Mo., 11.11.2019

Rheda-Wiedenbrück: Krimi-Nacht lockt 1500 Sherlock Holmes an Auf einen Blutsekt im Schuhgeschäft

Sie formieren sich für die Täterjagd: Roberta Anbush (von links), Pater Brown, zwei Polizistinnen von Scotland Yard, ein Bobby mit Schlagstock und der Mann von der Spurensicherung klären im Lauf der Kriminacht den Banküberfall auch auf.

Sie formieren sich für die Täterjagd: Roberta Anbush (von links), Pater Brown, zwei Polizistinnen von Scotland Yard, ein Bobby mit Schlagstock und der Mann von der Spurensicherung klären im Lauf der Kriminacht den Banküberfall auch auf. Foto: Uwe Caspar

Von Uwe Caspar

Rheda-Wiedenbrück (WB). Der umgekippte Stuhl im Schalterraum der Volksbank deutet auf eine überhastete Flucht hin. Auch der Papierkorb liegt quer auf dem Boden. Zudem hat der Täter seinen Drohzettel mit der Aufschrift »Überfall. Habe Waffe. Keine Polizei!« liegen gelassen.

Auch ein Stück seines Schals bleibt als wichtiges Indiz zurück. Als die Bobbys, Pater Brown und die Spurensicherung am Tatort eintreffen, teilt ihnen Geschäftsstellenleiter Bernd Schulte mit: »Der Mann ist in Richtung Innenstadt geflüchtet.« Der Ganove soll bei seinem kurzen Raubzug eine fünfstellige Summe erbeutet haben. Doch dieses schwere Delikt wird später in keinem Polizeibericht auftauchen: Der fiktive Banküberfall ist Ausgangspunkt der sechsten Krimi-Nacht in der Innenstadt von Rheda,

Reformhaus macht trotzdem mit

»Heute ist es so rappelvoll wie noch nie«, staunt Mitorganisatorin Kerstin Bruchmann-Schön von der Flora Westfalica über die kleine Völkerwanderung von Geschäft zu Geschäft. Bei der Tätersuche geben 700 Teilnehmer das korrekte Lösungswort an, der ausgeloste erste Preis geht an Vera Seeck. Auf rund 1500 Hobby-Sherlock-Holmes schätzt Bruchmann Schön die Gesamtzahl. »Die Krimi-Nacht hat sich etabliert. Mit ihr haben wir ein Alleinstellungsmerkmal. Doch es gibt schon Anfragen aus anderen Städten, die uns nacheifern wollen«, berichtet der zum Projektteam zählende Bernhard Ackfeld. In seinem Schuhgeschäft werden mottogerechte Getränke serviert: Mörder-Schnaps und Blutsekt. Und im Bistro »Carpe Diem« mixt der Kellner einen Dracula-Blood-Cocktail. Laut Bernhard Ackfeld sorgt die Krimi-Nacht auch für guten Umsatz in den 26 teilnehmenden Geschäften. Eine Ausnahme dürfte da das Reformhaus Kampschulte sein. »Ich verkaufe zwar an diesem Abend kaum etwas, trotzdem mache ich jedes Mal gerne mit«, sagt Inhaberin Monika Kampschulte, die ihren Besuchern Gesundheitssaft in Schnapsgläsern offeriert.

Gruselige Obduktion

Einen richtigen Hochprozentigen benötigt man wohl beim Lesen des Thrillers von Jan Bobe. In der Buchhandlung Thormann liest der pensionierte Kommissar Passagen aus seinem Erstlingswerk »Nur ein Schubs« vor. Da wird zum Beispiel bei der Obduktion »die Leiche mit den reingestopften Organen im Eiltempo wieder zugenäht«. Passend zu dieser Gruselszene bellt im Raum nebenan mehrmals ein Vierbeiner. Und der hört sich fast so schaurig an wie der Hund von Baskerville, ein Filmkrimi des berühmten Edgar Wallace. »Was ich in meinem Roman schildere, hat einen hohen Wiederkennungswert«, sagt Ex-Polizist Bobe. Nach 20 Minuten muss er sich selbst einen Schubs geben: »Meine nächste Lesung wartet – in der Stadtbibliothek.« Und verschwindet schnell in der dunklen Krimi-Nacht.

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