Drei Monate lang keine Schalke-Heimspiele besucht
Zeit zum Nachdenken: Tönnies-Auszeit läuft Mittwoch ab

Gelsenkirchen/Rheda-Wiedenbrück (WB/dpa). Drei Monate lang hat Clemens Tönnies sein Amt als Aufsichtsratschef beim Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 ruhen lassen. Wer den 63 Jahre alten Fleisch-Unternehmer aus Rheda-Wiedenbrück kennt, weiß, wie schwer ihm das gefallen sein dürfte. Nicht nur die turnusmäßigen Sitzungen des Kontrollgremiums waren nach einem Beschluss des Schalker Ehrenrats tabu für Tönnies.

Dienstag, 05.11.2019, 10:33 Uhr aktualisiert: 05.11.2019, 15:38 Uhr
Clemens Tönnies. Foto: Bernd Thissen/dpa
Clemens Tönnies. Foto: Bernd Thissen/dpa

Um nicht für noch mehr Aufmerksamkeit zu sorgen, belegte sich Tönnies mit einem Besuchsverbot der Heimspiele. Die Partien schaute er sich am Fernseher an, auch wenn er »kein Stadionverbot hatte«, wie Schalkes Unternehmenssprecherin Anja Kleine-Wilde betonte.

Am 6. August hatte der Schalker Ehrenrat nach vielfach als rassistisch eingestuften Äußerungen von Tönnies über Afrikaner und einem anschließenden Gespräch mit dem Clubchef entschieden, dass dieser sein Schalke-Amt drei Monate lang nicht ausüben darf. In dieser Zeit nahm Tönnies’ Stellvertreter Jens Buchta dessen Aufgaben wahr. An diesem Mittwoch um 24.00 Uhr läuft die Enthaltsamkeitsfrist ab. So könnte er von Donnerstagmorgen an wieder durchstarten.

Zeit für Selbstreflexion genutzt

Nach dpa-Informationen hat Tönnies die zurückliegenden drei Monate auch zur Selbstreflexion genutzt, einige Dinge hinterfragt, sich Gedanken über seine Rolle bei einem der emotionalsten deutschen Fußball-Vereine gemacht. Mit welchen Ergebnis, wird er sicher mitteilen, vermutlich im Interview mit dem hauseigenen Sender oder schriftlich via Vereinshomepage. In anderen Medien, so ist im Schalker Umfeld zu hören, will sich Tönnies vorerst nicht äußern.

Beim anstehenden Bundesliga-Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) in der Arena gegen Fortuna Düsseldorf wird es noch kein Tönnies-Comeback geben. Das bestätigte seine Kommunikationsagentur. Dem Vernehmen nach hält sich der Fabrikant geschäftlich im Ausland auf. Bei der nächsten Schalker Aufsichtsratssitzung im Dezember wird Tönnies dann aber die Club-Geschäfte wie gewohnt übernehmen.

Kein Comeback beim Schalke-Heimspiel

Dass Tönnies beim üblichen Essen vor dem Spiel mit den Verantwortlichen des Gegners nicht zugegen ist, dürfte ihm nicht ungelegen kommen. Schließlich träfe er wohl auf Fortuna-Vorstandschef Thomas Röttgermann, der Tönnies scharf kritisiert hatte. »Ich bin nicht Clemens Tönnies. Für mich kann ich aber sagen: Ich wäre zurückgetreten«, sagte Röttgermann im dpa-Interview.

In der vergangenen Woche hatte sein äußerst zurückhaltender Auftritt als Gast bei der Verleihung des NRW-Landesverdienstordens an Schalkes langjährigen Torhüter Manuel Neuer durch Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in der Düsseldorfer Staatskanzlei für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Duisburger Landtagsabgeordnete Sarah Philipp (SPD) fand den Tönnies-Auftritt »deplatziert«, wie sie tags darauf twitterte.

Für Äußerungen entschuldigt

Der Chef der Tönnies-Unternehmensgruppe mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück und einem Jahresumsatz von mehr als sechs Milliarden Euro hatte beim »Tag des Handwerks« in Paderborn als Festredner Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. »Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren«, sagte Tönnies.

Für die Äußerungen hatte er sich später entschuldigt.

Aufnahme von Tönnies’ Aussage:

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