animal save« bereits am Samstag eine Mahnwache vor dem Schlachthof in Kellinghusen abgehalten. Sie berichteten von einem Blut-Wassergemisch, das aus dem Schlachtgebäude über den Parkplatz ins Erdreich und in ein Siel gelaufen sei. Per Video wurde dies dokumentiert.

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