Di., 03.12.2019

Neffe will sich auf Klage fokussieren – Beirat spricht über umstrittenes China-Projekt Tönnies-Streit: Ist eine Trennung alternativlos?

Drei Gesellschafter, zwei Lager: Alles deutet derzeit darauf hin, dass sich die Wege von Clemens Tönnies (rechts) sowie seinem Sohn Maximilian (links) auf der einen Seite und 50-Prozent-Mitgesellschafter Robert Tönnies auf der anderen trennen.

Drei Gesellschafter, zwei Lager: Alles deutet derzeit darauf hin, dass sich die Wege von Clemens Tönnies (rechts) sowie seinem Sohn Maximilian (links) auf der einen Seite und 50-Prozent-Mitgesellschafter Robert Tönnies auf der anderen trennen. Foto: dpa/Archiv

Von Oliver Horst

Rheda-Wiedenbrück (WB). Im Familienstreit an der Spitze des Rheda-Wiedenbrücker Fleischkonzerns Tönnies bleiben die Fronten verhärtet. Daran änderte am Montag auch eine mehrstündige Beiratssitzung nichts. An der nahmen die zerstrittenen 50-Prozent-Gesellschafter Robert Tönnies (41) auf der einen sowie sein Onkel und Konzernlenker Clemens Tönnies (63) und dessen Sohn Maximilian (29) auf der anderen Seite persönlich teil.

Streitthemen wie die mit einem lokalen Partner in China geplante Großinvestition über 500 Millionen Euro, die nach Auffassung von Robert Tönnies der Zustimmung des siebenköpfigen Beirats bedarf, standen am Montag zur Debatte. Beschlüsse seien hierzu aber nicht gefasst worden, teilte ein Konzernsprecher mit. Es liefen noch Verhandlungen mit dem Joint-Venture-Partner Dekon. Über den Sachstand sei berichtet worden. Ob Zustimmungspflicht besteht, sei noch abschließend zu bewerten. Laut des 2017 zwischen den Gesellschaftern nach jahrelangem Streit geschlossenen Friedensvertrags gilt diese für Investitionen ab zehn Millionen Euro.

Streit um Geschäftsführer

Robert Tönnies hatte zuvor kritisiert, dass ein Vorvertrag mit Dekon unterzeichnet worden sei, ohne dass ihm die Dimension des Projekts bekannt gewesen sei.

Pikant: Das Papier war für den Fleischkonzern ausgerechnet von Andres Ruff unterschrieben worden. Den hatte Robert Tönnies selbst im Herbst 2017 als einen von zwei von ihm zu benennenden Geschäftsführer berufen. Im Frühjahr 2019 wollte er Ruff abberufen – doch Clemens Tönnies verhinderte dies. „Eine widerrechtliche Blockade“, wie die Seite von Robert Tönnies sagt. Gleiches gilt für den erst im März 2019 eingesetzten Geschäftsführer Stefan Gros. Der folgte wiederum auf den auf Betreiben von Clemens Tönnies fristlos geschassten Reinhard Quante. Der 56-Jährige hatte jüngst erfolgreich auf Weiterzahlung seines Gehalts geklagt – rund 700.000 Euro bis zum Vertragsende im Herbst 2020.

Weil auch Ruffs Vertrag schon Ende Oktober 2020 ausläuft, will Robert Tönnies keinen weiteren Rechtsstreit dazu führen, heißt es aus seinem Umfeld. Dort wird aber vermutet, dass Clemens Tönnies versuchen wird, eine Weiterbeschäftigung Ruffs zu erreichen.

Robert Tönnies: Fokus auf Schiedsklage

Mit einer Klage fordert Robert Tönnies derweil, wie berichtet, die ihm bislang vom Konzern verweigerte Auszahlung von 20 Millionen Euro. Das Geld ist Teil des Kaufpreises für den 2011 übernommenen 25-Prozent-Anteil seines nierenkranken Bruders. Auch diese Entnahme werde auf Initiative von Clemens Tönnies zurückgehalten, so der Vorwurf. Den für den Prozess nötigen Kostenvorschuss von 200.000 Euro hinterlegte Robert Tönnies nach Verstreichen einer ersten Frist. Die Verspätung sei durch einen Fehler in der Buchhaltung eingetreten und für das Verfahren kein Problem, heißt es aus seinem Lager.

Fokussieren wolle sich Robert Tönnies auf die von ihm im Sommer eingereichte Schiedsklage zur Trennung der Gesellschafter durch einen Verkauf. Dazu gebe es – Stand jetzt – keine Alternative.

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