Kabarettistin Daphne de Luxe liefert letzte Vorstellung im alten Reethus ab
Wie ein geiles Rennpferd

Rheda-Wiedenbrück (WB). Das 1988 erbaute Reethus in Rheda-Wiedenbrück wird im Frühjahr abgerissen. Mit der Entertainerin Daphne de Luxe (48) erlebten am Mittwochabend rund 550 Besucher im Rahmen der Sixpack-Kleinkunstreihe letztmals einen grandiosen Comedyabend.

Freitag, 17.01.2020, 08:35 Uhr aktualisiert: 17.01.2020, 08:40 Uhr
Auf der mit Couch, Tischchen, Sektkühler und edlem Kerzenständer ausstaffierten Bühne lädt die tief dekolletierte Meisterin der Selbstironie Zuschauer Dietmar auf ein Gläschen ein. Foto: Gabriele Grund
Auf der mit Couch, Tischchen, Sektkühler und edlem Kerzenständer ausstaffierten Bühne lädt die tief dekolletierte Meisterin der Selbstironie Zuschauer Dietmar auf ein Gläschen ein. Foto: Gabriele Grund

Zwei Stunden plauderte die sich selbst als „unglaublich attraktive Abrissbirne“ bezeichnende „Barbie im XL-Format mit der ausgeprägten Karosserie“ selbstironisch über ihr Gewicht, die Tücken bei Fitnessübungen, ihre Schwiegermutter und Männer. Mitten im laufenden Programm ließ sich die sympathische Walküre mit einer gewissen Wow-Aura von Besucher Dietmar die Sektflasche öffnen, um mit ihm auf die Schnelle ein Gläschen vom Feinsten zu genießen. Zahme Phasen waren bei Daphne de Luxe („Ich bin heute euer Appetithäppchen. Ja, das ist so, auch wenn so mancher nun denkt, ich bin eher ein Buffet für 50 Personen“) selten.

Von Hungerhaken und Dicken

Die pfundige Kabarettistin, die im ländlichen Speckgürtel von Hannover lebt und mit Lisa Feller und der Harsewinkelerin Meltem Kaptan „Ladies Night“ moderiert, war überglücklich, durch den Liveauftritt beweisen zu können, wie sehr im Fernsehen geschummelt wird: „Da sehe ich immer so dick aus.“ Sie plauderte über Sportbekleidungsverkäuferinnen, die den Tod verdienen, weil sie dicken Frauen unvorteilhafte Fitnessklamotten und zartrosa Leggins aufschwatzen, über die Abscheu von Hungerhaken gegenüber Dicken („Die Abneigung funktioniert auch in die andere Richtung“) und gut gemeinten Ratschlägen wie „Versuch es doch mal mit Sport“: „Da wäre ich ja im Leben nicht drauf gekommen. Als wenn man nicht nur dick, sondern auch noch bescheuert ist.“ Ganz nebenbei strafte sie Fitnessfanatiker ab. Man müsse nicht Größe XS tragen, um erfolgreich zu sein: „Ich bin der lebende Beweis, dass man auch mit ein paar Kilo zu viel auf den Rippen aussehen kann wie ein geiles Rennpferd.“

Mit eher nachdenklichem Unterton appellierte die ehemalige Fremdsprachenkorrespondentin, dass jeder Mensch sich so akzeptieren sollte, wie er nun mal ist, und offen, locker und selbstbewusst mit seinen Schwächen umgehen sollte. Oder eben etwas ändern. Herrlich auch die verklärte Selbstwahrnehmung von Männern: „Die könnten aussehen wie ein eingetretener Korbstuhl oder ein altes Landbrot mit Kruste und glauben immer noch, dass in puncto Frauen jeden Abend die Hütte bei ihnen brennt.“ Ordentlich Stimmung im Saal herrschte bei den live gesungenen Stimmungshits wie „Dicke Mädchen“ von den Höhnern, „Du hast den Farbfilm vergessen" von Nina Hagen, „Sexbomb“ von Tom Jones und der sächsischen Version des „Pariser Tango“. Insgesamt war das rund zweistündiges Programm, das mit donnerndem Beifall belohnt wurde, als humorgeladene Hommage ans Leben, die Liebe und die Lebenslust in all ihren Facetten zu verstehen.

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