Di., 03.12.2019

Zweiter „Trauermarsch“ der Tierschützer führt zur Firma Tönnies Schweigeminute vor dem Werkstor

„Wir brechen heute einen weiteren Stein aus der Mauer der Ignoranz”: Oliver Groteheide, Mitorganisator des Trauermarsches zum Tönnies-Werk, begrüßt doppelt so viele Teilnehmer wie bei der Premiere im Vorjahr.

„Wir brechen heute einen weiteren Stein aus der Mauer der Ignoranz”: Oliver Groteheide, Mitorganisator des Trauermarsches zum Tönnies-Werk, begrüßt doppelt so viele Teilnehmer wie bei der Premiere im Vorjahr. Foto: Tim Bergheim

Von Tim Bergheim

Rheda-Wiedenbrück (WB). Der öffentliche Protest gegen das Tönnies-Fleischwerk ist seit langem von zwei Konstanten geprägt. Die Demonstrationen, die in regelmäßigen Abständen gegen die Massentierhaltung und ihre Folgen für Mensch und Umwelt protestieren, stehen nach wie vor nicht auf breitem Fundament. Doch das kleine Fähnlein der Protestler zeigt dafür um so größere Beharrlichkeit, und es ist gewillt, weiter dicke Bretter zu bohren. „Wir werden heute einen weiteren Stein aus der Mauer der Ignoranz brechen“, zeigte sich Oliver Groteheide, Mitorganisator des zweiten Trauermarsches nach 2018, glücklich, „heute mehr als doppelt so viele Teilnehmer wie im Vorjahr begrüßen zu dürfen“.

Viele Demonstranten hatten einen weiten Weg in Kauf genommen, um sich dem Trauermarsch der Bielefelder Ortsgruppe von „Animal Save“ und des Gütersloher Vereins „Fairleben“ anzuschließen. Darunter auch Gisela und Stefan Lucke aus dem münsterländischen Borken, die in den sozialen Netzwerken auf die Aktion aufmerksam geworden waren. Sie trugen ein selbst gemaltes Schild mit einem bekannten Schopenhauer-Zitat, das allen Teilnehmern aus Herz und Seele sprach: „Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.“

„Unglaubliche Grausamkeit“

Was der Mensch den Tieren beim Schlachten (im Fall der Firma Tönnies sind das bis zu 30.000 Schweine pro Tag) antue, zeuge nicht nur „von unglaublicher Grausamkeit“, so Groteheide in seiner kurzen Rede zur Begrüßung, „es ist auch eine gigantische Verschwendung von Ressourcen“. Unter dem Beifall der Demonstranten zeigte er sich überzeugt, „dass zahlreiche Studien belegen, dass wir Menschen durch einen radikalen Verzicht auf den Verzehr von Fleisch tausend Mal mehr für den Klimaschutz tun können als alle bislang diskutierten Maßnahmen in Sachen Verkehr“.

Die Demonstranten prangerten einmal mehr „miserable Haltungsbedingungen“ an, die dazu führten, „dass allein in Deutschland Millionen von Nutztieren schon vor der Schlachtung elendig sterben müssten, oft auf grausame Weise not-getötet“. Groteheide schloss mit einem Zitat von Yuval Noah Harari von der Universität Jerusalem. Der Autor des Welt-Bestsellers „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ mutmaßt, dass sich „die Behandlung von Tieren in der modernen Landwirtschaft als das größte Verbrechen der Geschichte herausstellen kann“.

Für all diese Opfer legten die Teilnehmer am Marsch, überwiegend in Trauerkleidung, am Fleischwerk Tönnies Blumen nieder und zeigten in einer ergreifenden Schweigeminute ihr Mitgefühl für all die geschundenen Kreaturen.

Kommentare

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7106068?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730030%2F