Corona-Tests: Tönnies erläutert sein Angebot – Politik hält Geisterspiele für durchführbar
„Entscheidung liegt bei der DFL“

Rheda-Wiedenbrück (WB/dpa). Fleischfabrikant und Schalke-Boss Clemens Tönnies hat am Wochenende sein Angebot an die Deutsche Fußball Liga (DFL) näher erläutert, Corona-Tests der Profis im Labor seines Rheda-Wiedenbrücker Konzerns durchzuführen. Das WESTFALEN-BLATT hatte am Samstag exklusiv berichtet, dass das Unternehmen in dieser Frage mit der Liga in Kontakt stehe.

Montag, 20.04.2020, 03:16 Uhr aktualisiert: 20.04.2020, 13:50 Uhr
Clemens Tönnies. Foto: dpa
Clemens Tönnies. Foto: dpa

„Die Entscheidung liegt nun bei der DFL“, sagte Tönnies und meinte: „Wenn sie genug Test-Kapazitäten haben, stellen wir unsere Kapazitäten anderen zur Verfügung.“ Die DFL, die für den Spielbetrieb der 1. und 2. Fußball-Bundesliga zuständig ist, wollte auf Anfrage dieser Zeitung keinen Kommentar dazu abgeben. Sprecher Christopher Holschier verwies auf die so genannte „Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb“, die derzeit ein Vorgehen erarbeite, mit dem eine Testung von Spielern und weiterem Personal unter anderem unmittelbar vor den Spieltagen durchgeführt werden kann.

Die so genannten Corona-Schnelltests spielen eine Schlüsselrolle bei der Frage, ob und wann die Bundesliga ihren Betrieb wieder aufnehmen kann. Es gibt Überlegungen, die Spieler sowie die Trainer- und Funktionsteams alle drei Tage auf eine Corona-Infektion zu testen. So sollen Infektionsfälle schnell entdeckt und isoliert werden, um nicht mehr weite Teile der Mannschaft als Kontaktpersonen in eine 14-tägige Quarantäne schicken zu müssen, was die Pläne für eine geordnete Durchführung und reguläre Beendigung der Saison massiv gefährden würde. Die engmaschige Überwachung des Gesundheitszustands durch die regelmäßigen Tests soll diese Gefahr minimieren. Das würde rund 20.000 Tests bis zum geplanten Saisonabschluss Ende Juni erfordern.

In seinem Labor seien 180.000 bis 200.000 Tests pro Monat umsetzbar, versicherte Tönnies. In jedem Fall seien dort Corona-Tests an Menschen möglich, auch wenn in seinem Labor sonst Schweineblut untersucht wird. „Das ist kein Problem“, sagte Tönnies: „Das System ist dasselbe.“ Natürlich würde sein Unternehmen dafür aber mit Human-Medizinern zusammenarbeiten. Geld verdienen wolle er damit in dieser Notsituation nicht, versicherte der 63-Jährige.

Sollte die Saison im Profifußball zu Ende gespielt werden, würden die Partien wegen des zunächst bis August verhängten Veranstaltungsverbots vor leeren Rängen stattfinden. Die Politik scheint solchen Geisterspielen nicht im Weg zu stehen. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte jüngst erklärt: „Geisterspiele haben nichts mit Großveranstaltungen zu tun. Und solange die Gaststätten geschlossen sind, ist die Gefahr des Zusammenrottens zum Fußballgucken nicht gegeben. Der Infektionsschutz steht für uns im Fokus.“ Ob sie spielen, liege an den Vereinen, sagte Laumann.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hält Spiele ohne Zuschauer keineswegs für ausgeschlossen. „Die Liga selber erstellt ein intensives, und – wie ich auf den ersten Blick sehe und höre – sehr gutes“ Hygienekonzept. „Wir werden es jetzt nochmal genau bewerten und dann muss man sehen, ob man Geisterspiele erlaubt.“ Söder verwies darauf, dass die „Relevanz von Fußball möglicherweise nicht allein in der finanziellen Wirkung liegt, sondern auch in der psychologischen Wirkung“. Der Fußball sei für „sehr viele Menschen“ ein „Teil von Freude“.

Die Bundesliga pausiert wegen der Corona-Krise noch mindestens bis Ende April. Die nächste außerordentliche Mitgliederversammlung der DFL soll an diesem Donnerstag stattfinden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7376247?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730030%2F
Länder lockern Auflagen - Gratis-Schnelltests starten
In dieser Woche kommen immer mehr Corona-Selbsttests für Laien in den Einzelhandel.
Nachrichten-Ticker